Wegen regierungskritischer Inszenierung
Rechte drohen mit Zensur
Bild: Nestroy Komitee Schwechat
Zensur bei Theaterfestival: Theaterschaffende geben nicht klein bei. Bild: Nestroy Komitee Schwechat
Zensur bei Theaterfestival: Theaterschaffende geben nicht klein bei.

Österreich. Aufgrund einer kritischen Inszenierung bei den Nestroy-Spielen Schwechat drohte ein FPÖ-Mitglied mit Mittelstreichung.

Beim Theaterfestival in der niederösterreichischen Stadt Schwechat kam es zu einer Kontroverse rund um die Vorstellung „Zu ebener Erde und erster Stock“, inszeniert von Peter Gruber. Nach der Generalprobe drohte ein Gemeinderats-Mitglied der österreichischen Regierungspartei FPÖ mit dem Entzug von öffentlichen Geldern.

Aufgrund von Szenen, in denen die rechte Regierung als „größtenteils braun“ bezeichnet und ein Hitlergruß gezeigt wurde, schrieb der Gemeinderat Wolfgang Zistler einen Brief an die Niederösterreichischen Nachrichten, in dem er die VeranstalterInnen dazu aufforderte, die unangenehmen Passagen zu streichen und eine Entschuldigung zu verfassen. Falls dies nicht geschehe, würde die FPÖ in Schwechat „keinen Geldern mehr für die Nestroy-Spiele zustimmen“. Trotz der gedrohten Mittelkürzungen führten die KünstlerInnen das Stück ohne Änderungen auf und der Regisseur Peter Gruber schließe „sowohl eine Textänderung als auch eine Entschuldigung selbstverständlich aus“.

 

Kunst in Gefahr

Doch auch in Deutschland sehen sich KünstlerInnen den Gefahren von rechtspopulistischen Parteien wie der AfD ausgesetzt. „Wir Theaterschaffenden sollten uns auf Angriffe dieser Art gegen die Kunstfreiheit vorbereiten. Wir müssen leider erleben, dass es wieder Politiker*innen gibt, die die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Kunst mit Füßen treten“, erklärt Sören Fenner, Vorstandsmitglied des ensemble-Netzwerk e. V., einer Organisation, die sich für bessere Arbeitsbedingungen im Theaterbetrieb einsetzt (:bsz 1166). Denn auch hierzulande könnte Kulturinstitutionen die Streichung von Geldern drohen. „Jede*r Stadträt*in kann über die Haushaltsverhandlungen versuchen, Kulturmittel zu kürzen“, so Fenner. Im Fall der Nestroy-Spiele sei es an den anderen Parteien, dies zu verhindern und eine Gegenreaktion zu den Drohungen zu beschließen. „Jeder Versuch, die Gelder für ‘nicht genehme’ Kultureinrichtungen zu kürzen, sollte bei den anderen Parteien eine Gegenreaktion hervorrufen: Sie sollten dieser Kultureinrichtung umso mehr Gelder geben.“                    

:Stefan Moll

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