Vortrag zum Wirtschaftswachstum von Niko Paech
Therapie gegen „Konsumverstopfung“
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Niko Paech polarisiert: Auch ein Grund für die gut besuchte Veranstaltung. Foto: ken
Niko Paech polarisiert: Auch ein Grund für die gut besuchte Veranstaltung.

„Wir saldieren die Moral: Ich lebe in einem Passiv-Haus, da kann ich auch SUV fahren.“ Widersprüchlich, nicht wahr? Das findet auch Niko Paech, Ökonom mit einer sehr umstrittenen Meinung zum Wirtschaftswachstum. Dieser vertritt die Ansicht, dass wirtschaftliches Wachstum und Nachhaltigkeit sich gegenseitig ausschließen. Dies liege auch am CO2-Konto eines/eionem jeden. „Jedem Menschen stehen bei einer Lebenserwartung von 89 Jahren 26 Tonnen CO2 zu.“ 

Wer jetzt ein sparsames, modernes Auto hätte, dem würde man nachsagen, er sei umweltbewusst und nachhaltig. Dass derselbe Mensch womöglich zweimal im Jahr in den Urlaub fliegt und damit deutlich mehr CO2-Emission verursacht (und häufig schon über seinem „CO2-Konto“ liegt und auf Kosten anderer ausstoße), als ein anderer, der einen alten (umweltschädigenden, nicht nachhaltigen) Wagen nutzt, würde kaum beachtet werden. Paechs Schlussfolgerung: „Grünes Wachstum funktioniert nicht“.

Was war und sein kann

Für die klassische Ökonomie gilt: Wachstum ist die Grundlage der Wirtschaft. Alles steht und fällt mit steigendem Bruttoinlandsprodukt und der Globalisierung. Glücklichsein hängt mit dem Wohlstand zusammen. Wer viel hat, ist viel glücklich. 

Doch das ganze System des Wachstums sei zweischneidig: Mit zunehmender Anzahl an Maschinen, die menschliche Arbeitskraft ersetzen, steigt auch die Zahl der Arbeitslosen. „Um diesen Spagat zu meistern, einerseits mehr Reichtum aber nicht plötzlich Massenarbeitslosigkeit zu erzeugen, war es notwendig, die Wirtschaft kräftig wachsen zu lassen,“ so Paech. „Genau dasselbe was uns so reich werden ließ, hat uns in eine Wachstumsabhängigkeit befördert.“

Paechs Frage: „Wie sähe ein modernes Versorgungssystem jenseits wirtschaftlichen Wachstums aus?“ Sein Lösungsansatz ist die Suffizienz. „Das heißt, nicht anders zu konsumieren, sondern weniger oder gar nicht.“ Das bedeutet nicht zu verzichten, sondern einE LebenskünstlerIn zu werden. 

Konsum heißt, einem Objekt oder Gut Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken – und genau dadurch sei dieser begrenzt. Paech stellt dieses Problem sehr anschaulich dar: mit einem Glas Wasser. „Ich kann nicht gleichzeitig trinken und sprechen.“

„Wenn wir versuchen, die begrenzte Zeit auf alle vorhandenen Konsumgüter zu übertragen, führt das zwangsläufig dazu, dass wir alles nur kurz antriggern. Das nennt man Konsumverstopfung“ erklärt er.  Der Schlüssel sei die Konzentration auf weniger Konsumgüter, die wir dann aber genießen. Postwachstumsökonomie sei am Ende nichts anderes, als die „Optimierung einer Ressource, die uns auszugehen droht.“

Verfrühte Kritik

Bereits Stunden vor Beginn der AStA-Veranstaltung kam Kritik an ebendieser. Die „ruhrbarone“ sprechen von Paech als „Wanderprediger mit Thesen aus dem grün-braunen Sumpf“. Sven Heintze, AStA-Referent für Politische Bildung und Organisator des Vortrags, hätte sich gewünscht, dass KritikerInnen seine Veranstaltung besucht und Paech direkt mit ihren Fragen konfrontiert hätten, statt schon vorab einen Verriss zu veröffentlichen.

Die gesamte Veranstaltung ist als Video auf asta-bochum.de zu sehen.

:Kendra Smielowski