Kleiner Einblick in alte und teilweise „illegale“ Straßenkunst
Wie Kilroy und Claudia berühmt wurden
Bild: „Kilroy was here“: Kurt Magoon, flickr (CC BY-SA 2.0), Collage: kac
Beispiele für die Vielfallt dieser Kunst: East Side Gallery, Tag und Stencil. Bild: „Kilroy was here“: Kurt Magoon, flickr (CC BY-SA 2.0), Collage: kac
Beispiele für die Vielfallt dieser Kunst: East Side Gallery, Tag und Stencil.

Exkurs. Schon im antiken Rom, in Griechenland und Ägypten wurden Graffiti hinterlassen. Früher dienten sie zur Übermittlung von Botschaften. Und heute? Wie wurde der Diskurs über die Kunstform über die Jahrtausende hinweg geführt?

Der Ursprung der Graffiti (eigentlich Plural; Singular: Graffito, nicht gebräuchlich) liegt im Philadelphia der sechziger Jahre. Das Schreiben des eigenen Namens an Mauern und Wände nennt man seitdem Taggen. Es gilt, sein Tag überall in der Stadt zu verbreiten, um „Fame“ zu erlangen. Dies war die Blütezeit der Gang-Graffiti. Die Tags dienten der Reviermarkierung. Wer Tags gecrosst, sie also ganz oder teilweise überschrieben hat, hatte die Gang des betroffenen Namens beleidigt und mit Konsequenzen zu rechnen.
1967 wurde unter dem Pseudonym „Cornbread“ der Jugendliche Darryl McCray in ganz Philadelphia bekannt. Sein Weg zum Fame hat einen romantischen Hintergrund: Um ein Mädchen zu beeindrucken, bringt er sein Pseudonym an allen möglichen und unmöglichen Orten an. Cornbread taggte neben städtischen Gebäuden auch einen Elefanten im Philadelphia Zoo und sogar den Privatjet der Jackson Five. Er gilt als Vater moderner Graffiti und verwendete als erster die später oft kopierte Krone als festes Stilelement seiner Tags. 
Eine ähnliche Art Liebesbeweis gab es 1991 in Dortmund. Ein junger Mann hat auf mehr als 80 Gebäuden der Innenstadt den Namen seiner Angebeteten getaggt: Claudia. Hin und wieder auch „Claudia, ich liebe dich“. Claudia wollte ihn nicht, das Gericht zwang ihn zu einer Geldstrafe von 100.000 Mark.
In den siebziger Jahren entstand in New York eine neue urbane Subkultur: der Hip Hop. Neben dem Sprechgesang (MCing) und dem Tanz (Breakdancing) gilt das Graffiti-Writing, das zwar schon zuvor existierte, als eines der Kernelemente dieser Strömung. Während in den USA Gangs Graffiti sprühten, um ihr Revier zu markieren, war die Straßenkunst in den Niederlanden und England eher den Punks zugeschrieben.

Die East Side Gallery im Berliner Osten gilt als Deutschlands bekannteste Graffiti-Wand. Hier befindet sich das Bruderkussgemälde. Der Kuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker wurde damals von dem Fotografen Régis Bossu festgehalten und anschließend als Graffito verewigt.

„Kilroy was here“

… diesen Slogan hat wohl fast jedeR zumindest unbewusst einmal an der Toilettenwand oder in einer Unterführung gelesen. Der Satz soll angeblich auf der Unterseite des Pariser Triumphbogens, an der Fackel der Freiheitsstatue, auf dem Gipfel des Mount Everest sowie auf der Marco-Polo-Brücke in China stehen. Doch was bedeutet „Kilroy was here“?
Währends des Zweiten Weltkriegs war die US-Schiffsproduktion auf Hochtouren: Der Schiffsinspektor James J. Kilroy musste die Fertigung kontrollieren. Damit niemand die bereits geprüften Teile doppelt inspiziert, signierte er diese mit „Kilroy was here“. Anschließend fanden die Marinesoldaten den Satz an den unzugänglichsten Stellen auf ihren Schiffen. Sie wussten nicht, was oder wer dahinter steckte.
Gerüchte über Kilroy haben sich verbreitet. Wilde Spekulationen über seine Identität verbreiteten sich. Denn niemand kannte den Schiffsinspektor. An neuen Einsatzorten kam es zu Wettbewerben, den Satz heimlich an eine Stelle zu schreiben – ­­um später zu flunkern, er habe schon dort gestanden. 
Kilroys Name wird auch hinter feindlichen Linien von Soldaten und Spionen getaggt. So erzählt man sich, dass es selbst Diktatoren des Zweiten Weltkriegs mit der Angst zu tun bekommen haben. Hitler soll geglaubt haben, Kilroy sei ein US-Agent, der dazu in der Lage war, unbemerkt an jedwede unzugänglichen Orte zu gelangen.  

:Katharina Cygan