Engagement aus der Nachbarschaft und von der Ruhr-Universität
Studierende als FlüchtlingspatInnen
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Das Übergangswohnheim an der Wohlfahrtstraße: Um die Hauptgebäude in der Mitte herum ziehen sich weiße Wohn-Container. Foto: ln
Das Übergangswohnheim an der Wohlfahrtstraße: Um die Hauptgebäude in der Mitte herum ziehen sich weiße Wohn-Container.

Auf ein Gesuch der Brenscheder Schule nach  freiwilligen HelferInnen, die sich als Unterrichtspaten für Flüchtlinge engagieren, meldeten sich 15 Studierende der Ruhr-Uni. Ein Runder Tisch, entstanden aus Eigeninitiative von Wiemelhausener BürgerInnen, plant weitere Aktionen um Flüchtlinge, die in Bochum an der Wohlfahrtstraße untergebracht sind, zu unterstützen.

Im Übergangswohnheim in Bochum-Wiemelhausen leben zur Zeit ca. 250 Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien, wie Bosnien Herzegowina, Mazedonien und dem Kosovo, aber auch aus Syrien, Afrika und Bangladesch, darunter etwa 70 Kinder.

Erst vor kurzem hatte die Brenscheder Schule nach UnterrichtspatInnen für sechs dieser Kinder gesucht um ihnen beim Erlernen der deutschen Sprache zu helfen. Der Wiemelhauser Michael Klüter machte das Gesuch über sein Facebook-Netzwerk bekannt und ist nun Vermittler zwischen den Studierenden und der Brenscheder Schule. 15 Studis der RUB meldeten sich auf das Gesuch – mehr als erwartet und benötigt. Eine davon ist Rabija D., Studentin der Linguistik und Orientalistik. Zur Frage nach ihrer Motivation sagt sie: „Beim Lesen der Mail hab ich mich an mich selbst erinnert. Ich bin vor ca. neun Jahren aus Bosnien nach Deutschland gezogen und hatte so gut wie keine sprachlichen Kenntnisse. Ich hätte mich damals auch über ein bisschen verständnisvolle Hilfe gefreut und deshalb möchte ich die Kleinen unterstützen.“ Auch Christian Maihöfer, Student des Studiengangs „Sales Engineering and Product Management“, spricht aus eigener Erfahrung. Bei seinem Zivildienst in São Paulo habe er erfahren, wie hilfreich es ist, wenn man Freunde an der Seite hat, die einem die neue Sprache näher bringen. „Wenn Familien den großen Schritt wagen, alles hinter sich zu lassen, um ein komplett neues Leben in einem fremden Land anzufangen, ist der Alltag voller Unsicherheiten. Wir als Unterrichtspaten können zumindest den Kindern das Gefühl geben, dass sie in der Schule willkommen und nicht alleine sind, um die Herausforderungen in der neuen Umgebung zu meistern.“

„Eigentlich müsste man da mal was tun.“

Über die vielen Rückmeldungen zeigte sich Michael Klüter positiv überrascht: „Jedes Mal, wenn ich mein Handy einschaltete, hatte ich eine neue E-Mail von Studierenden, die sich auf das Gesuch meldeten.“ Seit diesem Jahr engagiert sich Michael Klüter für die Flüchtlinge in Wiemelhausen. Angefangen mit dem Gedanken an Sylvester „Eigentlich müsste man da mal was tun!“  hat er inzwischen einen Runden Tisch angestoßen, an dem 30–40 Leute aus den drei Kirchengemeinden des Stadtteils und dem Sportverein Teutonia Ehrenfeld überlegen, wie man sich engagieren kann: Sie organisieren Sportmöglichkeiten und Feste sowie Hausaufgabenbetreuung, Spiele-Abende und suchen Helfer für Ämtergänge. In erster Linie geht es darum, die Zusammenarbeit zu intensivieren, denn es gab bereits zuvor mehrere Initiativen, die aber nichts voneinander wussten.

Begegnungsmöglichkeiten mit Nachbarn in Wiemelhausen

Einer davon ist Bernd Vössing aus dem benachbarten Steinkuhl, der sich seit einem Dreivierteljahr ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagiert und im Oktober ein Spiel-, Sport- und Begegnungsfest organisierte. Es wurde mit Musik, Sportmöglichkeiten und Verpflegung in Form von Waffeln und Kuchen gefeiert. Seit September gibt es zudem eine wöchentliche Fußball-AG. Ziel ist es, dass sich die Nachbarschaft untereinander kennenlernt und ein gutes Verhältnis aufbaut. Außerdem soll den Flüchtlingen eine Abwechslung zum öden Alltag ermöglicht werden – denn arbeiten dürfen Asylsuchende und Geduldete nicht, außer wenn sie bereits vier Jahre in Deutschland leben oder eine Arbeitserlaubnis erhalten. In den ersten neun Monaten ist das jedoch grundsätzlich ausgeschlossen.

:bszinfo

Der Runde Tisch hat inzwischen eine Steuerungsgruppe auf die Beine gestellt, die in Kontakt mit den zuständigen SozialarbeiterInnen des Übergangswohnheims ist und Begegnungsangebote gezielt organisieren soll, sowie den Kontakt zwischen Flüchtlingen und denen herstellt, die sie unterstützen möchten. Auch wer eigene Ideen hat, kann sich an diese Gruppe wenden. Im Sommer, am 14. Juni, ist zudem ein größeres Begegnungsfest geplant. Für die Verpflegung werden noch Kuchen- und Essensspenden gesucht und auch Hilfe bei der Organisation ist willkommen.

Wer aktiv werden und Flüchtlingen in Bochum Wiemelhausen helfen möchte, kann sich unter folgender E-Mail Adresse melden: asyl@st-johannes-bo.de
Gesucht werden HelferInnen für unterschiedlichste Aufgaben: Organisation und Durchführung von einmaligen und wöchentlichen Veranstaltungen wie der Betreuung von Familien, Hausaufgabenbetreuung, Freizeitaktivitäten wie Spielen, Sport und Festen.

Das Übergangswohnheim an der Wohlfahrtstraße. Foto: ln