Spontan-Witz in der Max-Kade-Hall
Welcome to the Circus!
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Superbösewichte unter sich: Die vier SpielerInnen haben den Plot vorher nicht abgesprochen. Foto: lor
Superbösewichte unter sich: Die vier SpielerInnen haben den Plot vorher nicht abgesprochen.

Theater. Von wegen Klamauk und Clownerie: Zwölf Studierende zeigten vergangene Woche im Rahmen der boskop-Werkschau, was sie im Impro-Kurs gelernt haben – wie dynamisch und spannend Improvisationstheater sein kann.  

Deutschland, eine Umkleide in einer Karstadt-Filiale: Ein Fußfetischist beobachtet liebend gerne Füße in Umkleidekabinen. Nach einer Begegnung mit Jugendfreundin Helga findet er allerdings heraus: Der Anhänger, den er um den Hals trägt, enthält ein magisches Artefakt. Die Nase von Voldemort … für 3,99 Euro von Karstadt. Ist er jetzt besessen? Seine Abschlussworte lassen es zumindest erahnen: „Zuckerwatte Passionsfrucht Hunger!“

Absurditäten dieser Art boten sich den ZuschauerInnen vergangenen Sonntag in der Max-Kade-Hall: Der boskop-Ferienkurs unter der Leitung von Kim Reichard lud zur Werkschau. Zwölf Studierende in den klangvoll benannten Teams „Die feurigen Einhörner“ und „Die skandalösen Erdmännchen“, fochten um den Sieg im Impro-Match. In mehreren Spielen, die Freiwillige aus jedem Team bestritten, mussten sie mit Kreativität und Witz die Gunst des Publikums erlangen. Das wiederum stimmte per Applaus für die Favoriten-Gruppe ab.

5, 4, 3 …

„Du musst immer spontan assoziieren, es ist nichts vorgegeben. Du kommst aus deiner Comfort Zone raus“, erklärt Teilnehmer Fabian die Faszination Improvisation. Beim Spiel erhalten die Spielenden nur sporadisch Vorgaben: Mal ist es ein Ort oder ein willkürlich ausgesuchter Gegenstand aus dem Publikum. Es ist nichts geprobt oder abgesprochen. Gerade diese Freiheit ist für Kursleiterin Reichard so spannend: „Man kann Theater spielen ohne groß Texte auswendig zu lernen.“ Die Theaterwissenschaftlerin betreut seit drei Jahren die Kurse des Kulturbüros boskop. Manch eineR ist ebenso lange Teil der Gruppe. Angefangen hat Reichard selbst in einem boskop-Kurs.

Die Gründe, Impro zu spielen, sind unterschiedlich: Während die einen gerne Theater spielen und auf der Bühne stehen, sehen andere darin die Möglichkeit, selbstbewusster, gerade vor vielen Menschen, zu werden. Spätestens in einer Referatssituation ein unschätzbarer Skill. Für Teilnehmerin Rike ist Improspielen eine Alltagsinsel: „Man hat einen Tag in der stressigen Woche, an dem man ein paar Stunden verrückt sein, alles rauslassen und sein kann, wer man möchte.“ 

… 2, 1, los!

Verrückt und abwechslungsreich wurde es in den einzelnen Spielen, die die zwölf AkteurInnen des Nachmittags dem Publikum präsentierten. So mussten drei Spielende im „Replay der hohen Künste“ nicht nur ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellen. Die Szene, in der die kleine Rebekka eine gemischte Tüte beim Kiosk kaufen wollte, wurde in gesungener, gereimter und getanzter Variante dargestellt – unter dem begeisterten Applaus der ZuschauerInnen. Die Entführung des Käse-Mondes ist dagegen das erklärte Ziel von der bösen, bösen Maus in „Superhelden-Pyramide“ gewesen.Schließlich entschieden „Die skandalösen Erdmännchen“ das Impro-Match für sich und gewannen mit einem Punkt Vorsprung.

Wer angefixt ist: Ab dem Wintersemester bietet boskop drei Impro-Kurse für je 13 Teilnehmende an. Anmeldungen sind ab dem 11. Oktober ab 10 Uhr im Mensa-Foyer möglich. Weitere Informationen  unter tinyurl.com/rub-impro.

:Andrea Lorenz