Streit um Eskalation: Antifa-Aktion an der RUB löst Debatten aus
Outing schlägt mediale Wellen
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Nicht mehr zu gebrauchen: Was die Verwaltung der Uni nicht hat entfernen lassen, wurde von Unbekannten „zensiert“. Foto: koi
Nicht mehr zu gebrauchen: Was die Verwaltung der Uni nicht hat entfernen lassen, wurde von Unbekannten „zensiert“.

Eine Aufklärungsaktion der Antifa an der RUB eskalierte letzte Woche Montag und endete in einem Tumult. Die Aktion führte zu einer medialen Debatte darüber, ob die linken AktivistInnen Schuld an der Gewalt hätten. Der eigentliche Zweck, die Aufklärung über Neonazis an der Ruhr-Universität, ging dabei unter. Dabei war das Vorhaben schon von vornherein in seiner Form nicht unumstritten.

Am 2. Dezember betrat eine Gruppe antifaschistischer AktivistInnen als Nikoläuse verkleidet einen Hörsaal der Ruhr-Universität in der Bochumer Innenstadt und unterbrach eine Jura-Einführungsvorlesung. Die AktivistInnen wollten die Anwesenden darauf hinweisen, dass unter ihnen ein Rechtsextremist – Michael B., hochrangiges Mitglied der Partei Die Rechte und Betreiber der Seite anti­sem.­it – studiere. Dabei kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen AktivistInnen, Studierenden und dem Dozenten Prof. Georg Borges, bei denen der Professor und vier Studierende verletzt wurden. Die Polizei hatte vier Personen vorübergehend in Gewahrsam genommen, Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung dauern an.

Prügelprof oder guter Staatsbürger?

„Die Studierenden haben sehr gut reagiert“, sagte der Juraprofessor den „Ruhr Nachrichten“ – „sie sind sofort aufgesprungen und haben mir geholfen.“ Während das Rektorat der RUB das Handeln des Dozenten und der Studierenden als „Zivilcourage“ und „vorbildliches staatsbürgerliches Verhalten“ lobt, heißt es in einer Stellungnahme der Antifa: „Eskalation ging einseitig von Professor Borges aus“. Zur Bekräftigung dieser Position führen sie ein Video vom Vorfall an. Borges selbst bestreitet die Aussagekraft des Videos: „Der entscheidende Teil“ sei „auf der Aufnahme nicht zu erkennen“, zitiert  ­derwe­sten.de den Juristen am 6. Dezember. Seine aggressive Handlung sei eine Reaktion auf einen Schlag, den er zuvor selbst erlitten habe.

„‚BILD‘-Berichterstattung fokussiert falsch“

Eine objektive Beurteilung der Situation ist Außenstehenden anscheinend nicht möglich; die Polizei ermittelt. Dennoch lassen sich WAZ und WDR über die Frage nach der Schuld an der Eskalation aus. Die Revolutionäre Antifa Bochum – die nicht hinter der Aktion stecke – kritisiert, dass die WAZ „das Thema unnötig auf ‚Bild‘-Niveau drückt und so für populistische Inhalte sorgt“ und damit „AntifaschistInnen verunglimpft“. Damit werde „der Fokus der Debatte nach links“ gerichtet, „obwohl das Problem ganz eindeutig rechts“ sitze. Die reaktivierte Linke Liste an der RUB bedauert, dass damit „die Auseinandersetzung mit der Anwesenheit eines führenden Neonazis an der Ruhr-Universität in den Hintergrund rückt.“ Die Frage ist schließlich: Wie geht man mit Neonazis an der Uni um?

Gegen Nazis – aber wie?

Der AStA der RUB bezog am 3. Dezember klar Stellung gegen rechts, fügte aber hinzu: „Auch beim Kampf gegen rechts heiligt der Zweck keine Gewalt.“ Das Autonome FrauenLesbenReferat der RUB schließt sich dem AStA an, fordert aber „ein klares antifaschistisches Auftreten“ vonseiten der Uni. Das RUB-Rektorat wird für seine zurückhaltende Position zum Antifaschismus viel kritisiert – ein Tadel, den sich auch der Fachschaftsrat Jura einfangen musste. Seine erste Stellungnahme hat der FSR mittlerweile zurückgezogen und geändert. Einige Initiativen und Listen fordern eine klare Positionierung der RUB gegen rechts, gar eine Anti-Nazi-Aktion wie an der Uni Bielefeld in Form von offizieller Aufklärung und Keine-Nazis-Ansteckern – eine Forderung, die Konsenspotential hat.

Umstritten bleibt aber immer noch, in welcher Weise über Rechtsextremismus an der Uni aufgeklärt wird. Die Aktion im Hörsaal wurde begleitet von Plakaten und Flugblättern auf dem Campus, die Namen und Gesicht des rechten Studenten nannten bzw. zeigten. Weil dieses Vorgehen auch rechtlich umstritten ist, hat sich die :bsz-Redaktion entschieden, den vollen Namen des Rechtsextremisten nicht zu nennen. Die Debatte aber ist und bleibt wichtig, weswegen zwei Beiträge nachfolgend konträre Ansichten zum Thema gegenüberstellen (Pro und Contra).

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