Gehisst und aus den Geschichtsbüchern getilgt: Das Theaterkollektiv EGfKA und der Ringlokschuppen Ruhr erinnern an den Ruhraufstand.
Zurück in die revolutionäre Zukunft?
Symbolbild: kac
Gehisst und aus den Geschichtsbüchern getilgt:  Das Theaterkollektiv EGfKA und der Ringlokschuppen Ruhr erinnern an den Ruhraufstand. Symbolbild: kac
Gehisst und aus den Geschichtsbüchern getilgt: Das Theaterkollektiv EGfKA und der Ringlokschuppen Ruhr erinnern an den Ruhraufstand.

Veranstaltungsreihe. Das Theaterkollektiv EGfKA und der Ringlokschuppen Ruhr erinnern mit ihren Performances bei 

„REVOLUTIONARY LEFTOVERS #1 LOCAL UPRISINGS RUHRAUFSTAND“ an den Kapp-Putsch und fragt sich, ob Revolution noch möglich ist.

Mit Rechten zu reden, kam für die ArbeiterInnen im Ruhrgebiet nicht in Frage. Als sich 1920 allerhand Reaktionäre um den Nationalisten Wolfgang Kapp nicht mit der jungen Republik in Deutschland abfinden wollen und putschen, rufen KPD, USPD, SPD und andere linke Organisationen zur Gegenoffensive auf. Nach einem Generalstreik ist der rechte Staatsstreich abgewendet. Doch die ArbeiterInnen wollen jetzt mehr: In Essen, Bochum, Dortmund und anderen Städten werden Betriebe besetzt und Räte gebildet. Die ArbeiterInnen versuchen, eine demokratische Regierungsgewalt von unten aufzubauen. Die Rebellion wird schließlich von der Reichsregierung unter Sozialdemokrat Friedrich Ebert blutig niedergeschlagen – auch mit Hilfe rechter Freikorps. 

Turbulente Ereignisse, doch der sogenannte Ruhraufstand ist nahezu aus den Geschichtsbüchern an Schulen und aus dem Diskurs verschwunden. „Das ist insgesamt ein sehr unbekanntes Thema, das komplett raus ist aus dem öffentlichen Leben“, sagt Florian Thamer von der EGfKA (Europäische Gemeinschaft für Kulturelle Angelegenheiten). Trotz der brisanten Aktualität dieses Kapitels. Nicht nur was die rechten Freikorps-Verbände betrifft, wie Florian Thamer erklärt: „Da sehe ich Parallelen zur Neuen Rechten, die sich auch auf die ‚konservative Revolution‘  beruft.“ Damals raufte sich eine zerstrittene Linke nicht nur gegen die proto-faschistische Gefahr zusammen, sondern etablierte gleichzeitig eine rätedemokratische Alternative. 

Veranstaltung mit Bini Adamczak 

Das Theaterkollektiv  EGfKA und der Ringlokschuppen Ruhr möchten dieses vergessene Kapitel mit ihrer Erinnerungsarbeit ausgraben. Anastrophische Zukunftsszenarien nennen sie das, was Kunst- und PolitikaktivistInnen interdisziplinär in „Laboren der Sozialen Imagination“ erarbeiten und schließlich auf die Bühne bringen. Ausgangsfrage: Sind Prekarisierung, Austerität und Rechtsruck alternativlos? Oder gibt es noch Utopien jenseits des Neoliberalismus? Zurück in die revolutionäre Zukunft?

Zumindest sollen die revolutionären Geister des Ruhraufstandes in verschiedenen Performances, Vorträgen und Diskussionen verhandelt werden. Unter anderem in einer Veranstaltung mit Ulrike Haß, emeritierte Professorin und geschäftsführende Direktorin des Instituts für Theaterwissenschaft der RUB, und der Autorin Bini Adamczak, die in ihrem Buch „Beziehungsweise Revolution: 1917, 1968 und kommende“ den Wandel von Geschlechterverhältnissen in gesellschaftlichen Umwälzungen analysierte. Lange Vorträge soll es nicht geben. Stattdessen ein „spielerisches Diskurs-Format“, bei dem sich alle TeilnehmerInnen beteiligen können, wie Florian Thamer betont: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass dann eine spannende Diskussion entsteht.“ Das hätte sicher auch den einstigen revolutionären ArbeiterInnen gefallen.

:Benjamin Trilling