Angela Davis tritt die Angela-Davis-Gastprofessur in Frankfurt an
Treffen mit der Legende
Foto: Sandi Sissel
Tritt die nach ihr selbst benannte Professur in Frankfurt an: Bürgerrechtsikone Angela Davis. Foto: Sandi Sissel
Tritt die nach ihr selbst benannte Professur in Frankfurt an: Bürgerrechtsikone Angela Davis.

Mit prominenten Namen als InhaberInnen von Gastprofessuren kann sich eine Universität als weltoffen und leistungsstark präsentieren. Meistens interessiert das nur einige wenige. In Frankfurt hat jetzt das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung von Geschlechterverhältnissen (CGC) eine neue Gastprofessur eingerichtet. Die Antrittsvorlesung am Dienstag und der öffentliche Vortrag am Samstag waren bis auf den letzten Stuhl gefüllt. Auch Bochumer Studierende sind extra angereist. Hat Frankfurt eine bessere PR-Agentur? Keinesfalls. Nicht das Marketing, sondern der Gast sprach für sich: Angela Davis eröffnet die nach ihr benannte Gastprofessur für internationale Gender und Diversity Studies.

„Angela Davis! Ich kann es nicht fassen”, erzählt mir Madeline, im Vorfeld der Exkursion, die der FSR Gender Studies organisiert hat und an der auch Madeline teilgenommen hat. Für Gender-Studies-Studierende, aber nicht nur für die, genießt Davis einen ähnlichen Lebende-Legenden-Status wie für manch andere Franz Beckenbauer. Die emeritierte Professorin der University of California, Santa Cruz, gilt als eine der Vordenkerinnen der Race-Class-Gender-Debatte, also dem Zusammenspiel dieser Kategorien als Ursache von sozialer Ungleichheit. Davis gehört zu den wenigen Denkerinnen, die auch außerhalb von Seminarräumen Kultstatus erreicht haben – ihr Konterfei ziert bis heute T-Shirts und Jutebeutel. Was auch daran liegt, dass die Bürgerrechtlerin Davis nie reine Theoretikerin war. „Sie hat ihr universitäres Denken immer konsequent in die politische Praxis übertragen. Das fehlt häufig in Deutschland“, erklärt Alina, ebenfalls Exkusionsteilnehmerin.

Vom Gefängnis aufs T-Shirt

Davis wird 1944 in den USA, im segregierten Süden, geboren und wächst in einer Nachbarschaft auf, die aufgrund der zahlreichen rassistisch motivierten Bombenanschläge „Dynamite Hill“ genannte wurde. Sie beginnt in den 60er Jahren als eine von wenigen schwarzen Studierenden ein Studium der französischen Literatur an der Brandeis University und studiert später in Paris und Frankfurt bei Größen wie Adorno und Marcuse. Sie verlässt Deutschland, um sich in den USA politisch zu engagieren. Die Universität ist für sie kein Elfenbeinturm, sondern Wissenschaft und Aktivismus gehören für Davis zwingend zusammen – und zwar ein Leben lang, erklärt sie beim Pressegespräch. Ab 1969 war Davis Professorin für Philosophie an der Universität von Los Angeles und nahm eine zentrale Rolle innerhalb der kalifornischen Politszene ein. Die Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei der USA kostete sie schließlich ihre Professur. Davis hält das nicht davon ab, sich für die Verteidigung der „Soledad Brothers“, einer Gruppe schwarzer Inhaftierter des Soledad-Gefängnisses, zu engagieren. Die Bürgerrechtlerin wird fälschlicherweise als Drahtzieherin der Geiselnahme von San Rafael, die eine Freilassung mit Waffengewalt erzwingen wollte, beschuldigt und findet sich zeitweise auf der Liste der zehn gefährlichsten VerbrecherInnen des Landes wieder. Mit ihrer Inhaftierung wird Angela Davis endgültig zur Symbolfigur für Redefreiheit und offenen Widerstand. Ein Ikonenstatus, der bis heute nachhallt. „Meine Mutter textet mir die ganze Zeit. Sie kann nicht fassen, dass ich Sie treffen darf. Sie ist in der DDR aufgewachsen“, platzt es aus einer Journalistin aufgeregt im Pressegespräch heraus. Eine Millionen Rosen sollten die ostdeutschen Kinder Davis als Zeichen der Solidarität schicken. „Teilweise stand auf den mit Rosen geschmückten Karten nur: To Angela Davis, Prison, USA“, erinnert sich Davis lachend.

Zurück zur Schule in Frankfurt

In ihren zwei Wochen in Frankfurt wird Davis ein Blockseminar und mehrere öffentliche Vorträge halten. Für die Bochumer Studierenden hat sich der Ausflug gelohnt. Mit dem samstäglichen Vortrag, „Freedom is a Constant Struggle“ konnte sie Davis nicht nur als Theoretikerin, sondern und vor allem als politische Praktikerin überzeugen. „Das war schon ein deutliches Gegenprogramm zu der Lesung ‚Queer_Feminismus‘, die wir am Freitag an der RUB besucht haben“, meint Katja, und Madeline ergänzt: „Hier sagt dir diese großartige Frau, die schon so viel bewegt hat: Das kannst du jetzt auch noch. Sie vermittelt so glaubhaft, dass wir immer noch etwas erreichen können und müssen, weil es immer noch so viel zu tun gibt und es sich immer lohnt sich aufzulehnen und einzusetzen.“ Seitens der Uni Frankfurt ist Davis aber eher Zeitzeugin einer Revolution und nicht immer noch ein Aufruf zu ebendieser. Man wird nicht müde Davis Frankfurter Jahre zu betonen. Der Name der Bürgerrechtlerin, die sich einst so vehement gegen das Establishment aufgelehnt hat, wird nun von eben diesem geradezu genüsslich vor sich her getragen. Auf diesen Widerspruch von einem Studenten in der Diskussionsrunde angesprochen, entgegnete Davis gutgelaunt: „Natürlich ist das widersprüchlich. Das ist es immer. Darum geht es ja auch: Widersprüche auszuhalten, um Veränderung zu schaffen.“