Deutsch-Russische Partnerschaft
Von Pjatigorsk ins Ruhrgebiet
Bild: Kathrin Lind
Deutsch-Russische Summerschool: Während den drei gemeinsamen Wochen trafen sich die Studierenden auch mit dem AStA und Gremien der RUB. Bild: Kathrin Lind
Deutsch-Russische Summerschool: Während den drei gemeinsamen Wochen trafen sich die Studierenden auch mit dem AStA und Gremien der RUB.

International. Die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland sind angespannt wie schon lange nicht mehr. Eine Summerschool zeigt, dass Verständigung trotzdem
möglich ist.

„Die Länder unterscheiden sich in vielen Dingen, aber es gibt einen gemeinsamen Grund. Die Leute sind sehr freundlich und sie versuchen, etwas zu verbessern“ erzählt Liudmila über ihre Erlebnisse in Deutschland. Sie ist eine von zehn Russinnen, die derzeit zusammen mit deutschen Studierenden an einer dreiwöchigen Deutsch-Russischen Sommerschule teilnimmt.
Die russischen Studierenden kommen aus Pjatigorsk, einer Stadt am Nordkaukasus zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer, um mit deutschen Studierenden in den Dialog über ihre Länder zu treten. Das Projekt, das durch die Auslandsgesellschaft, die Deutsch-Russische Akademie Ruhr und das Auswärtige Amt gefördert wird, lässt die Teilnehmenden an Workshops, Seminaren und Lesungen teilnehmen. Das Ziel: Die Förderung politischer Bildung und des bürgerlichen Engagements. Dabei sprechen sie unter anderem über politische Systeme, kulturelle Unterschiede, aber auch gemeinsame und unterschiedliche Werte. Die Studierenden lernen ebenfalls den Landtag NRW kennen und sprechen mit Mitgliedern des Landtags.

Besonders die Gespräche über Politik und die freie Meinungsäußerung ergeben dabei häufig neue Erkenntnisse. In der russischen Politik sei „vieles propagandistisch und zunehmend nationalistischer aufgeladen. Das merken viele“, sagt Kathrin Lind, eine der Koordinator*innen des Projekts. Dennoch brauchte es während der Sommerschule eine gewisse Anlaufzeit, bis die Teilnehmenden frei über Politik reden konnten. Das bestätigt auch Hannah, Studentin der russischen Kultur, die auf deutscher Seite teilnimmt: „Ich fand es sehr interessant, wie die Leute darüber reden. Ich war schon häufiger in Russland, aber da ist es sehr schwierig in ein Gespräch darüber zu kommen, weil viele gar nicht darüber reden möchten. Hier habe ich dann zum ersten Mal Einblicke von den Menschen direkt bekommen.“

Liudmila kommt bereits im Winter für ein Praktikum erneut nach Deutschland. Die Erfahrungen und Sprachkenntnisse, die sie aus der Sommerschule mitgenommen hat, möchte sie nutzen, um nach ihrem Studium in die Politik zu gehen. Auch kann sie sich vorstellen, währenddessen als Musiklehrerin zu arbeiten, da sie als Pianistin und Musiktheorielehrerin ausgebildet ist. „Ich liebe diesen Beruf, aber leider ist es schwer, in unserem Staat Arbeit zu finden.“ Es passiert häufig, dass Russ*innen nach einem Auslandsaufenthalt in Deutschland oder Europa den Entschluss fassen, zu bleiben. In einem Großteil der Fälle sind dies Frauen. Die Gründe dafür liegen beispielsweise in besseren Berufschancen oder einer allgemein besseren Behandlung von Frauen. Während ihres Aufenthalts wurden den Studierenden bereits erste Chancen geboten, so zum Beispiel während des Besuchs in einer Schule, in der den Studierenden ein mögliches Referendariat vorgeschlagen wurde. Zusätzlich wurden den Studierenden Praktika angeboten. Aber auch die deutschen Studierenden erhalten während der Sommerschule wichtige Erfahrungen und können Kontakte knüpfen.
Die Sommerschule soll nur das Erste einer Reihe von Projekten sein, die die internationalen Beziehungen und den studentischen Austausch zwischen den Regionen fördert. Was nun folgt, steht noch nicht fest, doch Kathrin ist zuversichtlich: „Ein explizites Projekt gibt es noch nicht. Aber gerade im Rahmen der Sommerschule entwickeln die Studierenden gerade auch einiges.“ Dennoch werde es wohl nicht sehr lange dauern, bis ein Folgeprojekt entstanden ist.

:Stefan Moll

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