Verschwundenes studentisches Wandbild: Grüne Hochschulgruppe beantragt Wiederherstellung
So nicht, RUB!
Foto: Privatarchiv Bernd Figgemeier
Kollektivkunstwerk unter fachkundiger Leitung: Bernd Figgemeier bei der Arbeit.
Kollektivkunstwerk unter fachkundiger Leitung: Bernd Figgemeier bei der Arbeit.

Der Streit um die getilgte studentische Campuskunst zwischen Audimax und NA-Gebäude geht weiter: Nachdem im Zuge einer Präsentation „temporärer Kunstwerke im öffentlichen Raum“ der „Urbanen Künste Ruhr“ ein 100 Quadratmeter großes studentisches Wandgemälde übertüncht worden war, meldeten sich inzwischen die VeranstalterInnen zu Wort. Für die Zeit nach Beendigung der Kunstaktion beantragt die Grüne Hochschulgruppe (GHG) im Studierendenparlament (StuPa) zudem eine Wiederherstellung des grau übertünchten Wandbilds. Vielleicht ließe sich hierfür auch der Bochumer Künstler Bernd Figgemeier erneut als künstlerischer Leiter gewinnen.

„Wie Sie vielleicht wissen, beschäftigt sich Urbane Künste Ruhr mit dem öffentlichen Raum. Gemeinsam mit Künstlern, Netzwerken und Kulturinstitutionen suchen wir nach dem Kern des Urbanen im Ruhrgebiet“, erklärt Virgilio Pelayo, zuständig für die Pressearbeit der Urbanen Künste Ruhr, gegenüber der :bsz. Die Frage, ob die Zerstörung des studentische Utopien reflektierenden Wandbildes von 1979 bewusst intendiert war, wird ausweichend beantwortet: „Sie können versichert sein, dass wir vorab alle Maßnahmen getroffen und geprüft haben, ob die Wandmalerei an dem besagten Standort angebracht werden darf“, so der Pressesprecher. Immerhin räumt Pelayo ein: „Wir freuen uns, wenn das Kunstprojekt eine Diskussion anregt, aber wir wollen niemanden in seiner künstlerischen Freiheit beschneiden, noch uns über Regeln hinwegsetzen.“

Partizipation statt Offizialkunst

Bernd Figgemeier, unter dessen Leitung das Wandgemälde „Hoffnungen, Träume und Ängste der RUB-Studenten“ vor 35 Jahren entstanden war, konstatiert „Beliebigkeit“ im Umgang mit der Kunst im öffentlichen Raum: Durch die Zerstörung des Kunstwerks und die Übermalung mit dem Schriftzug „HOPE“ sei „die Hochschule nicht lebendiger geworden“: „Die damals malerisch dargestellten Hoffnungen der Studierenden sind im Zuge der urbanen Künste Ruhr zur verbalen Hohlphrase erstarrt“, so Figgemeier zur :bsz. Dies steht in schroffem Widerspruch zur ursprünglichen Intention der Kunstaktion: „Partizipation der Studierenden“ stand damals im Vordergrund – „die eigene Bildungs- und Kulturstätte“ mitzugestalten und „sich selbst mit einzubringen“, betont der Ehrenvorsitzende des Bundesverbandes Bildender Künstler Westfalen (BBK).

Grüne fordern neues Kunstprojekt

Dies könnte bald erneut der Fall sein: Bei der aktuellen StuPa-Sitzung der Ruhr-Uni fordert die GHG den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW sowie die Universitätsverwaltung auf, nach Ablauf der temporären Ausstellung der Urbanen Künste Ruhr am 7. September das studentische Kunstwerk zwischen Audimax und NA wiederherzustellen. „Sollte dies nicht möglich sein, so fordern wir im Namen der Studierendenschaft der Ruhr-Universität Bochum die entsprechende Fläche (25m x 4m) erneut für die Entstehung eines Kunstwerkes unter möglichst erneuter Leitung von Bernd Figgemeier freizugeben“, heißt es im Antragstext weiter. „Dieses neue Kunstwerk soll dem ursprünglichen entsprechend gerecht werden und das Thema ‚Hoffnungen, Träume und Ängste der Studierenden der RUB‘ aufgreifen.“ Bernd Figgemeier hat bereits seine Bereitschaft erklärt, erneut als künstlerischer Leiter zur Verfügung zu stehen. Und mehr noch: „Es wird Zeit, dass auf der Zentralachse des Campus endlich größere Flächen für Wandbildprojekte unter fachkundiger künstlerischer Leitung freigegeben werden“, bekräftigt der Bochumer Künstler.