PostHeaderIcon #812 - Qualitätszirkel an der RUB

Und wenn ich mal nicht weiter weiß...

(rvs) Die andauernden Proteste zeigen Wirkung im Rektorat. Auf der letzten Sitzung der FachschaftsvertreterInnen-Konferenz (FSVK) präsentierte die Prorektorin für Lehre, Prof. Dr. Wilkens, ein Konzept für die Verbesserung des Bachelor-Studiums an der RUB.

Die RUB hat, nicht zuletzt auch durch die Proteste vor Ort, erkannt, dass es dringenden Handlungsbedarf bei der Reform der Bologna-Reformen gibt. Der Vorwurf, unstudierbare Studiengänge erstellt zu haben, wiegt schwer – und dem soll nun entgegengewirkt werden, indem man den Rat der Studierenden einholt. In sieben Workshops sollen fünf Qualitätszirkel gebildet werden, in denen die Studiengänge an der RUB aus studentischer Perspektive unter die Lupe genommen werden. Ziel ist es, Empfehlungen auszusprechen, wie Probleme behoben werden können, um den Zielen von Bologna besser zu entsprechen.

Neben dem Curriculum stehen Fragen nach der Verbesserung von nationaler und internationaler Mobilität und der Verbindung von akademischer Ausbildung und Praxis auf der Agenda der Workshops. Die Universitätsleitung plant mit 30 bis 40 Teilnehmenden (drei aus jedem Fachschaftsrat), um einerseits die Fächervielfalt der RUB abzubilden und andererseits eine arbeitsfähige Gruppengröße zu behalten.

Denkt eigentlich mal jemand nach?

Der Bachelor ist alt – zumindest an der RUB. Bereits Prof. Dr. Petzina, Vorvorgänger des amtierenden Rektors, kündigte vor acht Jahren an, dass die Ruhr-Universität schnell und konsequent ihre Abschlüsse auf das einheitliche Bachelor/Master-System umstellen würde. Den Worten folgten Beschlüsse in Fachbereichsräten und dem Senat sowie letztlich auch Taten. Fast wie das berühmte Dorf in Gallien wirkten Fakultäten, die sich bis zuletzt dem Ruf nach einem Bachelor-Studium widersetzten. Abgesehen von Staatsprüfungen im Lehramt, der Medizin und den Rechtswissenschaften ist die RUB ‚durchgebachelort‘. Ziel des Bachelors war neben der Verkürzung des Studiums auch eine bessere Vergleichbarkeit und damit die Einführung eines qualifizierten und quantifizierten Qualitätsbegriffs.

Erst Streiks und Proteste scheinen nun dazu zu führen, dass dieses Versprechen auch umgesetzt wird. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass Prozesse regelmäßig auf ihre Zweckmäßigkeit hin überprüft werden – wurde die Evaluation der Studiengänge bislang doch eher stiefmütterlich behandelt und echte Innovationen, so sie nicht ins Leitbild des Bachelors passten, oftmals verworfen. Wenn diese Qualitätszirkel hiervon eine Abkehr darstellen wollen, ist das sicherlich ein Gewinn; wenn auch einer, der teuer erkauft wird. Nicht nur, dass die Workshops durch aus Studiengebühren finanzierte Moderatoren geleitet werden sollen; eine Garantie, dass die Vorschläge umgesetzt werden und nicht erneut Papier für den Korb produziert wird, möchte Prorektorin Wilkens nicht geben. Ebenso wird die Masterproblematik erstmal völlig außen vor gelassen. Begeisterungsstürme konnte Wilkens bei den versammelten Vertreter_innen der Fachschaften mit diesem Konzept folglich nicht hervorrufen, und so blieb die Stimmung eher gereizt – hatte man sich doch am Ende mehr von der Reform der Reform des Bachelor versprochen als einen Arbeitskreis. Am Ende bleibt wohl nur die Redensart: Wenn ich mal nicht weiter weiß, gründ ich einen Arbeitskreis. Wenn man die Anzahl der geplanten Zirkel als Maß für die Unwissenheit verstehen will, ist es um die Reformen an der Reformuniversität Bochum wirklich nicht weit her.

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