Herbi bleibt stabil
Wenn Antifaschismus nicht mehr selbstverständlich ist
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„Oaah Glück Auf!“ - Kein Platz für Rechtes Gedankengut, nicht nur auf Grönemeyer-Konzerten sondern auch abseits der Musik. Bild: bena
„Oaah Glück Auf!“ - Kein Platz für Rechtes Gedankengut, nicht nur auf Grönemeyer-Konzerten sondern auch abseits der Musik.

Kommentar. Bei seinem Konzert in Wien hält Herbert Grönemeyer eine flammende Rede gegen den Rechtsruck der Gesellschaft. Neben Unterstützung erntet er auch Kritik.

Herbert Grönemeyer ist eine Bochumer Legende, denn er hat DIE Hymne unserer Universitätsstadt veröffentlicht. Der Musiker verkauft jedoch nicht nur erfolgreich Platten, er äußert sich auch schon seit Jahren politisch und schießt gegen den Rechtsruck in Deutschland. Vorläufiger Höhepunkt seines politischen Treibens war sein Konzert in Wien Anfang September. Zwischen zwei Liedern setzte er zu einer kurzen Ansprache an, in der er forderte, „keinen Millimeter“ nach Rechts zu rutschen. Er sprach sich für eine offene Gesellschaft aus, die Menschen Schutz bietet und auf humanistischen Werten fußt. Dabei schoss er in Richtung von Rechtspopulist*innen: „Und wer versucht so eine Situation der Unsicherheit zu nutzen, für rechtes Geschwafel, für Ausgrenzung, Rassismus, Hetze, der ist fehl am Platze“. Seine Ansprache wurde vom Wiener Publikum mit Jubel begrüßt und an seinen Aussagen ist ja auch eigentlich nichts auszusetzen. Aber auch nur eigentlich, wie es scheint, denn in den folgenden Tagen meldeten sich Politiker*innen, Journalist*innen und User*innen im Netz zu Wort, die Grönemeyer für seine Worte stark kritisierten. Während SPD-Politiker und Außenminister Heiko Maas sich bei Grönemeyer für seine Worte bedankte und ihm beipflichtete, waren es unter anderem Politiker*innen von FDP und AfD, die sich an den Worten des Sängers störten. Zwei Dinge boten hier den Hauptangriffspunkt für die Kritik: Grönemeyer benutzte in einem Satz das Wort „diktieren“ und die Lautstärke seiner Stimme gab einigen Wohl zu denken. Vergessen wurde hierbei, dass Grönemeyer generell eine laute Stimme hat, er singt ja schließlich auch ähnlich. Zudem wurde der offensichtlich
 schlimme Begriff „diktieren“ komplett aus dem Zusammenhang gegriffen. Grönemeyer sprach davon, in einer Zeit, in der Politiker schwächeln würden, liege es „an uns, zu diktieren, wie eine Gesellschaft auszusehen hat.“

Im Kontext mit seinen anderen Worten wird schnell klar, was er meinte: In Zeiten, in denen Politiker*innen der großen Parteien am rechten Rand fischen, um der AfD Wähler*innen abzugewinnen, sollen die Bürger*innen, die schließlich in Deutschland der Souverän sind, die Politiker*innen daran erinnern, dass wir in einer offenen und toleranten Gesellschaft leben wollen. Doch natürlich ignorierten die Kritiker*innen von Rechts diesen Kontext, und verglichen Grönemeyers Ansprache sogar mit Reden von Goebbels. AfD-Politikerin Beatrix von Storch ging sogar soweit, von der „furchterregendsten, übelsten, totalitärsten Hassrede, die ich je gehört habe“, zu sprechen. Der Nachsatz, „wer das unterstützt, ist - wie Heiko Maas - ein Fall für den Verfassungsschutz“, hat es auch in sich. Nicht nur ist dies die reinste Verharmlosung von tatsächlichen Hassreden der Nationalsozialist*innen, sondern auch eine dreiste Verdrehung der Tatsachen. Aber, dass die AfD sich nicht um Fakten schert, ist natürlich schon lange keine Überraschung mehr. Erschreckend sind jedoch das breite Medienecho und die Journalist*innen, die in das gleiche Horn wie Rechtspopulist*innen blasen. Die eigentlich als  selbstverständlich anzusehenden Worte schafften es, als „Kontroverse“ durch die Medien zu gehen. Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn klare Worte gegen Rechts in Deutschland nicht mehr willkommen sind.

:Philipp Kubu