Bild: Steinkind im KulturCafé: Musik aus allen Richtungen., Steinkind-Konzert im KuCaf rockte vor und auf der Bühne Foto: Alexander Ivo Ryba

Zunächst war die Band skeptisch: KulturCafé, das klingt nicht nach einem Club, in dem Steinkind normalerweise auftreten würden. Auch die von zwei Seiten offene Bühne ist ungewöhnlich. Was aber zur Band passt: Die Frage, welchen Musikstil man vergangenen Freitag im KulturCafé zu erwarten hatte, wusste niemand konkret zu beantworten. Etwas Punk, etwas EBM und ganz viel von allem, was es dazwischen und drumherum gibt. Lag es womöglich an dieser Ungewissheit, dass sich nur knapp 70 Fans eingefunden hatten? Diese allerdings hatten ihren Spaß.

Auch der Band hat es gefallen. Sogar Steinkinds Sänger Sàndor, der zuvor bei einem Prä-Gig-Pils die Skepsis über die Location geäußert hatte und eigentlich lieber auf großen Festivalbühnen spielt (denn „im Club ist so ein Konzert echt Arbeit“), resümierte: „Es hat echt Spaß gemacht.“ Seine Bandkollegen Phil und Ronny beurteilten den Gig genauso. Dabei stellte Sàndor vor dem Auftritt noch fest, dass nicht nur die Band die Stimmung des Publikums beeinflusst, sondern sich auch die Atmosphäre im Saal auf die Intensität der Bühnenperformance auswirkt. Dickes Lob also an die Bochumer Fans.

ES23 leisteten gute Vorarbeit

Die Konzertbesucher hatten trotz – oder gerade wegen? – ihrer geringen Zahl also eine gute Zeit gehabt und ihre gute Laune auch gezeigt. Es wurde gewippt, gehüpft und getanzt. Die Bochumer ES23 leisteten als Vorband gute Vorarbeit. Sie trafen mit ihrem Dark-Electro-Sound den Geschmack des Publikums, das sichtlich fast geschlossen der Schwarzen Szene entstammte. Das ist bei Steinkind-Publikum nicht unbedingt anzunehmen. Da die Band textlich und musikalisch sehr breit aufgestellt ist, spricht sie ein entsprechend buntes Spektrum an MusikhörerInnen an. „Wir könnten gnadenlos jede Szene bedienen“, sagt Sàndor. Und Phil ergänzt: „Wenn es den Leuten gefällt, dann ist es aber auch egal, ob sie schwarz tragen oder rot oder bunt oder ob sie nackig rumlaufen.“
Der Band aus Leipzig ist die Zusammensetzung ihres Publikums also egal. Die Gothics seien eher zurückhaltend, genauso wie das ostdeutsche Publikum im Allgemeinen, wohingegegen die Menschen im Ruhrgebiet tatsächlich, wie es ja so oft heißt, offen und relativ freundlich seien.  Schade sei, dass bloß die Fans untereinander mit Angehörigen anderer Subkulturen nicht klarkämen: „Manche sind einfach nicht so weit.“

„Es wird Zeit“ für ein neues Album

Seit 2005 tragen Steinkind ihren Stilmix, den sie auch optisch verkörpern, mittlerweile in die Welt. Eigentlich ein Duo, stehen Sàndor am Mikro und Phil an den Keyboards unterstützt von Gitarrist Ronny und Drums aus dem Computer auf der Bühne und wirken wie zufällig zusammengewürfelt. Phil trägt einen blauen Pullunder und gibt sich auch in seiner Performance eher zurückhaltend, während der Vokalist immer wieder die Aufmerksamkeit durch Rocker-Attitüde und heftige Flirts mit dem Mikrofonständer auf sich zieht.
Das nächste Konzert spielen Steinkind am 28. Dezember in Hannover. Danach ist bislang eine Auftrittspause angesagt, denn die Arbeit am vierten Album muss weitergehen („Wir haben immerhin angefangen, das ist ja schonmal was“, lacht der Keyboarder, der gleichzeitig Produzent ist und die Musik schreibt).
Die neue Scheibe soll dann Mitte nächsten Jahres zu haben sein.

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