Demokratie

Seitdem jedeR dahergelaufeneR BWL-StudentIn glaubt, den GriechInnen die Finanzkrise erklären zu können, ist eines etwas in Vergessenheit geraten: Athen ist nicht nur vom Smog umwaberter Sockel der Akropolis und nicht nur Mausoleum für Drachme und Euro. In der Hauptstadt der Hellen­Innen steht auch nach wie vor die vielzitierte Wiege der Demokratie (fragt nicht wo). Und da niemand ernsthaft behaupten kann, die Eurokrise in ihrer Gesamtheit geistig durchdrungen zu haben, kann man besser etwas von den Altvorderen lernen als deren Nachkommen mit erhobenem Finger zu maßregeln. Statt schulmeisterlicher Strenge ist Demut angesagt. Denn vor Jahrtausenden schafften die alten GriechInnen bereits, was an der RUB noch weitere Jahrtausende entfernt scheint: Ein aktiv genutztes System der demokratischen Teilhabe zu etablieren. Wahlberechtigt zu sein war eine Ehre, die Wahlen eine Errungenschaft der Zivilisation, die das Volk sich erstreiten musste. Zwar durfte nur ein kleiner, privilegierter Personenkreis (männliche Vollbürger) wählen, aber die Weichen waren gestellt. Ein nicht ganz freiwilliger Systemwechsel begrub die Herrschaft des Volkes jedoch wieder unter den Trümmern der Geschichte. Einige (wirklich einige!) Zeit später wurde die Demokratie wieder aus den Tiefen gehoben und abgestaubt. Scheinbar aber mit ein paar Macken: Viele scheinen das Relikt aus der Antike nicht zu verstehen. An der RUB fristet die Herrschaft des Volkes der StudentInnen ein trauriges Dasein, wie ein Exponat im Museum, dessen Sinn sich dem/r BetrachterIn nicht erschließt.
Könnte man Hochschulpolitik studieren, sie würde selbst in Zeiten dreifacher Abiturjahrgänge NC-frei sein, eine Rarität unter den Orchideenfächern. Für die Wahlen zum StuPa (das ist das Studierendenparlament) finden sich regelmäßig erschreckend  wenige Menschen ein, die ihre Stimme abgeben. An den Wahlurnen fühlt man sich ein wenig wie in der U35 zur schönsten Ferienzeit. Und warum das alles? Die Wahlen gelten als bedeutungslos. Fast alle beschweren sich über alles Mögliche rund um die RUB, aber die meisten ziehen nicht die Querverbindung zur studentischen Vertretung unserer Uni. Dabei ist Wählen fast noch einfacher als Meckern. Für alle, die gerne meckern und sich diesen Zeitvertreib nicht nehmen lassen wollen, sei hier noch Entwarnung gegeben: Das geht auch noch nach der Wahl, manchmal sogar besser.
Also keine faulen Ausreden! Es gibt für jedeN einen Grund, wählen zu gehen:
Politisch Interessierte können große Politik im Kleinen begutachten.
HipsterInnen und RebellInnen können ganz unangepasst ein Zeichen gegen den Mainstream setzen.
Bologna-Geplagte und NaturwissenschaftlerInnen haben endlich mal wieder außerhalb der Mensa eine Wahlmöglichkeit.
Für alle, denen das nicht reicht: Macht es für euch. Was wäre die Uni ohne StudentInnen? Und was wären StudentInnen ohne Meinung? Wir alle verbringen genug Zeit auf dem Campus, dass es sich lohnt, ihn nach unseren Wünschen zu gestalten. Also informiert euch (z.B. hier in der :bsz), sucht euch eine Liste aus und setzt euer Kreuz. Fertig. Die alten GriechInnen sind stolz auf euch.