Upcycling und demokratische Technik
Wie man durch Selbermachen unabhängig leben kann
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Ein eigens kreiertes Spiel: Diesen Koffer baute Joshua Rackstraw, ohne vorher Erfahrung mit Coding zu haben. Bild: stem
Ein eigens kreiertes Spiel: Diesen Koffer baute Joshua Rackstraw, ohne vorher Erfahrung mit Coding zu haben.

Festival. Zum fünften Mal fanden sich Vertreter*innen und Interessierte von der Maker-Bewegung beim Innovative Citizen Festival in Dortmund zusammen, um sich auszutauschen und Möglichkeiten beizubringen, ein unabhängigeres Leben zu führen.

Vielerorts erfreut sich die sogenannte Maker-Community zunehmender Aufmerksamkeit. Bei dieser Lebensart geht es darum, so viele Dinge wie möglich selbst herzustellen. Auch das Innovative Citizen Festival von der Fraunhofer UMSICHT, dem Dortmunder U und der Folkwang Universität der Künste stand unter dem Zeichen demokratischer Technik, die von jedem zugänglich und erlernbar ist. „Die Idee des Festivals ist, sich unabhängig zu machen vom Konsumieren, indem man selber vom Konsumenten zum Prosumenten wird, also zum Produzent-Konsumenten“, erklärt Ricarda Schwede, Mitorganisatorin des Festivals. Dadurch gab es eine weite Bandbreite von Angeboten, die sowohl aus Low-Tech-Ansätzen wie der Fermentierung von Gemüse, der eigenen Pilzherstellung, dem Upcycling von altem Schmuck, aber auch aus High-Tech-Ansätzen wie 3D-Druck oder der Einrichtung eines Smarthomes ohne die Abhängigkeit von großen Herstellern bestand.

Neueste Technik für Jede*n

Im Workshop, der sich um 3D-Druck drehte, lernten die Teilnehmer*innen beispielsweise, wie sie mithilfe des Programms Fusion eine Skizze erstellen können, die dann von einem 3D-Drucker zu einem Würfel mit einer Kugel im Inneren umgewandelt wird. In Veranstaltungen wie dieser zeigte sich der Technik-Optimismus, der in vielen Teilen des Festivals zum Vorschein kam. So sagte Dr. Michael Schäfer, Leiter des FabLab HRW Bottrop, einem Ableger der vielen offenen Werkstatten, in denen Besucher*innen moderne Technologie wie 3D-Drucker nutzen können: „Es gibt eine neue, faszinierende Bewegung, die sich gleichzeitig um diesen nachhaltigen Gedanken kümmert und das, was selbst gemacht wird, an Menschen weitergibt.“

Von Anfänger*in zu*r Aussteller*in

Etwas ganz anderes stellte der in Spanien lebende Brite Joshua Rackstraw vor. In dem Workshop „Do Not Open This Suitcase“ zeigte er einen Koffer, in dem sich eine entschärfbare Bombenattrape befand. Das Spiel, das eine Kombination aus Handwerks-Arbeit und Programmierelementen ist, ist an das Videospiel „Keep Talking and Nobody Explodes“ angelehnt. Während ein Timer abläuft, müssen die Spieler*innen mit Hilfe einer Anleitung Kabel trennen, Seriencodes eingeben und leichte Logikrätsel lösen. Für den Englischlehrer war das Spiel der erste Kontakt zum Programmieren. Dafür nutzte er die Mobile Game Engine „Defold“. Ganz ohne Probleme ging dies jedoch nicht – denn ursprünglich unterstützte diese nicht die Eingabe per an ein Handy angeschlossene Tastatur. Als Joshua im Forum der Herstellerfirma nach Hilfe fragte, integrierten diese allerdings kurzerhand die Option.
Auch im nächsten Jahr wird das Festival voraussichtlich im November, dann zum sechsten Mal, stattfinden. Doch auch abseits des Festivals sollen in Zukunft einzelne Workshops über das Jahr verteilt angeboten werden. So können Interessierte viele unterschiedliche Angebote wahrnehmen und müssen nicht zwischen parallel laufenden Workshops auswählen.

:Stefan Moll

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