Arbeitsrecht und Ausbeute
Sklaverei – Damals und Heute
Symbolbild: bena
Symbolbild: bena

Sklaverei. Was wäre die Welt ohne Sklaverei? Schier unmöglich, sich ein Ägypten ohne Pyramiden vorzustellen. Würde sich die Weltwirtschaft heute anders darstellen, ohne die Ausbeutung von Minderheiten? Klar ist, was wir in unseren Geschichtsbüchern tadeln und für tot erklären, ist für viele immer noch die harte Realität.

Vergangenheit

Die Definition des Begriffs „Sklav*in“ hat sich bis heute nicht geändert: Ein Mensch „der in völliger wirtschaftlicher und rechtlicher Abhängigkeit von einem anderen Menschen als dessen Eigentum lebt.“ (Duden) Diese unfreiwillige Unterwerfung geht bis in die Frühzeit menschlicher Kulturen zurück. Deswegen greift diese Ansicht in westlichen Ländern bis heute noch auf römisches Recht zurück, wo „ein Sklave als Sache und nicht menschliches Wesen definiert wird.“ Jedoch muss auf dieser Ebene religiös unterschieden werden, denn in der muslimisch geprägten Welt folgt die Definition dem Grundsatz Mohammeds.
„Eure Sklaven sind eure Brüder. Gott hat sie unter euren Befehl gestellt. Wer nun die Oberhand über seinen Bruder hat, der soll von dem zu essen geben, was er selbst isst und ihm Kleidung geben, die er selbst trägt. Tragt ihnen nicht auf, was ihre Kraft übersteigt. Und wenn ihr es doch tut, so helft ihnen.“
Heute kann man davon sprechen, dass vom 7. bis zum 20. Jahrhundert in Afrika und nördlich über der Sahara Millionen von Menschen in die Sklaverei verkauft wurden. Mit der Entdeckung der „Neuen Welt“ Ende des 15. Jahrhunderts wurde das schon von europäischen Kolonialherren besetzte Afrika, gerade im Westen, zum wichtigsten Umschlagplatz für Leibeigene. Die Kolonialmächte versklavten über einen Zeitraum von rund 400 Jahren Millionen von Schwarzafrikaner*innen. Sie dienten als Statussymbol, vor allem aber als Ware, die auf Plantagen in Brasilien, in der Karibik und im Süden der Vereinigten Staaten verkauft wurden. Besonders im 17. Jahrhundert stieg die Nachfrage auf dem amerikanischen Kontinent an. Die billigen Arbeitskräfte wurden in der Landwirtschaft, im Bergbau oder auch privaten Haushalten eingesetzt.
Während im Zuge der Aufklärung in Europa erste kritische Stimmen laut wurden und Dänemark schon 1722 den Handel mit Menschen verbot, sollte es noch bis ins 19. Jahrhundert dauern, ehe der Sklavenhandel auf dem afrikanischen Kontinent formell verboten wurde. Nicht nur die europäische Skepsis war ein Faktor der Abschaffung der Sklaverei, auch die Selbstbefreiung von Sklav*innen im heutigen Ayiti (Haiti) 1791-1803 sowie die Bewegung der Abolitionist*innen hatten einen großen Einfluss auf die Außerkraftsetzung der Ausbeutung der Schwarzafrikaner*innen.
Doch erst nach dem Sezessionskrieg konnte Abraham Lincoln die komplette Aufhebung der Sklaverei erklären und Schwarze bekamen das Bürgerrecht. So trat am 18. Dezember 1865 der Verfassungszusatz in Kraft: „Weder Sklaverei noch Zwangsarbeit darf, ausgenommen als Strafe für ein Verbrechen, dessen die betreffende Person in einem ordentlichen Verfahren für schuldig befunden worden ist, in den Vereinigten Staaten oder in irgendeinem Gebiet unter ihrer Gesetzeshoheit bestehen.“

:Abena Appiah

Auch wenn wir uns in diesem Text mit der Sklaverei in Afirka und dem Transatlantischen Sklavenhandel beschäftigen, möchten wir nicht außen vorlassen, dass es davor auch im europäischen und arabischen Raum Sklaverei gegeben hat.

Gegenwart

Der über die Jahre angehäufte Reichtum des „Westens“ kam nur durch Ausbeutung zustande und musste sich nach dem Verbot, Menschen als Besitz zu handeln, einen neuen Weg suchen. Im modernen Kapitalismus hat das verschiedene Formen, die alle bis heute ausgeübt werden, ohne wirkliche Konsequenzen für die Praktizierenden. Laut Schätzungen der WalkFree Organization befinden sich immernoch ca. 45 Millionen Menschen in unzumutbaren Arbeitsverhältnissen, die man heute in den Oberbegriff „Moderne Sklaverei“ fasst. Darunter fallen Begriffe wie Schuldknechtschaft, wo durch ungerechte Kreditvergabe und falsche Zinssetzung, Personen nicht in der Lage sind die gegebenen Kredite abzubezahlen, sodass diese ewig an ihre*n Schuldner*in gebunden sind. Diese Art der Sklaverei gilt auch als eine der in der Wirtschaft gängigeren Formen der Sklaverei und wird vor allem in der Industrie als Druckmittel auf die Arbeiter*innenklasse genutzt. Doch oftmals versteckt sich die moderne Sklaverei hinter dem Deckmantel veralteter Menschenbilder und Traditionen. Zwangsheirat ist bis heute noch ein Thema hauptsächlich für Frauen und wird in vielen Ländern oftmals noch praktiziert. Was mit Tradition anfängt, kann dann schnell etwas Größeres werden und so ist es auch keine Überraschung, dass Menschenhandel weiterhin vor allem viele Frauen für Realität ist. Denn in Ländern, wo Frauen rechtlos sind oder nur wenige Rechte haben, ist es ein Leichtes, diese bis auf‘s Ganze auszubeuten. So sollte es auch keine Überraschung sein, dass ein knappes Viertel der gesamten modernen Sklaverei von Kindern geleistet wird. Wer kein Recht hat und auch nicht weiß, wie man dieses einfordert ist leicht auszubeuten, vor allem wenn die eigenen Eltern zu arm sind, um dem Kind eine andere Möglichkeit zu geben. Und so ziehen immer noch Kinder auf den Arbeitsmarkt und in den Krieg für uns.

Sei es nun wie in Qatar, wo Menschen der Pass weggenommen wird, für die wirren Träume eines verblendeten Schaichs, oder wie ein gewisser Lebensmittelhersteller – Nestlé – das Wasser einer gesamten Region monopolisiert, das Ausbeuten geflüchteter Personen im Süden Italiens oder die anderen Formen von moderner Sklaverei in China, Ayiti, Indien, Ghana, Nigeria, Libyen oder Mexiko, um nur ein paar zu nennen. Die modernen Formen der Knechtschaft arbeiten mit Tricks und doch ist es oftmals offensichtliches Unrecht. Denn neue Nachrichten, das weiterhin Verbrechen im Bereich des Arbeitsrechts vollzogen werden, sind das hier nicht.

Es zeigt, dass die Menschenrechtserklärung der UN nur ein Tropfen auf dem heißen Stein
bleiben, solange sie nicht irgendwie mit tatsächlichen Konsequenzen in Verbindung gebracht werden können. Eine immer weiter globalisierte Welt braucht ein vernünftiges allgemein-bündiges und allgemeingültiges Arbeitsrecht, das den nie endenden Appetit auf Profit im Kapitalismus einschränkt. Europa kann noch so viel andere Länder tadeln, dass sie sich so wenig für bessere Bedingungen einsetzen. Solange aber die westliche Welt knallhart von diesem Prinzip der Ausbeute profitiert, wird sich auch nicht viel am modernen Imperialismus ändern, zumindest nicht wenn sich die größten Konzerne dieser Welt im globalen Norden Sonnen.

:Gerit Höller

Co-Autor(in):