Von der Straße für Euch
Zwei Nominierungen für die Straßenzeitung bodo
Bild: Sebastian Sellhorst / bodo e.V.
Zwischen verbrannten Gegenständen  – Ein Mann sucht nach Überresten seiner Besitztümer. Bild: Sebastian Sellhorst / bodo e.V.
Zwischen verbrannten Gegenständen – Ein Mann sucht nach Überresten seiner Besitztümer.

Preisverleihung. Vom 18. bis 20. Juni treffen sich Straßenzeitungen aus 25 Ländern zur INSP-Jahreskonferenz in Hannover. Die Straßenzeitung bodo hat dabei die Chance, in gleich zwei Kategorien zu gewinnen: bestes Foto und bestes Cover.

Jedes Jahr zeichnet das Internationale Netzwerk für Straßenzeitungen (INSP) die besten Beiträge von Straßenzeitungen und -magazinen aus der ganzen Welt aus. Das soziale Straßenmagazin bodo aus Bochum, Dortmund und Umgebung ist dieses Jahr in gleich zwei Kategorien vertreten. Eine Nominierung erhält die bodo in der Kategorie „Bestes Cover“ und eine weitere Nominierung gilt Fotograf Sebastian Sellhorst, der für einen Beitrag obdachlose Menschen in Bochum und Dortmund zu ihren Schlafplätzen
begleitet hat.
„Das Beeindruckende und Schockierende an dem Bild ist, dass es nicht in einem Kriegsgebiet, sondern in der Dortmunder Innenstadt entstanden ist. Der Mann, den ich traf, hatte seine Behausung an einem Bahndamm gebaut. Als er dort etwas zu Essen kochen wollte, ist sein Gaskocher in Flammen aufgegangen und hat alles in Brand gesetzt. Dem Mann ist nichts passiert – aber seine wenigen Besitztümer und sein Schlafplatz waren zerstört“, rekapituliert Sellhorst sein Foto. Es erschien 2019 in der Februarausgabe des Straßenmagazins.
 

Bald 25 Jahre

Seit Februar 1995 erscheint monatlich die bodo, eine Zeitung, die von Menschen in schwierigen sozialen Lagen in der Region Dortmund, Bochum und Umgebung vertrieben wird. Das Projekt bodo versteht sich dabei als Lobby für obdachlose Menschen, die einen Weg zurück in geordnete Tagesabläufe, geregeltes Einkommen und vorallem Anerkennung innerhalb der Gesellschaft suchen. Sie sind stolz auf die Arbeit, die sie verrichten, und erhöhen damit ihr Selbstvertrauen.
Wenn auch manch einer auf den Gedanken kommen mag, lieber etwas Geld an die Verkäufer*innen zu spenden, als die Zeitung zu kaufen, geht es den bodo-Verkäufer*innen vorallem darum, dass sie etwas für ihr Geld tun und keine Almosen empfangen. Ein bodo-Mitarbeiter formulierte es wie folgt: „Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einer Bäckerei. Jemand kommt rein, drückt ihnen einen Euro in die Hand und sagt: ‚Ich hab gar keinen Hunger, alles Gute.‘ Das wäre doch seltsam oder?“
 

Soziale Reintegration

Die Verkäufer*innen tragen auch aktiv zu ihrem Straßenmagazin bei und liefern aus erster Hand Informationen zu Themen wie Obdachlosigkeit, Sucht oder Armut. Mehr als 100 Verkäufer*innen bieten die bodo in Dortmund, Bochum, Unna, Witten und Herne an. Mit monatlicher Auflage von 20.000 Exemplaren und Onlinepräsenz, erreicht die bodo über 40.000 Leser*innen.
Bodo ist ein gemeinnütziger Verein in freier Trägerschaft, dessen Ziel die Unterstützung und soziale Reintegration von Menschen in schwiergen Lebenslagen ist, um ein Gefühl für Selbstverantwortung und -verwaltung zu bekommen. Diese Menschen erhalten zunächst zehn Magazine zum Start, alle weiteren kaufen sie für 1,25 Euro an und verkaufen diese dann für 2,50 Euro weiter. Die Hälfte der Einnahmen landen somit direkt bei den Verkäufer*innen. Die meisten Verkäufer*innen liegen im Bereich der Zuverdienstgrenze mit um die 100 Euro im Monat. Für manche ein kleiner Zuverdienst neben Hartz IV, für andere der nötige Schritt um ihr Potential wiederzubeleben.               
 

:Christian Feras Kaddoura