Kommentar: Undercover beim Hochschulball: ein Erfahrungsbericht
Undercover-Asis
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Zu gegebenem Anlass: unsere Mensa kann auch anders. Foto: sat/ken
Zu gegebenem Anlass: unsere Mensa kann auch anders.

 

Kommentar. Die :bsz taucht ein in unbekannte Gefilde. Undercover in der Oberschicht: Redakteurinnen Sarah und Kendra beim Hochschulball. 

Der Hochschulball wird immer verbunden mit etwas Unnahbarem, etwas Sonderbarem, irgendwie Unerreichbarem. Die Bochumer Oberschicht, die Upper Class des Ruhrgebiets, trifft sich zum Besäufnis, nur dass sie sich statt mit billigem Fusel von der Trinkhalle den Cognac für 80 Euro pro 0,75 Liter reindrücken und den Nachgeschmack mit 26 Euro teurem Wein runterspülen. Tja, weit gefehlt. Unnahbar, ja vielleicht, wenn man den Kartenpreis jenseits der 80 Euro betrachtet. Wenn man sich vor Augen führt, dass Studis nur knapp die Hälfte zahlen, ein üppiges Buffet, Casino, Styling, Live-Musik, Minitanzkurs, Karikaturist und diverse andere Events winken, eigentlich ein Schnapper. Auch ein typisches feierintensives Studi-Wochenende bringt einiges an finanzieller Belastung mit sich. Vorglühen, Pizza bestellen, Eintritt, eventuell sogar Mindestverzehr … da läppert sich auch was zusammen. Unnahbar ist er vielleicht doch, weniger finanziell als der Gesinnung wegen. Feine Pinkel, anzugtragende Justus-Aurelius-Stu-

denten auf der Suche nach Connections, um sich in ein Unternehmen einzuzecken und Kohle zu pumpen … Ein weiteres Klischee, mit dem der Hochschulball zu kämpfen hat. Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die das dachte, bevor sie da war.

Klischee adé

Tatsächlich fand ich es eher positiv überraschend, wie viel Spaß ich bei diesem Event hatte. Gutes Essen, nette Unterhaltung, auch wenn die Musik nicht so ganz meins war, es war (standard)tanzbar.

Klar, von der Warte aus betrachtet, dass jemand betrunken einschläft und man ihm mit wasserfestem Edding einen großen Penis ins Gesicht malt, der drei Tage nicht mehr abgeht – just student things – hatten alle Anwesenden einen Stock im Arsch. Vom anderen Standpunkt aus, nämlich dem maximal-klischeebehafteten Oberschicht-Ball, war der Stock vergleichsweise klein. 

Resümierend kann ich sagen: Es ist allemal eine Erfahrung wert, wenn man sich nicht zu schade ist, einen Abend das verschwitze Bandshirt gegen Krawatte oder Abendkleid zu tauschen.

:Kendra Smielowski