Bochum & Umgebung
Tag und Nacht Spaß haben in Bochum
Die Discokugel in der Rotunde: Bringt Partyatmosphäre in Lesungen, Kunstfestivals und – Partys. Foto: mar

Der Suchbegriff „Studenten Party“ erzielt auf Google 3,36 Mio. Treffer, die Wörter „Studenten Seminar“ hingegen nur 2,16 Mio. Die Prioritäten sind also klar. Und obwohl Bochum trotz Uni nicht den Charakter einer Studentenstadt hat, sondern eher eine Industriestadt ist, in die man ein paar Betonklötze namens RUB hingestellt hat, weiß man auch hier wie man seine Abende einzigartig zünftig gestalten kann.

Aus Jubiläumsfest wurde Opel-Solidaritätsfest

(clu) Am vergangenen Sonntag fand in der Bochumer Innenstadt das Solidaritätsfest für die vor der Schließung stehenden Opel-Werke in Bochum statt. Nach dem vielen Verhandlungs-Hin-und-Her sollen 2016 die letzten Autos in Bochum vom Band laufen. Die Stadt Bochum, die Gewerkschaft und der Betriebsrat luden zu diesem Fest ein, um ihren Protest gegen die Pläne des Mutterkonzerns General Motors zu demonstrieren. Die Reden von Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) und Betriebsratschef Rainer Einenkel wurden ergänzt von einem umfangreichen Info- und Unterhaltungsprogramm.

Der soziale Stadtrundgang von bodo e.V. zeigt Bochum aus unbekannter Perspektive
Erste Station: bodo-Verkäufer Markus informiert über den Verein. Foto: mar

Da lebt man in Bochum oder einer anderen Ruhrgebietsstadt, studiert und arbeitet und feiert und meint, seine Stadt zu kennen. Dabei vergisst man, dass man ja nur eine von vielen Sichten auf seine Stadt hat. Wohnungslose zum Beispiel haben einen Alltag, der sich gänzlich von einem studentischen unterscheidet und sehen die Stadt deshalb mit anderen Augen. Das Angebot des bodo e.V., der Menschen in sozialen Notlagen unterstützt, den Alltag eines bedürftigen Menschen in Bochum bei einer Stadtführung kennenzulernen, öffnet die Augen und erweitert das soziale Blickfeld.

Erich Kästner-Schule Bochum in der Kritik
„Wir würden gerne wissen, wer uns besucht...“ (Schulleiter Walter Bald) Foto: USch

1971 wurde sie als „Gesamtschule Bochum“ eröffnet und war damit die zehnte ihrer Art in NRW: Die Erich Kästner-Schule (EKS), die zugleich Vorreiter unter den Ganztagesschulen an Rhein und Ruhr war und im Jahre 1982 Regelgesamtschule wurde. Nachdem die SchülerInnenzahl in ihrer Spitzenzeit etwa 2.000 betragen hatte, ging sie bis 2006 jedoch auf rund 1.200 zurück. Die Entscheidung der Stadt Bochum, angesichts der PCB-Belastung des alten Schulgebäudes an der Markstraße für geplante 21 Millionen Euro einen Neubaukomplex neben das Altgebäude zu setzen, brachte die Wende: So wurde die neue, mit Beginn des Schuljahres 2010/11 eröffnete Schule im vergangenen Jahr u.a. mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Der dicke Wehrmutstropfen: der Außenbereich des Schulneubaus ist komplett kameraüberwacht. Die :bsz hat im Gespräch mit Schulleiter Walter Bald hinter die Kulissen gespäht.

Opel: Werksbesetzung 2022?
50 Jahre nach Werkseröffnung: Die Werksschließung. Karikatur: Michael Holtschulte

Eine ganze Region steht unter Schock: 2016 sollen in den drei Bochumer Opelwerken endgültig die Lichter ausgehen, wovon nicht nur die rund viertausend Belegschaftsmitglieder, sondern auch zahlreiche Zulieferbetriebe in der Region betroffen wären. Die ökonomischen Folgen hätten laut einer Studie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen direkte Auswirkungen auf etwa 45.000 Arbeitsplätze in der Region. Nachdem nun auch die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen zum wiederholten Male abgesagt wurden, hält sich der Betriebsrat die Option offen, dies im Januar nachzuholen und hierbei mögliche Protestaktionen zu setzen. Dies nährt die Hoffnung, dass es noch vor 2022 zu einer ‚Betriebsbesetzung‘ kommen könnte, wenn das Werksgelände einer alternativen Nutzung zugeführt werden soll… 

Zu Weihnachten etwas Gutes tun
Die ersten Pullover sind da: Beim Bochumer Verkäufertreff gab es Geschenke. Foto: bodo e.V.

Zu keiner anderen Zeit im Jahr wird soviel verschenkt und beschenkt wie zur Weihnachtszeit. Doch nicht nur die eigenen Lieben werden bedacht: Die Bereitschaft, etwas zu spenden und dadurch andere Menschen oder Tiere, die Umwelt oder die Kultur zu unterstützen, hat zur Weihnachtszeit Hochsaison. Das Fernsehen strahlt Spendengalas aus, jede Zeitschrift enthält Spendenaufrufe der bekannten Organisationen und täglich landen zig Briefe von prominenten Schirmherren im Postfach, die um Unterstützung bitten. Da fällt es manchmal schwer, den Überblick zu behalten und zu entscheiden, wohin der eigene Beitrag gehen soll. Wir stellen drei Projekte in und um Bochum vor.

Hat die Oberbürgermeisterin ausgespielt?
Ottilie: Bald abgewählt? Bild: Volker Steude

Viele BürgerInnen hatten schon die Nase gestrichen voll von Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, bevor sie 2004 zum ersten Mal ins Amt gewählt wurde – war sie doch ein Jahr vorher noch als amtierende Finanzdezernentin nach New York gejettet und hatte eilig Fakten geschaffen, um einen dubiosen Cross-boarder-leasing-deal am letztmöglichen Tag mit ihrer Unterschrift abzusegnen und sich somit über ein schwebendes Bürgerbegehren hinwegzusetzen. Nach der Stadtwerke-Affäre um die horrenden Honorare für Atrium-Talker Per Steinbrück und den jüngsten Schlag ins Gesicht vieler BochumerInnen, als sich Scholz ein weiteres Mal über ein noch nicht entschiedenes Bürgerbegehren – diesmal gegen das geplante Musikzentrum an der Marienkirche – hinwegsetzte und dort mehr als ein Dutzend jahrzehntealte Platanen im Wert von über einer halben Million Euro abholzen ließ (die :bsz berichtete), scheint die Zeit für ein Abwahlverfahren gekommen. Als in der Marienkirche am 11. Dezember zum letzten Mal die Kirchenglocken geläutet haben, bevor der Sakralbau umgestaltet werden soll, könnten sie auch das vorzeitige Ende der zweiten Amtszeit von Ottilie Scholz eingeläutet haben.

Demokratievernichtung mit der Kettensäge
Kann sich hören lassen: Die Kettensägensymphonie hat begonnen. Foto: Esperanza Aserrar

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden: Obwohl das Bürgerbegehren gegen das Musikzentrum noch in der Schwebe ist, wurden am Montag ab 4 Uhr morgens Fakten geschaffen und ein Großteil der Platanen auf dem potentiellen Baugelände an der Marienkirche gefällt. Damit hat sich der Stadtrat nach dem Stadtbadabriss 1998 und dem Cross-Border-Leasing des Kanalnetzes 2003 zum dritten Mal über ein Bürgerbegehren hinweggesetzt.

Bochum bald endgültig eingekesselt
Protest weggebaggert: Eine Schaufel spaltet die Stadt.

Ein Idyll wird asphaltiert: Seit dem feierlichen ersten Baggerbiss laufen nunmehr die Bauarbeiten, um den Bochumer Süden von Laer über Steinkuhl bis Wiemelhausen mit 3,3 Kilometern neuer Autobahn einzudecken. 2015 soll das bis zur Markstraße reichende erste Teilstück entlang des Opelwerks I eröffnet werden, 2017 dann der achtspurige(!) Ausbau des heutigen Nordhausenrings bis zur Uni-Straße. Während sich die verantwortlichen PolitikerInnen wie üblich selber feiern, haben die AnwohnerInner überwiegend resigniert.

Basisdemokratie statt Aktionismus
Stürzt der Luftschloss-Ballon ab? Foto: flickr/hebam3000 (CC BY-NC 2.0)

Vergangenen Donnerstag überreichte das „Bürgerbegehren Musikzentrum“ rund 15.000 Unterschriften an Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz. Davon müssen 11.900 gültig sein, damit der Rat am 13. Dezember über die Zulässigkeit des beantragten Bürgerentscheids tagt. Aber warum lehnen – wie die InitiatorInnen des Bürgerbegehrens – so viele BochumerInnen das Musikzentrum ab? Und was verspricht sich die Stadt von einem solchen ‚Musikpalast‘?

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