Ruhrtriennale in Antisemitismusdebatte
Verfehlter Einsatz

Kommentar. Kunstfestivals müssen sich den Realitäten von Politik bewusst sein, wenn sie politisch sein wollen.

Sie habe nichts von der Zugehörigkeit der Young Fathers zur BDS-Bewegung gewusst, sagte Stefanie Carp, Intendantin der Ruhrtriennale. Die politische Brisanz sei ihr nicht klar gewesen. Das ist gerade deshalb als Erklärung eine Enttäuschung und keine genügende Begründung, da sich die Ruhrtriennale mit der Intendanz Carps ansonsten bewusst politisch gibt. So steht im Programm-Text des Festivals: „Spätestens jetzt hat jede*r begriffen, dass die Forderungen nach Beteiligung, Gleichheit und Freiheit keine Frage eines politischen Geschmacks sind, sondern eine Frage des zivilisierten Überlebens.“

Unverständnis

Einem Kunstfestival, welches sich in seiner Öffentlichkeitsdarstellung politisch gibt, muss auch bewusst sein, dass Kunst von Interessensgruppen als Meinungsvehikel instrumentalisiert werden kann. So ist gerade die BDS-Kampagne darauf bedacht, ihre Haltungen in Form von guter PR durch Künstler*innen zu verbreiten. Da die Kampagne sich in der Außendarstellung als Bewahrer der Meinungsfreiheit und des friedlichen Protests behauptet, fallen jedoch deren antisemitische Wurzeln nicht direkt auf. Doch ihre Gründung fußt auf Personen wie Omar Barghouti, die sich zum Beispiel für eine palästinensische Ein-Staatenlösung einsetzten – eine klare Stellung gegen das Existenzrecht Israels. Viele der BDS-Befürworter*innen, wenn auch nicht explizit antisemitisch, nehmen diese Geschichte hin. Zusätzlich hat die Strategie des BDS, auch zivile und akademische Institutionen international zu boykottieren, noch wenig mit einer Kritik am Staat Israel zu tun. Dies hätte die Ruhrtriennale untersuchen und die damit implizite Allianz mit der Bewegung bedenken sollen, anstatt nun mit „Freiheit der Künste“ eine Veranstaltung zu organisieren, die schon im Titel eine Defensivhaltung einnimmt.
Eine Ruhrtriennale, die politisch sein will, muss über die Realitäten von Politik und der Komplexität von politischem Aktionismus informiert sein, anstatt davon auszugehen, Politik sei nun endlich in einem neutralen Feld, nur weil die Bühnen der Kunst sie zeigt.    

     
  :Stefan Moll

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