Medien
Shoa-Erinnerungen und -Wahrnehmungen beim Dokufilm-Festival „Stranger than Fiction“
So würde sie aussehen: Die rekonstruierte Wohnung der jüdischen Familie Adler. Foto: Gebrüder Beetz Filmproduktion

Ein Antik-Trödelmarkt unter der Berliner Mittagssonne bildet den Schauplatz einer bemerkenswerten Szene von Alice Agneskirchners Film „Ein Apartment in Berlin“. Die drei jungen israelischen ProtagonistInnen Eyal, Yoav und Yael wühlen neugierig in den Kartons herum. Herausgegraben wird allerlei: antiquierte Bücher, verstaubte Bilder und alte Fotoalben. Dann stößt Yael auf einen Kerzenständer, an dem jemand etwas abgebrochen hat – einen Davidstern. Bedeutungsschwanger erfasst die Kamera die Szenerie, nähert sich Yaels Gesicht, bis Regisseurin Agneskrichner mit bemühtem Mitgefühl fragt, was sie denn nun empfinde. „Was soll ich denn schon empfinden“, fragt Yael etwas hilflos zurück. Fast überrumpelt wirkt sie von diesem Erwartungshorizont, der doch nur Eines ausdrückt: Die große Kluft zwischen der Holocaust-Wahrnehmung der Israelis und der Deutschen.

Noch bis 2. März im Dortmunder U: Moving Types – Lettern in Bewegung
Von Max Frisch zu Superman: Die weissen Würfel enthalten Clips zur Mediengeschichte der Typographie Foto: bent

Das hat man gar nicht auf dem Schirm. Filme verbindet man üblicherweise vor allem mit Bildern. Mit Einstellungen, die sich ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt haben oder Porträts großartiger SchauspielerInnen, mit Momenten, die nicht selten dazu verleiten, ganz zu vergessen, dass der Film einen wesentlichen Hauptdarsteller hat, noch bevor er bildlich wird: der Buchstabe. Der Buchstabe trägt den simplen wie faszinierenden Moment des Kinos, den (Film-)Vorspann, der einsetzt, wenn das Licht aussetzt, als Übergang zur Bilderwelt des Kinos. Die Buchstaben erscheinen und versichern: Das ist nichts als Kino. Mit dem Film haben nicht nur die Bilder angefangen, das Laufen zu lernen, sondern auch die Lettern. Diesem Aspekt widmet sich die Ausstellung „Moving Types – Lettern in Bewegung“.

The Blog House: Ein irritierender Abend am Theater Dortmund
Hebelt das Nichtraucherschutzgesetz aus: Martin Kaysh und sein Smoke-O-Mat, ein Handstaubsauger. Foto: dh

„Nur wenn ein Geist irritiert ist, kann er sich neu strukturieren.“ Das soll Bärbel Rotzky, Frontfrau der Punkband Eisenpimmel, die musikalisch irgendwas zwischen Volksmusik und Schlager macht, einst im Vollrausch gelallt haben.

Molleindustria produziert Computerspiele gegen Ausbeutung und Krieg
Wer hat den stärkeren imaginären Freund? In der Religionensatire „Faith Fighter“ treten die wichtigsten Gestalten der Weltreligionen gegeneinander an – hier haut Hindugott Ganesha Jesus aus den Latschen. - Screenshot: mar

Ich spiele dieses Kriegssimulationsspiel von 2012. Dualvision, das heißt zwei Bildschirme, einer links, einer rechts. Erste Mission: auf dem rechten Bildschirm muss ich vor wütenden AfghanInnen flüchten, auf der linken Seite sehe ich den Protagonisten des Spiels. Er schläft. Rechts verwandelt er sich auf einmal in sein Arbeitsgerät, eine Drohne, und fliegt davon. Der Drohnenpilot wacht auf. Was für ein Traum. Nächste Mission: Die Morgen­toilette. Ich schneide mich beim Rasieren. Auf dem Weg zur Arbeit muss ich den richtigen Text von Queens „One Vision“ singen, auf der Arbeit kann ich rechts meiner Arbeit nachgehen – Verdächtige im Mittleren Osten beobachten – oder links mit meiner Kameradin flirten. Ich verkacke beides. Nach Feierabend erschießt der Drohnenpilot mit seinem Sohn Nazis auf der Spielekonsole. „Work is boring“, sagt er. Und mir, dem Spieler, wird klar: Moderne Kriegsführung ist eben nicht „Modern Warfare“.

Bücher sind für JournalistInnen in der Regel kein lukratives Geschäft
Andrea Röpke (l.) und Frank Überall (r.) sprachen auf der Frankfurter Buchmesse über den Stellenwert von investigativem Journalismus auf dem Buchmarkt. Fotos: dh

Die Deutschen sind durchschnittliche LeserInnen. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse bescherte ein Pisa-Test für Erwachsene das wenig überraschende Ergebnis. Doch auf der mit 7.300 Ausstellern aus rund 100 Ländern größten Buch- und Medienmesse der Welt gab man sich zuversichtlich: Zwar werden im medialen Wandel die Karten auf dem Buchmarkt neu gemischt – so der Tenor – doch biete dies auch große Potentiale. Fakt ist: Noch nie war das Publizieren so einfach wie im Zeitalter des E-Books. Aber wem nützt das? Abseits von LiteraturpreisträgerInnen, Comicstars, und Promibiografien fristen z. B. journalistische Publikationen ein relativ unbeachtetes Dasein. Die Sachbuch-AutorInnen Andrea Röpke und Frank Überall haben in Frankfurt erklärt, warum der vierten Gewalt im Staat auch neue Verbreitungswege wenig nützen.

Ein neues Kapitel
Auf der Flucht: Edward Snowden hat sichs‘ mit der NSA verscherzt. Collage: Jacq/koi
Der Prism-Skandal: Erneut erhebt sich auf den Spuren von Edward Snowden und nach Demonstrationen in Hongkong scharfe Kritik gegen das soziale Netzwerk Facebook. War Edward Snowdens Enthüllung ein Freiheits- oder ein Kriminalakt? Wie weit sich der Skandal um den US-Überwachungsdienst ausdehnt, wurde letztes Wochenende veröffentlicht – überraschenderweise nicht bei Facebook selbst. Es handelte sich tatsächlich allein im letzten Halbjahr 2012 um 18.000 bis 19.000 Facebook-Konten, welche von der Spionage betroffen waren. Dies bedeutet, dass die National Security Agency (NSA) sowie acht andere US-Geheimdienste in diesem halben Jahr bis zu 10.000 Anfragen an das soziale Netzwerk gestellt haben.
Wenn Heimat nicht mehr Zuhause ist
Interkultureller Austausch zwischen Ghana und Deutschland muss nicht immer Klischee sein.	 Graphik: Jacq

Es richtet sich an Menschen, die den Halt an ihrer Heimat verloren haben. Es ist gemacht für Verlorene, die in ihrem Zuhause kein Zuhause mehr erkennen können. Ins Leben gerufen für Gebrochene, die noch mal ganz von vorne anfangen wollen –  ein neues Leben, eine neue Heimat, eine neue Familie, eine neue Kultur, ein neuer Kontinent: Adopted, ein Projekt für erwachsene EuropäerInnen, die eine Adoptivfamilie in Afrika suchen. 

The Big Bang Theory – ein Urknall der Vorurteile
Ein bisschen Spaß muss sein – auch, wenn er auf Kosten anderer geht? Foto: ck

Zwischen 1926 und 1951 drehte das us-amerikanische Komiker-Duo „Laurel und Hardy“ 106 Filme. Im deutschsprachigen Raum wurden Stan Laurel und Oliver Hardy unter der Bezeichnung „Dick und Doof“ bekannt. Dass man mit signifikanten körperlichen Merkmalen, (gemimt) eingeschränkter geistiger Leistungsfähigkeit sowie zahlreichen Klischees und Vorurteilen im Kino und Fernsehen richtig Kasse machen konnte und kann, ist eine historisch verbriefte Tatsache. Auch die amerikanische TV-Serie „The Big Bang Theory“ zeigt, dass es noch immer ganz normal zu sein scheint, sich öffentlich und medial auf Kosten anderer zu belustigen.

WAZ schafft Lokalredaktion für den Kreis Recklinghausen ab
Westdeutsche Allgemeine Zeitung: Vollgestopft mit fremden Inhalten. Foto: koi

Erst Dortmund, jetzt der Kreis Recklinghausen: Nachdem die Westfälische Rundschau ihren Dortmunder Lokalteil abgewickelt hat, stampft nun auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) Lokalteile im Ruhrgebiet ein. Ersetzt werden diese durch Inhalte der Konkurrenz, in diesem Fall des Marler Medienhauses Bauer. Die RedakteurInnen und freien MitarbeiterInnen sind entsetzt, während die LeserInnen gar nicht erst informiert werden.

Der „Singleplayer“ ist tot – lang lebe der „Multiplayer“?
Der Commodore Amiga 500: Seit seiner Glanzzeit hat sich die Spielebranche stark gewandelt.Foto: Wikimedia Commons / Bill Bertram (CC BY-SA 2.5)

Seit Jahren diskutiert die Computerspiele-Branche, ob klassische Einzelspieler-Titel noch konkurrenzfähig sind. Analysten, Entwickler und Publisher führen immer wieder „sinkende Verkaufszahlen“ und unzureichende „Anreizmodelle“ als argumentativen Beleg für diese Behauptung ins Feld. Doch stimmt das? Liegt der „Singleplayer“ tatsächlich im Sterben oder ist er bereits tot?

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