„Mr. Robot“: Systemkritik mal anders
Scheiß auf die Gesellschaft
In den meisten Fällen sind Filme und Serien über Hacker peinlicher Mumpitz und verursachen Fremdschämen. Ganz anders läuft es da bei der neuen US-Serie „Mr. Robot“.
 
Elliot Anderson (gespielt von Rami Malek; „Nachts im Museum“) ist ein Hacker. Tagsüber arbeitet er in einer IT-Sicherheitsfirma, nachts hackt er sich durch das Internet – oftmals mit der Intention, seine Nächsten vor bösen Gesellen und schlechten Einflüssen zu beschützen. Eigentlich kein schlechtes Leben. Wären da nicht die Depressionen, Angstattacken, Weinkrämpfe und Halluzinationen, die den zerrütteten Protagonisten heimsuchen. Hinzu kommt eine hochgradige Soziophobie, die Elliot oftmals an seine körperlichen und psychischen Grenzen bringt. Um nicht vollends den Boden unter den Füßen zu verlieren, betäubt sich Elliot regelmäßig mit einer wohl dosierten Menge Morphium.
 
Trotz dieser zahlreichen Leiden arrangiert sich Elliot so gut es geht mit der Realität, und geht dabei wiederholt Kompromisse ein. Obwohl er die Gesellschaft hasst, arbeitet er für ein Unternehmen, dass gerade die beschützt, die er aus tiefster Überzeugung ablehnt – allen voran den allmächtigen Super-Konzern „ECorp“, abfällig auch „Evil Corp“ genannt. 
 
Dies ändert sich jedoch als eine geheimnisvolle Hacker-Truppe unter der Führung des ominösen „Mr. Robot“ (Christian Slater; „Interview mit einem Vampir“) an ihn herantritt. Urplötzlich muss sich Elliot entscheiden, ob er die „wenigen, die im Geheimen die Welt lenken“, zu Fall bringen will oder sein Leben einfach weiterlebt.
 

Schleichender Realitätsverlust

 
Gerade die Szenen, in denen Elliot kurz davor ist, wiederholt den Draht zur Realität zu verlieren, fesseln. Oftmals spricht er im Off-Text mit den ZuschauerInnen und man fragt sich, ob man gerade selbst eine Halluzination, also ein Teil seiner Vorstellungskraft geworden ist. „Mr. Robot“ mutet dann an wie eine Hommage an David Finchers „Fight Club“. Getragen wird die Serie vor allem durch das virtuose Spiel des kalifornischen Schauspielers Rami Malek. Wer auf dichte Atmosphäre, tolle Charaktere, und abgedrehte Wendungen steht, sollte „Mr. Robot“ keinesfalls verpassen.
 
Aktuell läuft die erste Staffel von „Mr. Robot“ auf USA Network. Hierzulande kann die Serie über iTunes abgerufen werden. Eine zweite Staffel wurde bereits bestätigt.
 
:Christian Kriegel