Weltweit schreiben im November Tausende Menschen an eigenen Romanen – auch an der RUB
Studis im Schreibrausch
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Gemeinsam schreibt es sich leichter: Auf einem Plakat halten die TeilnehmerInnen des Seminars ihren Schreibfortschritt fest.  Foto: bk
Gemeinsam schreibt es sich leichter: Auf einem Plakat halten die TeilnehmerInnen des Seminars ihren Schreibfortschritt fest.

Einen Roman verfassen – das klingt für viele nach einem Projekt, das sich nur besonders große Talente vornehmen können und an dem ein Leben lang gewerkelt werden muss. Dass zwischen einer Idee und dem ersten Romanentwurf gar nicht so viele Hürden stehen müssen, will ein Seminar des Schreibzentrums vermitteln. Die Botschaft dabei: Ein Roman entsteht schon in 30 Tagen. Die :bsz war beim Schreibtreffen der TeilnehmerInnen am 2. November dabei.

Stille erfüllt den Glaskasten auf der Südseite des Gebäudes GB, wo die TeilnehmerInnen des Schreibseminars „Ein Roman in 30 Tagen“ an ihren Laptops fleißig in die Tasten hauen. Drei Stunden lang schreibt hier jedeR für sich konzentriert an seinem oder ihrem Werk – danach tauschen die Studis sich über ihre Schreiberfahrungen aus. „Wie war das für euch, so lange am Stück zu schreiben?“, fragt Seminarleiterin Ulrike Lange aus dem Schreibzentrum in die Runde.

Sprudelnde Ideen

Trotz des Pensums von 50.000 Wörtern oder mehr, das sich die TeilnehmerInnen des Seminars auferlegt haben, ist von Erschöpfung an diesem Montag nichts zu spüren – die Ideen scheinen nur so zu sprudeln: „Während des Schreibens sind mir immer wieder neue Szenen in meinen Text hineingerutscht, die ich gar nicht geplant hatte“, erzählt etwa Komparatistikstudentin Sabrina, die bereits nach einem Tag über 8.000 Wörter für ihren Roman geschrieben und damit die ersten zehn Prozent ihres Gesamtwortziels auf der gemeinsamen Fortschrittstabelle abhaken konnte. Damit der Enthusiasmus der ersten Tage nicht verfliegt, hat sie genau geplant, an welchem Tag sie wie viele Wörter schreiben will.  

Das Maskottchen des Schreibzentrums. Foto:luxEin weltweites Projekt

So wie die TeilnehmerInnen des Seminars von Ulrike Lange nehmen sich jährlich im November Tausende Menschen auf der ganzen Welt vor, innerhalb eines Monats einen Roman zu schreiben. Die Idee dazu entstand im Jahr 1999, als der US-Amerikaner Chris Baty den November zum „National Novel Writing Month“, kurz NaNoWriMo, erklärte. In der Internetcommunity nanowrimo.org und zahlreichen Online-Schreibgruppen wird seitdem fleißig geschrieben – an der RUB bietet das Schreibzentrum den Kurs in diesem Semester zum fünften Mal an. „Ich habe davon gehört, wie eine Kollegin ein ähnliches Seminar in Frankfurt/Oder angeboten hat und wollte an der RUB auch etwas Kreatives anbieten“, erinnert sich Ulrike Lange. Seitdem ist das Seminar fest im Jahreskalender des Schreibzentrums verankert. Gelegentlich organisiert Lange mit den Absolventinnen früherer NaNoWriMo-Seminare auch Lesungen, bei denen die fertigen Romane vorgestellt werden. 

Davon sind die diesjährigen TeilnehmerInnen noch ein Stück weit entfernt. „Aber die 5 CP, die man hier für das Seminar bekommt, sind schon ein Anreiz, das auch durchzuziehen“, findet Germanistikstudentin Milena. „Im Vergleich zu anderen Blockseminaren wird hier schon viel gearbeitet“, sagt ihre Kommilitonin Sabrina über den Aufwand des Projektes. Was am Ende aus ihrem Roman wird, weiß sie allerdings noch nicht. „Ich würde ihn schon gerne mal veröffentlichen – aber erst einmal wird der Entwurf überarbeitet.“

:Birthe Kolb

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