Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen verteidigt Hochschulnovellierungsgesetz
Schwieriger Austausch zwischen Ministerin und Studierenden
Bild: LAT NRW
Zahlreich erschienen: Die StudierendenvertreterInnen vor dem  Ministerium für Kultur und Wissenschaft.  Bild: LAT NRW
Zahlreich erschienen: Die StudierendenvertreterInnen vor dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft.

Bildungspolitik. Beim Treffen mit der Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) und StudierendenvertreterInnen aus NRW, in dem das Hochschulnovellierungsgesetz besprochen wurde, gab es eine Reihe von Konfrontationspunkten.

Seit mehreren Wochen beschäftigt das Eckpunktepapier für das Hochschulnovellierungsgesetz die Studierendenschaften Nordrhein-Westfalens (:bsz 1157). Die größten Kritikpunkte wurden nun im Gespräch zwischen Pfeiffer-Poensgen (parteilos), dem Landes-ASten-Treffen (LAT) und zahlreichen StudierendenvertreterInnen angesprochen, darunter auch die angestrebte Wiedereinführung der Anwesenheitspflicht. Gegenüber den Studierenden verteidigte die Ministerin diese erneut. Das derzeitige Gesetz würde die „Lebensrealität an den Hochschulen“ verkennen, so die Ministerin. Aufgrund der fehlenden Anwesenheitspflicht sei der akademische Diskurs geschädigt. Auf den Hinweis, es gebe bereits Regelungen, durch die Anwesenheitspflichten für einzelne Veranstaltungen wie Exkursionen oder praktische Übungen angeordnet werden dürfen, ging Pfeiffer-Poensgen nicht ein. 

Im Kontext der Anwesenheitspflichten wurde ebenfalls die geplante Abschaffung der Studienbeiräte und der Viertelparität in den Senaten besprochen. Denn, so betonte die Koordinatorin des LAT, Katrin Lögering, dies seien die Gremien, in denen Anwesenheitspflichten besprochen werden können. Wenn gerade diese Gremien nun vor dem Aus stehen, fehle ein Diskurs auf Augenhöhe. „Es bleiben ja noch studentische Sitze im Senat übrig. Augenhöhe hängt nicht von der Sitzzahl in den Gremien ab“, entgegnete Pfeiffer-Poensgen über die Abschaffung der Viertelparität. Bezüglich der Studienbeiräte zeigte sich die Ministerin jedoch offen und sagte: „Die Argumente zu den Studienbeiräten nehme ich sicherlich mit.“

 

Autonomie durch Verpflichtung

Starke Kritik wurde außerdem gegen die verpflichtenden Studienverlaufsplanungen und die Online-Self-Assessments vor Studienbeginn geäußert. Beides sind Mechanismen, die die Studienabbruchsquoten verringern sollen. Aline Nüttgens von der RWTH Aachen, wo es bereits Online-Self-Assessments gibt, beschrieb deren Probleme: „Das Problem an der Ausgestaltung der Tests ist, dass man 50 Prozent der abgefragten Inhalte aus dem Test nicht für die Studienfächer braucht, auf die der Test vorbereiten soll. Der Test ist auf den gesamten MINT-Bereich angelegt und alle Studieninteressierten, die eines jener Fächer studieren wollen, werden mit den gleichen Fragen konfrontiert.“

Pfeiffer-Poensgen entgegnete dem: „Es kann ja auch nicht für jede Fachkultur beziehungsweise für jeden Studiengang einen eigenen Test geben.“ 

Außerdem wurden die bereits jetzt überbelasteten Beratungsstellen erwähnt. An der RTWH Aachen müsse man im Fach Physik demnach teils drei Monate auf einen Beratungsplatz warten. Verpflichtende Beratungen seien bei diesen knappen Ressourcen fast unmöglich.

 

Anhaltende Skepsis

Das Treffen kam zustande, nachdem öffentliche Kritik an dem fehlenden Austausch mit Studierenden medial diskutiert wurde. Ob das Gespräch zu einer stärkeren Berücksichtigung studentischer Interessen führt, bleibt fraglich. Katrin Lögering zumindest zeigt sich skeptisch: „Wir sind mit geringen Erwartungen hineingegangen. Und die Erwartungen wurden noch untertroffen. Das haben relativ viele gesagt, die da waren.“

:Stefan Moll

 

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