Unklare Zukunft für Tanzzentrum in Bochum
Tanzschuhe an den Nagel hängen?
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Das Ende der Tanzproduktionen, wie sie seit 2015 laufen? Die Zeche 1 – Zentrum für urbane Kunst an der Prinz-Regent-Straße. Bild: lor
Das Ende der Tanzproduktionen, wie sie seit 2015 laufen? Die Zeche 1 – Zentrum für urbane Kunst an der Prinz-Regent-Straße.

Das Ende der aktuellen Spielzeit ist noch gar nicht in Sicht, dennoch rumort es in den kulturaffinen Teilen der Stadt. Der Grund: Die urbane Tanzkompanie Pottporus/Renegade befürchtet, nicht mehr in der Zeche 1 – Zentrum für urbane Kunst im Prinz-Regent-Viertel arbeiten zu können. 

Änderungen in Puncto Nutzung ergeben sich aufgrund des Wechsels der Intendanz des Schauspielhauses Bochum. Zur Spielzeit 2018/19 kommt der ehemalige Chef der Ruhrtriennale, Johan Simons. Dieser plane die vermehrte Nutzung des zum Schauspielhaus gehörenden Gebäudes der Zeche 1. Das Angebot, gemeinsam pro Spielzeit eine Produktion zu gestalten, wurde von dessen Chef Zekai Fenerci abgelehnt. 

Ort für Tanz

Bereits in der Intendanz von Frank-Patrick Steckel wurden erste Tanzproduktionen am Standort in Weitmar realisiert. Unter der Intendanz von Anselm Weber wurde 2015 die Zeche 1 als Zentrum für urbane Kunst dann in Form ihres derzeitigen Konzeptes eröffnet. Bereits davor entstand gemeinsam mit der freien Tanzkompanie Pottporus/Renegade aus Herne Produktionen. Auch Studierende der RUB und der Folkwang Universität der Künste gehörten zu den KooperationspartnerInnen. Für Fenerci, dessen Kompanie mietfrei in der Zeche arbeiten kann, ist dies ein Zentrum urbaner Ästhetik: „Es soll ein Pulsschlag sein für eine sehr offene urbane Ausrichtung, wo man dann mehrere Ideen und Möglichkeiten aufzeigen kann.“ Solch ein Zentrum biete Möglichkeiten, Impulse zu setzen und auszutauschen. Zudem komme man nicht nur mit unterschiedlichen Kunstformaten in Kontakt, sondern schaffe einer Generation urbaner Ästhetik, wie beispielsweise derHip Hop, ein künstlerisches Zuhause, auch überregional hinausgehend.

Lösungen?

Die vonseiten der Intendanz Simons vorgeschlagene Kooperation wird von den HernerInnen abgelehnt. Dies sei laut Ferenci keine „Kooperation und keine Zusammenarbeit“. „Unsere Arbeit ist klar definiert: Wir stehen für eine Entwicklung einer urbanen Tanzszene und wir möchten nicht, dass die urbane Kunstform als Vitrinenelement genutzt wird, wenn man sie braucht.“ Man sei Teil der Kulturszene und erwarte eine entsprechende eine Förderung, kulturell wie finanziell vonseiten der Stadt. Die Tanzkompanie wurde drei Jahre durch die Exzellenzförderung des Landes NRW unterstützt. 

Die Stadt, so Pressesprecher Peter van Dyk, sei überrascht über die Entwicklungen: „Vereinbart mit Herrn Fenerci und Herrn Simons war eigentlich eine weitere Kooperation.“ Man sei weiterhin bereit, den Raum mietfrei zur Verfügung zu stellen, allerdings könne man nicht „den Wegfall der Spitzenförderung kompensieren“. Momentan finden keine Gespräche zwischen Stadt, der Herner Tanzgruppe und dem Schauspielhaus statt. 

Olaf Kröck, der derzeit noch Intendant des Schauspielhauses in Bochum ist, sieht „zumindest öffentliche Stellen in der Verantwortung, wenn man ein öffentliches Theaterzentrum will“. Gleichzeitig handele es sich um „eine komplizierte Gemengelage, wo niemand bewusst einen negativen Schritt gegangen ist“. 

:Andrea Lorenz