Wohnzimmerakustik: Teppich ausgerollt für Frauenfront an Mikro und Gitarre
Von lauschigen Gedankenstößen
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Traumfängerin: Jules Cachecoeur verzaubert und setzt dort an, wo ihre Mitsängerinnen aufgehört haben. Foto: lor
Traumfängerin: Jules Cachecoeur verzaubert und setzt dort an, wo ihre Mitsängerinnen aufgehört haben.

Bei tropischen Temperaturen luden das Kulturbüro boskop und das KulturCafé zu einem Besuch ins heimische (Uni)Wohnzimmer: Heraus kam ein akustisches Dahinschmelzen dank der drei geladenen Künstlerinnen. 

Ein orientalisch wirkender Teppich; eine Stehlampe mit weißem Lampenschirm; Kekse sowie viele Teelichter, die dem halb abgedunkelten KulturCafé eine heimelige Atmosphäre verleihen. Schließt man die Augen, meint man den Kamin prasseln zu hören – doch es ist nur der einsetzende Sommerregen. Macht nichts, lauschig wurde es allemal ohne Kamin bei der dritten Edition der Wohnzimmerakustik-Reihe von boskop und KulturCafé. Bei diesem Format treten KünstlerInnen auf, die besonders mit leisen Tönen und zarten Gitarrenklängen überzeugen wollen. 

Zwischen Krönchen und Pulverschnee

Den Anfang machte Franzi Rockzz, die mit ihren englischen Songs für Natürlichkeit auf der Bühne sorgte. Normalerweise tritt die Wuppertalerin mit Band auf, zuletzt bei Bochum Total, ist aber auch gerne solo mit ihrer Gitarre unterwegs. Die eigenen Lieder behandeln verschiedene Themen. So ist „Vincent“ eine Ode an Vincent van Gogh und das KünstlerInnenleben, „Believe In Me“ ist das songgewordene „Hinfallen, Aufstehen und Krönchen richten“. 

Es folgt ein abruptes Aufwachen aus den akustischen Klängen – Yvonne Ringsdorf präsentiert trotz technischer Probleme ihr selbstproduziertes Album. Experimentell mag man den Sound beschreiben, der eine Mischung aus eingespielten Backgrounds und Liveinstrumenten (Gitarre, Keyboard) ist. Auch die Interpretin selbst ist ständig im Wandel, mal sitzend, dann stehend, dann tanzend, nimmt das Publikum mit. Die Lieder selbst lassen biographische Bezüge erkennen, Ringsdorf zieht ihre Inspiration auch aus der Betrachtung ihres Umfelds. 

Der Abend wird von Jules Cachecoeur abgeschlossen, die ebenfalls mit der Akustikklampfe und einer zu Beginn sanften Stimme, die schnell an Kraft gewinnt und in eine Welt aus Akkorden und ihren Songzeilen entführt, auftritt. Die ZuschauerInnen hingen gebannt an den Lippen der ehemaligen Bochumerin, die von Gefühlen erzählt, von der Liebe und von Verlust. Besonders berührend: „Pulverschnee“, verfasst für ihren verstorbenen Großvater.

Sommerpäusken

Moderatorin und boskop-Mitarbeiterin Mareike erklärt im Gespräch, dass Wohnzimmerakustik die Fortsetzung der Reihe „Folk+Live+X“ ist.  Mit dem bewusst ruhigen und auf Gemütlichkeit ausgelegten Konzept wolle man bewusst einen Kontrast zu den übrigen Veranstaltungen im KulturCafé setzen. Die Interpreten und Bands meldeten sich nach dem ersten, sehr gut besuchten Akustikabend von selbst bei den VeranstalterInnen, sodass sie nun „quasi zu viele Künstler haben“. Alle seien sehr zufrieden, das Feedback der Events falle positiv aus.

Die Reihe ist auf drei Abende im Semester ausgelegt, die Termine für das Wintersemester stehen schon fest. Kuschelig wird es das nächste Mal am 26. Oktober.  KünstlerInnen werden noch bekannt gegeben. 

 

:Andrea Lorenz