Medizinstudium ist nicht gleich Medizinstudium
Studie: Teilbereiche des Medizinstudiums uneinheitlich
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Den Querschnittsbereich GTE lernen: Die Lehrinhalte variieren allerdings bundesweit. Foto: tom, Symbolbild
Den Querschnittsbereich GTE lernen: Die Lehrinhalte variieren allerdings bundesweit.

Lehre. Für alle Medizinstudierenden in Deutschland ist der Querschnittsbereich Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin (GTE) Pflicht. Doch bundesweit weist dieser Unterschiede in puncto Lehrinhalte, der Anzahl GTE-Studierender sowie der zugehörigen personellen Ausstattung auf.

Dies ergab eine Studie der Erstautoren Dr. Jan Schildmann vom Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin an der RUB und Dr. Florian Bruns vom Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Die Publikation ihrer Studie erfolgte im „GMS Journal for Medical Education“.

Die reformierte ärztliche Approbationsordnung (ÄAppO) trat zum Wintersemester 2003/2004 in Kraft, machte den Bereich GTE zum Pflichtcurriculum Medizinstudierender und integrierte „die geistigen, historischen und ethischen Grundlagen ärztlichen Verhaltens“ als wichtige Ziele der Vermittlung in der ärztlichen Ausbildung. Daraus folgte eine, wie es in der Studie heißt, „äußerst heterogene Lehrsituation“, innerhalb welcher sich die GTE-Lehrveranstaltungen „in Form, Inhalt und Methode erheblich voneinander“ unterscheiden, auch in puncto Schwerpunktsetzung. Eine bundesweite Untersuchung des Querschnittsbereichs hinsichtlich Inhalt und Methodik hätte laut Studie daher nahe gelegen.

Ergebnisse

Für die Durchführung der Umfrage wurde ein Fragebogen an 38 für die Lehre in GTE verantwortliche Institutionen versandt. 

An lediglich 19 angefragten Instituten liegt für die GTE-Lehre eine Professur vor und die Anzahl Studierender pro Jahr variiert von unter 100 bis über 350. Als Mittelwert für die Semesterwochenstunden (SWS) wurde 2,18 berechnet; die Maximalangabe belief sich auf 6, minimal auf 1. Angaben zur quantitativen Gewichtung der Teilbereiche in GTE ergaben, dass 35,4 Prozent der Lehre auf die Geschichte, 14,7 Prozent auf die Theorie und 49,9 Prozent auf die Ethik entfallen. 

Laut Studie gelten im Bereich Geschichte die Medizin im Nationalsozialismus, im Bereich Theorie der Gesundheits- oder Krankheitsbegriff und im Bereich Ethik Dilemmata am Lebensende als wichtigste Lehrinhalte. Insbesondere fällt in den Bereichen Ethik und Geschichte eine starke Streuung der Themen auf.

Bewertung

„Die Arbeit macht deutlich, dass sich die Inhalte und strukturellen Voraussetzungen der Lehre in GTE an den medizinischen Fakultäten in Deutschland erheblich unterscheiden. Bei einer Bewertung der Ergebnisse könnte man die inhaltliche Vielfalt der Lehrangebote als Vorzug in einem ansonsten standardisierten Curriculum begreifen“, erklärt Schildmann. „Andererseits muss gefragt werden, ob zumindest in Bezug auf bestimmte Themengebiete eine Vereinheitlichung der GTE-Lehre hergestellt werden sollte.“ So könnten alle angehenden Ärzte und Ärztinnen in Deutschland über vergleichbare Grundkenntnisse verfügen.

Und wie steht es um die RUB? „Aufgrund der Lehrverpflichtungen an zwei Fakultäten (RUB und Universität Duisburg-Essen) bei begrenzten personellen Ressourcen kann der angestrebte Unterricht in kleinen Gruppen leider nicht angeboten werden, was wir sehr bedauern“, erklärt Schildmann. Allerdings würden, ergänzend zu Vorlesungen und Seminaren, schon seit Jahren entsprechende Wahlfächer für kleine Gruppen angeboten, in welchen innovative Lehrmethoden, zum Beispiel SimulationspatientInnen, zum Einsatz kämen. „Diese Lehrveranstaltungen, beispielsweise zum Überbringen schlechter Nachrichten oder Entscheidungen am Lebensende, sind nicht nur regelmäßig ausgebucht, sondern wurden auch mit mehreren Lehrpreisen bedacht.“  

 

:Tobias Möller