Universitäten des Landes fordern 1,15 Milliarden Euro für Bildung
Proteste in Amsterdam

Demonstration. Die niederländische Regierung hat in der Bildungspolitik einen empfindlichen finanziellen Schnitt gesetzt.

Die Universitäten des Landes fordern 1,15 Milliarden Euro für Bildung, die Regierung in Den Haag setzt einen Schnitt bei 183 Millionen Euro. In einer landesweiten Protestwoche beteiligten sich fast alle Universitäten an den Protesten „Wetenschrappelijg Onderwijs in Actie“, (WOinActie) zu Deutsch: Wissenschaftliche Ausbildung in Aktion. Bereits im Mai dieses Jahres wurde der Bildungsministerin Ingrid van Engelshoven ein Ultimatum zur Finanzierungsfortführung der niederländischen Universitätsbildung gesetzt. Nachdem sie diesem nicht nachgekommen war, begann am 24. September die landesweite Aktionswoche. Demonstrationen wurden organisiert und Dozent*innen verlegten Vorlesungen ins Freie. An der Universiteit van Amsterdam (UvA) griffen die Studierenden zu radikaleren Mitteln. Am 28. September besetzten Aktivist*innen das P. C. Hoofthuis, den Sitz der geisteswissenschaftlichen Fakultäten, und riefen die „Autonome Universität“ aus.

Radikaler Protest

Anders als in den vorherigen Tagen der WoiActie-Woche war dieser Schritt bewusst radikal und politisch, was auch die Umbenennung des Gebäudes in „Postcolonial House“ unter Beweis stellt. Die Studierendenvertretung ASVA veröffentlichte am Tag der Besetzung eine Erklärung, dass man die Forderungen der Studierenden nach besserer Bildungsqualität, Zugänglichkeit und Inklusivität, Demokratisierung, Diversität und Dekolonialisierung unterstütze. Glücklich ist man auch unter den Studierenden mit der Notwendigkeit einer solchen Protestaktion nicht unbedingt: „Eine Besetzung bringt Unannehmlichkeiten mit sich“, heißt es vonseiten der ASVA, „doch sie erinnert uns dadurch an die Probleme in der höheren Bildung, die wir täglich weg winken.“ Bereits wenige Stunden später räumte ein mobiles Einsatzkommando der Amsterdamer Polizei das Gebäude und 31 Personen wurden vorläufig festgenommen. Universitätspräsidentin Geert te Dam zeigte sich im Anschluss an die Besetzung enttäuscht, der Zeitung „Het Parool“ sagte sie: „Jetzt geht es nur noch um die Räumung, obwohl wir sie [die Studierenden, Anm. d. Verf.] eigentlich unterstützen.“

:Justin Mantoan