Superior Sessions
Super Superior Bros 64 auf der Viktoriastraße
Bild: bena
Bevor es richtig zur Sache geht, noch ein kleiner Soundcheck: Superior Sessions in der Trompete. Bild: bena
Bevor es richtig zur Sache geht, noch ein kleiner Soundcheck: Superior Sessions in der Trompete.

Szenetreff. Vergangenen Donnerstag lud die Veranstaltungsreihe Superior Sessions in die Trompete ein. Ein Cypher, der eingefleischte Hip-Hop Fans begeistert.

Was für manche ein wenig zu verraucht ist, ist für jemand anderes die Superior Session. Einmal im Monat treffen sich unter diesem Namen die Battlerapper des Ruhrpotts, um Videos zu prämieren, ein kleines Konzert abzugeben oder eben zu battlen – übrigens auch cyphern genannt. Es ist fast wie eine Zeitreise, wenn man hinunter in den Keller der Trompete läuft. Überall Baggie-Hosen, Mützen mit Bandanas und andere vergessene Relikte der Hip-Hop-Szene. Doch der Schein trügt. Schnell bemerkt man das unfassbare Herzblut hinter der Veranstaltung und einem bleibt kaum etwas anderes übrig als laut auf die Frage: „Superior?“, „SESSIONS!“ zu brüllen. Hier geht es nicht darum, wer den coolsten Look oder den besten Flow hat. Es geht vielmehr um den Vinyl-Sound und den Respekt. So ist das Cypher auch keine unglaubliche Zurschaustellung der Battlerap-Szene, sondern mehr ein Zusammenkommen junger und alter Hip-Hop-Heads, die gerade das loswerden, was so in ihren Köpfen vor sich herschwebt, ob sich das jetzt gut anhört sei dabei mal in den Raum gestellt.

Superior Sessions scheint sich dann nämlich doch in diesem einem Punkt von seinem großen Bruder am anderen Ende der Welt wegzubewegen. Der Cypher ist kein Wettbewerb mehr, es ist vielmehr die Chance zu zeigen, wie weit man gekommen ist. Denn Freestylen ist keine angeborene Kunst, sondern Übung und ständiges Wiederholen bis zur Perfektion. Wenn man dann die alten und jungen Dichter*innen der Szene nebeneinander auf der Bühne stehen sieht und hört, wie leicht es den Geübten fällt und wie schwer den Ungeübten, muss man innerlich ein wenig grinsen. Als noch relativ ungeübter Master of Ceremony ist es dann doch beruhigend zu sehen, dass man nicht der*die Einzige ist, der*die mit dem ein oder anderen Reim im Kopf noch eine Verknüpfung aufbauen muss. Es gibt wohl kaum ein besseres Klima um sich auszuprobieren, wie auf dem Cypher der Superior Sessions.

Wo andere Veranstaltungen darauf aus sind, irgendwie noch schnell Kohle zu verdienen, was bestimmt auch eine gewisse Berechtigung hat, versucht Superior Sessions es, so scheint es zumindest, die Culture oder das was von der Culture noch übrig ist unters Dach der Trompete zu bringen, ohne dabei wirklich Geld zu verlangen – bis auf eine Spendenbox und Getränkepreise. Das kann man nur respektieren. Trotz allem würde man sich als eingefleischter Hip-Hop-Fan vielleicht mehr Bandbreite erwünschen. Denn die Culture wächst und wächst und wurde komplexer über die Jahre. Wo ist der Underground der Neuzeit, die neue Generation, die immer schnell als Cloudrapper abgestempelten? So könnten die Superior Sessions den Versuch starten, die Generations-Kluft im Cypher zu überwinden oder jungen Rapper*innen die Möglichkeit geben, ihre Videos zu prämieren, die auch andere Sounds vertreten, außer dem Vinyl Oldschool Sound. Denn Rap und Hip-Hop sind divers in ihren Klängen, wie in ihrem Publikum und überall lässt sich Talent finden, wo man vielleicht zu Anfang denkt, da wäre keins. Möglicherweise lassen sich ja sogar vielleicht festgefahrene Oldheads überzeugen.

Alles in allem, war die Superior Session dann doch ein gelungener Abend. Falls Du jetzt auch interesse an dieser Veranstaltung haben solltest, hier ein paar Infos: Der Hip-Hop-Stammtisch Superior Sessions trifft sich jeden ersten Donnerstag im Monat in der Trompete Bochum. Der Eintritt ist frei. Einlass ist ab 21 Uhr.

:Gerit Höller