Schwierige Situation für Mensch und Natur
Trockenzeit im Ruhrgebiet
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Hohe Temperaturen und kaum Niederschlag: Die Vegetation trocknet nicht nur in NRW  aus. Bild: lor
Hohe Temperaturen und kaum Niederschlag: Die Vegetation trocknet nicht nur in NRW aus.

Dürre. Das anhaltend warme und trockene Wetter hat verheerende Folgen: Von Griechenland bis Schweden brennen Wälder, Menschen sterben bei den Bränden. Wie sieht die Lage in Bochum aus? 

Gefühlt ganz Europa ächzt unter der Hitzewelle, die sich konstant seit Wochen hält und dafür sorgt, dass die Waldbrandgefahr mittlerweile in Teilen Deutschlands teilweise auf der höchsten Warnstufe – Stufe fünf – liegt. Auch in Bochum selbst lag diese noch bis zum Wochenende nur knapp darunter auf Stufe vier. Für Frank Hilbig, Mitarbeiter der Feuerwehr Bochum, eine „kritische Situation“. Momentan gebe es im und um das Bochumer Stadtgebiet weder Waldbrandherde noch kam es in NRW während der vergangenen Wochen zu Bränden mit Personenschaden. Peter van Dyk, Pressesprecher der Stadt Bochum, sieht zudem die Wasserversorgung der Bürger*innen nicht in Gefahr. 

Die „Klassiker“

Hilbig ist Teil der 56-köpfigen, städtischen Berufsfeuerwehr, die derzeit um die 110 Einsätze pro Tag fährt. Einen Anstieg könne man laut Hilbig allerdings nicht beobachten. Zurückzuführen sei dies möglicherweise auf eine bessere Aufklärung der Bürger*innen, so Hilbig: „Rettungsdienstlich ist es relativ ruhig. Wir vermuten, dass die Bürger über Presse und Radio gut informiert sind und es ruhig angehen.“ An anderem Stellen stoßen die Feuerwehrleute jedoch auf die bekannten Probleme. So könne die Situation schnell umschlagen, wenn Menschen beispielsweise ihre Zigarettenkippen auf der Autobahn aus dem Fenster in die Autobahnböschung werfen.  „Was die Leute zudem unterschätzen, ist weggeworfenes Glas. Das funktioniert wie eine Lupe und es kann sogar zu einem Flächenbrand kommen“, erklärt Hilbig. So kam es Anfang des Monats auf einem Feld in Bochum-Hiltrop zu einem größeren Brand. Der Grund war ein Trecker, der durch die hohen Temperaturen Feuer gefangen hat.

Grund für die erhöhte Gefahrensituation seien die trockenen Monate im vergangenen Frühling und Winter: „Die Vegetation ist extrem trocken.“ So würden Koniferen brennen „wie Wunderkerzen“. Schnell kann so ein Flächenbrand entstehen.

Neben der Waldbrandgefahr, die sich durch unachtsames Verhalten verschärfen kann, sind Badeunfälle ein mit Sommerhitze einhergehendes Problem. „Das ist momentan noch nicht so der Fall. Aber: Man merkt, dass die Leute da wieder leichtsinnig werden.“ So gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Badeunfälle mit tödlichem Ausgang. Das Problem: Menschen gehen in der Ruhr schwimmen, welche durch eine Unterströmung jedoch ein „tückisches Gewässer“ sei. Zwar hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Posten entlang der Ruhr, doch diese Abschnitte sind nicht rund um die Uhr besetzt. Das liege daran, dass diese ehrenamtlich besetzt würden. Nach wie vor werden zudem Kinder und Tiere in Gefahr gebracht, indem sie in den heißen Autoinnenräumen gelassen werden. „Das wird immer noch unterschätzt. Im Innenraum können es schnell 60, 70 Grad werden.“

Was tun?

Neben Einsätzen versuche die Feuerwehr auf zwei Arten, Brände vorzubeugen. Zum einen informieren sie: „Wir können da präventiv nur immer wieder den Bürger ansprechen, offenes Feuer zu vermeiden.“ Wer grillt, sollte immer einen Eimer Wasser daneben haben für den Fall der Fälle und diesen auch hinterher damit ablöschen. Die entstandene Asche sollte nicht auf dem Komposthaufen entsorgt werden, da noch schwelende Glut ebenfalls anfangen kann zu brennen. Mittlerweile sei in vielen Kommunen NRWs das Grillen an öffentlichen Plätzen untersagt. Auch in Bochum würde Hilbig eher davon abraten, an beliebten Orten wie den Ruhrwiesen oder dem Westpark zu grillen. 

Die Feuerwehr kümmere sich zudem mit dem Grünflächenam tum die Um-wälzung von öffentlichen Teichen. Van Dyk ergänzt, dass die Feuerwehr im Einsatz sei, junge Bäume zu wässern, „deren Wurzelwerk noch nicht ausgeprägt genug ist, um eine derartige Hitze unbeschadet zu überstehen.“ Das dafür verwendete Wasser werde von den Stadtwerken kostenlos gestellt. „Außerdem ‚belüftet‘ die Feuerwehr Gewässer im Stadtgebiet, um die Sauerstoffversorgung zu gewährleisten“, erklärt van Dyk.                                    

 :Andrea Lorenz

 

 

Pflanzen bewässern

Naturschutz. Hitzewelle in NRW – seit einigen Wochen kommt der Regen nur sporadisch. Während sich unsereins über das tolle Wetter freut und sich bräunen (oder auch zu erst röten lässt), trocknen die Bäume weiter aus. Nach Brandwarnungen der Feuerwehr (siehe links), wird selbige, ebenso wie die Bochumer Polizei nun auch zum Bewässern von Bäumen eingesetzt.

Auch die landwirtschaftlichen Betriebe leiden unter der langen regenlosen Wetterlage. So wird erwartet, dass die Kartoffelernte geringer ausfällt und die Preise für Kartoffeln und Kartoffelprodukte (beispielsweise Pommes) steigen werden, berichtet der „Spiegel“.

Doch was kann jede*r Einzelne von uns tun, um wenigstens im kleinen Maßstab der Natur unter die Arme zu greifen? 

 

Gießkanne im Einsatz

Der Klassiker: Nutzt Gießkannen. Nicht nur für die heimische Fensterbank mit Küchenkräutern, sondern geht einmal am Tag mit einer gefüllten Kanne an die Bäume vor der unmittelbaren Haustür und tut Eurem blättrigen Schattenspender etwas Gutes. „Was wir dem Bürger raten können: dem Baum vor der Tür täglich einen Eimer Wasser gönnen“, gibt Frank Hilbig von der Bochumer Feuerwehr den Tipp. 

DIY-Wassersack

Eine weitere Möglichkeit, die Bäume über eine längere Dauer mit Wasser zu versorgen, kann ein gefüllter  gewebter Kunststoffbeutel sein. Dazu beispielsweise die großen dickwändigen Tüten von örtlichen Supermärkten oder namhaften Möbelhäusern (diese fassen etwa 30 Liter) oder jede andere Tüte mit Wasser befüllen und an den Baum binden, sodass die Tüte nicht umfällt. Durch die Nähte der großen Beutel (oder durch kleine gepiekste Löcher in anderen Tüten) wird der Baum konstant bewässert. Nur bitte nach Ende der Hitzewelle die Tüten wieder abnehmen und ordnungsgemäß entsorgen. „Tröpfchenbewässerung mit Säcken ist sehr vorteilhaft, da das Wasser langsam vom Boden aufgenommen werden kann und weniger ungenutzt abfließt“, erklärt Jörg van Oost, Inhaber und Baumkletterer bei Baumkletterer NRW.

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