Kommentar: Blitz-Abschiebungen machen Leben kaputt
Wenn sie plötzlich weg sind
Globalisierung neu gedacht: Herausforderungen einfach mit dem Flugzeug outsourcen.
Globalisierung neu gedacht: Herausforderungen einfach mit dem Flugzeug outsourcen.

Stell Dir vor: In uniformen Anzügen kostümierte Gestalten klopfen an Deiner Wohnung, in der sie noch nie gewesen sind und verkünden, dass Du nun abgeführt wirst. Klingt kafkaesk, entspricht aber der Realität: Umsiedlungen, Entwurzlungen und ad absurdum Abschiebung. Bevor besorgte BürgerInnen mit dem pathetischen Gutmenschen-Vorwurf auftrump(f)en: Dabei werden auch initiierte Integrationsprojekte abgebrochen. Das bedeutet, dass Menschen unter unwürdigen Bedingungen verhandelt werden als seien sie Objekte und das auf kosten des deutschen steuerzahlers!!1!einself! 

Sicheres Herkunftsland Afghanistan?

In einem Schreiben an die Länder vom 9.   Januar resümierte Bundesinnenminister Thomas de Maizière: „Die Sicherheitslage in Afghanistan kann jedenfalls nicht als allgemein unsicher bezeichnet werden.“ Der CDU-Politiker ignorierte bereits bei seinem Besuch in Kabul im Februar 2016 gekonnt den Selbstmordanschlag auf einen Polizeistützpunkt.  Fragwürdig ist nicht nur die Verweigerung humanitärer Hilfe, sondern auch die verantwortungslose Externalisierung logistischer Fragen. Dass diese Maßnahmen ausgerechnet kurz vor Landtags- und Bundestagswahlen getroffen werden, lässt die kürzlich entdeckte AfD-Wählerschaft in neuem, strahlendem Schwarz leuchten. 

Hauptsache neue NachbarInnen

Dr. Hilde Hoffmann (Medienwissenschaft/RUB) betreut ein Projekt, bei dem Studierende, Menschen mit Fluchterfahrung und Kinder mit und ohne Fluchthintergrund zusammenkommen: „Bereits im Herbst fiel uns große Unruhe auf, weil es zu unangekündigten Umzügen gekommen ist.“ Seit Dezember habe sie zudem gemerkt, dass einzelne Familien, verstärkt Roma-Familien, sehr kurzfristig abgeschoben worden sind. 

Diese menschenverachtende Einstellung muss ein Ende finden: Treffpunkt Asyl ruft zu einer Aktion am 1. Februar vor dem Bochumer Rathaus auf. Am 11. Februar werden Menschen bundesweit einen Abschiebungsstopp nach Afghanistan fordern: Neben Berlin, Hamburg, Hannover und anderen deutschen Großstädten, wird auch in Düsseldorf demonstriert werden. Seid dabei!

:Marcus Boxler