Bürger*innen wollen Bauvorhaben verhindern
Parkplätze und Polizeipferde statt Schutzgebiet am Südpark
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Vorher, nachher: Nach Bauplan können jetzige Wege für Fußgänger*innen nicht mehr genutzt werden. Screenshot, Nachbearbeitung: vitz
Vorher, nachher: Nach Bauplan können jetzige Wege für Fußgänger*innen nicht mehr genutzt werden.

Lokaler Widerstand. Das Bauvorhaben für die Polizei-Reiterstaffel NRW in Höntrop im Landschaftsschutzgebiet trifft auf Widerstand bei den Anwohner*innen.

Der Südpark von Bochum. Ein Ort, an den es nicht allzu viele Bewohner*innen von Bochum hin verschlägt. Ein zusammenhängendes Waldgebiet  in Höntrop und Wattenscheid mit anliegendem Wohngebiet und Schwimmbad über das es, außer über bedrohte Fledermausarten, kaum etwas zu berichten gäbe. Die Geschehnisse der vergangenen Monate haben das jedoch geändert.  

Seit Anfang des Jahres 2019 ist klar, dass das Land NRW mit dem Hof Rüsing in Verhandlungen steht, um das Gelände zu kaufen und somit der Polizei-Reiterstaffel NRW mit 32 Pferden eine neue Einrichtung zur Verfügung zu stellen. Der Hof am Zeppelindamm wurde 2013 bereits unter Protest von einem Reiterhof mit 13 Pferden zu einem Pferdegroßbetrieb mit 80 Pferden ausgebaut. Dennoch geht die Größe der geplanten Polizeieinrichtung weit über das vorzufindende Gelände hinaus. Geplant ist eine Ausweitung von zwei Hektar, unter anderem durch den Bau von neuen Gebäuden und Parkplätzen für 50 PKWs und 18 LKWs.
Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Bauvorhaben wie jedes andere, läge es nicht mitten in einem Landschaftsschutzgebiet, neben einem Wohngebiet mit Kindergarten und wäre es zu einer Zeit geplant, in der sich die Bevölkerung um den Erhalt von gutem, nutzbaren Boden sorgt. Das führt zu enormen Interessenkonflikten zwischen der Stadt Bochum, dem Land NRW und Anwohner*innen.

Die vorgesehene Baufläche wurde von der Stadt 1974 laut dem rechtkräftigen Bebauungsplan 60 zu einem Landschaftsschutz- und Aufforstungsgebiet erklärt, da die Schneise die Stadt mit Frischluft versorgt und der Park als Naherholungsgebiet dient. Aufgeforstet wurde bis jetzt nichts. Stattdessen soll die Fläche versiegelt werden und neue Gebäuden sollen auf dem Gebiet entstehen.
Die Menschen vor Ort organisieren sich seit der Bekanntmachung der Verhandlungen, um sich gegen das Bauvorhaben auszusprechen. Der Verein Freunde und Freundinnen des Stadtwalds Bochum e.V. setzt sich dafür ein, Böden vor Versiegelung und Bäume vor Rodung zu schützen. Einer ihrer Ansatzpunkte ist der ausgerufene Klimanotstand der Stadt, da der Klimawandel mit der Bodenqualität stark zusammenhängt. Sie stehen im engen Kontakt mit den städtischen Behörden und dem Rat und versuchen ihre Inhalte in der Lokalpolitik zu platzieren. Ihrem Antrag mit der Anregung, den Südpark zu erhalten, wurde vom Rat bereits stattgegeben. Wie die Stadt mit der Anregung umgeht, wird sich zeigen.
Aber nicht nur um den Erhalt des Schutzgebietes geht es den Betroffenen. Am angrenzenden Wohngebiet befindet sich der Kindergarten St. Marien, den unter anderem auch Kinder aus Krisengebieten besuchen. Die Pferde der Polizei müssen auf Einsätze bei Großveranstaltungen vorbereitet werden und somit kommt es zu gespielten Szenarien, in denen tagsüber auch Feuerwerkskörper und Schüsse genutzt werden.

Die Stadt Bochum äußerte sich zu der Thematik in soweit, dass sie das Bauvorhaben begrüße und sich darüber freue, wenn sich eine Landeseinrichtung in der Stadt niederlasse. Auch den Klimanotstand und das andauernde Bemühen der Betroffenen, das Bauvorhaben abzuwenden, sieht die Stadt nicht als Grund, sich gegen das Vorhaben des Landes zu stellen.

:Meike Vitzthum