ExpertInnen sprechen im Blue Square über sexualisierte Gewalt
Podiumsdiskussion „Nein heißt nein, oder?“
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Von B wie Bloggerin bis hin zu Z wie Zeitgeschichte: Aus verschiedenen Gebieten sind die ExpertInnen zusammengekommen. Foto: kac
Von B wie Bloggerin bis hin zu Z wie Zeitgeschichte: Aus verschiedenen Gebieten sind die ExpertInnen zusammengekommen.

„Nein heißt ja / Wenn man lächelt so wie Du / Warum willst Du Deinem Herz nicht trau’n“ sang einst G.G. Anderson. Darauf folgte am Abend im Blue Square ein Skandallied der Popmusik aus den 80er Jahren, „Jeanny“ von Falco: „‚Mach mich nicht an‘ / Aber du warst durchschaut, Augen sagen mehr als Worte / Du brauchst mich doch, hmh? […] Sie werden dich nicht finden / Niemand wird dich finden, du bist bei mir!“ Das vermittelt also die deutsche Musikszene. Moderatorin Katja Leistenschneider, bekannt von Radio Bochum, erklärte, dass „Jeanny“ bis zum letzten Jahr täglich auf vielen Radiosendern gespielt wurde. Mutmaßungen zufolge wurde Falcos Lied aufgrund der Silvesternacht-Vorfälle aus dem Programm genommen.

Fünf ExpertInnen – ein Thema

Leistenschneider bat dann als erste Expertin die Bloggerin und Autorin Anne Wizorek aufs Podium. Wizorek bloggt seit 2006 meist über feministische Themen. Als sie 2013 den Aufruf „#aufschrei“ ins Leben rief, haben sich viele Frauen bei ihr gemeldet. Aus den eingegangenen Meldungen und den Ergebnissen hat Wizorek das Buch „Weil ein #aufschrei nicht reicht – Für einen Feminismus heute“ veröffentlicht.

Es folgte Stephanie Ihrler, Fachanwältin für Sozialrecht und Leiterin der Opferschutzberatung Weisser Ring e.V. in Bochum. Ihrler erklärt, dass sich bei ihr überwiegend Frauen meldeten. „Wir bereiten die Betroffenen darauf vor, was auf sie zukommt“, so Ihrler. Denn wenn es zur Verhandlung komme, müssen die Opfer darauf vorbereitet sein, dass sie vor Gericht den/die TäterIn wiedersehen. 

Christian Stahl ist Therapeut für opfergerechte TäterInnenarbeit bei „Neue Wege“. Seine Arbeit besteht darin, Kindern und Jugendlichen, die sexuell übergriffig wurden, klar zu machen, dass Nein auch wirklich Nein heißt: „Wir erklären ihnen, welche Auswirkungen ihr Verhalten haben wird, wir achten daher auf eine gute Betreuung.“

Maren Lorenz, RUB-Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit und Geschlechtergeschichte, erklärte, dass sich das Denken bezüglich der sexualisierten Gewalt über Jahrtausende hinweg nicht geändert hätte. Unser heutiges Bewusstsein sei immer noch sehr jung – und auf anderen Kontinenten herrschten weiterhin die veralteten Sichtweisen vor. Die Frage, ob Nein wirklich Nein bedeute, sei eine neue kulturelle Entwicklung.

§ 177 neu, aber nicht perfekt

Zuletzt war RUB-Professor Gereon Wolters, Leiter des Lehrstuhls für Strafrecht, am Podest. Moderatorin Leistenschneider fragte ihn, ob sich durch die neue Gesetzgebung etwas verändert habe. Wolters ist nicht hundertprozentig zufrieden und empfindet den § 177 als nicht eindeutig genug formuliert: „Ich bin dafür, dass ins Gesetz aufgenommen wird, dass ein klares Ja von beiden Seiten vereinbart sein muss.“

Die Feministin Anne Wizorek resümierte: „Der Nährboden für sexualisierte Gewalt muss ausgetrocknet werden, man darf es nicht immer nur auf die Triebe schieben.“

:Katharina Cygan

ZEIT:PUNKTE

9. März, 18 Uhr im Blue Square. Thema: „Baby auf Bestellung: Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktionsmedizin“.