Anwesenheitspflicht kehrt zurück an NRW-Hochschulen
Von Leere und Lehre
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Noch herrscht Leere: Doch das kann sich bald ändern, denn die neue Landesregierung will den Hochschulen die Entscheidung über die Anwesenheitspflicht selbst überlassen. Foto: juma
Noch herrscht Leere: Doch das kann sich bald ändern, denn die neue Landesregierung will den Hochschulen die Entscheidung über die Anwesenheitspflicht selbst überlassen.

Bildungspolitik. Drei Jahre war sie verschwunden, jetzt bringt die NRW-Landesregierung ein totgeglaubtes Relikt vergangener Tage zurück in die Hörsäle und Seminarräume.

Mit der Novellierung des Hochschulgesetzes im Jahre 2014 atmeten die Studierenden in NRW auf: Das allzeit drohende Damoklesschwert namens Anwesenheitspflicht wurde abgeschafft. Drei Jahre später plant Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos), den Universitäten freie Hand in der Entscheidung über die Anwesenheitspflicht zu lassen. Das „starre Verbot“ der rot-grünen Landesregierung sei eine Bevormundung der Universitäten und solle abgeschafft werden.

Zuvor konnte eine Anwesenheitspflicht ausschließlich bei Exkursionen, Sprachkursen und praktischen Übungen verlangt werden; eine Regelung, die an den Hochschulen des Landes unterschiedlich bewertet wird und wurde. Jens Wylkop, Sprecher der Ruhr-Uni, nennt die noch geltende Regelung „nicht optimal“, da die Präsenz beim Lehrangebot zum Wesen einer Universität gehöre. Trotzdem könne man sich in Bochum eine flächendeckende Wiedereinführung der Anwesenheitspflicht nicht vorstellen.

Eine Kerbe, in die die meisten NRW-Unis schlagen: Über die Anwesenheitspflicht wolle man bestenfalls die einzelnen Fakultäten oder gar Lehrenden entscheiden lassen.

Pläne stoßen auf Widerstand 

Auf der Seite der Studierenden sieht man indes einen Verstoß gegen die Studierfreiheit und eine Rückkehr in die Zeit der Bevormundung. Beim AStA der Uni Münster stehen die Zeichen auf Sturm: Man werde sich „mit aller Kraft“ gegen die Wiedereinführung der Präsenzpflicht wehren.

Auch an anderen Unis sehen die Studierendenvertretungen die Anwesenheitspflicht kritisch. Der AStA der RUB betont, dass in Bochum längst ein Konsens gegen die Anwesenheitspflicht bestehe: „Ein Studium sollte selbstständig sein. Außerdem wird durch die Anwesenheitspflicht die finanzielle Lage vieler Studierender erschwert“, so Zeynep Dikman vom AStA-Vorstand.

In den sozialen Netzwerken sind Studierende geteilter Meinung. Zwar lehnen viele NutzerInnen die Anwesenheitspflicht ab – vor allem Studierende mit Kind, sozial engagierte oder nebenbei arbeitende Studierende würden unter der Pflicht leiden – doch daneben gibt es auch einige lobende Stimmen, die Anwesenheitspflicht verhindere beispielsweise das Blockieren von Studienplätzen durch Langzeitstudierende.

:Justin Mantoan

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