Berichterstattung über rassistische Gruppe notwendig
Vom Reden und Schweigen über echte Probleme
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Rassismus an der RUB? Dank aufgeklärter HelferInnen kaum wahrzunehmen. Foto: juma
Rassismus an der RUB? Dank aufgeklärter HelferInnen kaum wahrzunehmen.

Kommentar.  Auch auf dem Campus der Ruhr-Universität gibt es Rassismus. Dementsprechend ist er ein Thema. Muss er auch thematisiert werden?

Rassismus ist auch im Jahre 2017 noch ein Problem, man möchte sagen: wieder ein zunehmendes Problem. Eine der aufstrebenden HauptakteurInnen ist die so genannte „Identitäre Bewegung“ (IB). Als Hauptgrund ihrer Bekanntheit machen einige KritikerInnen die zuweilen massenhafte Berichterstattung über jede noch so kleine Aktion der RassistInnen aus. Ein Vorwurf, mit dem es sich auseinanderzusetzen gilt.

Es ist wahr, dass sich die IB vor allem durch ihre großen Aktionen in der Öffentlichkeit präsentieren, hierzu zählen unter anderem die Besetzung des Brandenburger Tors im Sommer 2016 oder die Schändung des Anti-Kriegsdenkmals „Aleppo-Busse“ in Dresden im Frühling diesen Jahres. Das Erfolgsprinzip dieser völkischen Gruppierung ist größtmögliche Provokation und eine zu große Öffentlichkeit kann oft mehr Schaden als Nutzen anrichten. Doch nichtsdestoweniger ist es notwendig, über die IB aufzuklären. 

Reden ist Silber… 

Aktionen der IB stellen auch in Bochum keine Seltenheit dar, denn ihre Hinterlassenschaften sind oft unübersehbar: Kleine Sticker und große Plakate mit einem gelben oder schwarzen Lambda, dem angeblichen Zeichen der Spartaner im Kampf gegen die Übermacht der Perser. VerteidigerInnen des Westens gegen eine angebliche Invasion aus dem Osten, ganz im Sinne der IB. Und die meisten Menschen wissen, wer oder was hinter dieser Propaganda steckt. Kein Wunder, kennt man doch zu Genüge die Fernsehbilder junger Menschen in Aktion, sei es bei der Besetzung geschichtsträchtiger Orte oder dem kläglichen Versuch, das Bundesinnenministerium mit einer zum Schämen traurigen Menschenkette zu blockieren. Kaum eine der bis ins Detail geplanten und inszenierten Aktionen, die es nicht mindestens in die Tagesschau schafft. Willkommenes Aufsehen, Millionen von ZuschauerInnen vor den Fernsehgeräten; das Ziel scheint erreicht. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich viele KritikerInnen an der Menge der Berichterstattung stören.

… schweigen ist Gold?

Es ist nur schwer zu leugnen, dass zahlreiche Medien die immer neuen, immer spektakuläreren Aktionen der IB mit Freude aufgreifen, ihnen prominente Plätze in den Nachrichtensendungen der Republik bieten und dass – zumindest in Deutschland – das Gros der Bekanntheit der IB aufs Konto eben dieser Medien zurückzuführen ist.

Doch ist nun jede Berichterstattung über die Gruppe ein Schlag in die immer gleiche Kerbe? Bringt jede neue Schlagzeile mehr Aufmerksamkeit? Probleme lassen sich nicht einfach totschweigen. Auch ohne Berichterstattung ist die IB immer eine Gefahr für alle Menschen mit Migrationshintergrund, für alle anders denkenden Menschen und für das freie und multikulturelle Zusammenleben in der Bundesrepublik. Daher ist Aufklärung wichtig und der interpretative Journalismus trägt hierzu seinen Teil bei – auch mit Berichterstattung über heikle oder unangenehme Themen. Hierzu bedarf es jedoch einer genauen Abwägung. Berichten? Ja bitte! Glorifizieren und omnipräsent machen? Nein, keineswegs.

:Justin Mantoan