Natur für alle
NRW denkt an Wälder
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Wald statt Kohle: Das Land NRW kümmer sich verantwortungsvoll um seine Grünflächen.
Wald statt Kohle: Das Land NRW kümmer sich verantwortungsvoll um seine Grünflächen

Kommentar. Die NRW-Landesregierung stellt ein Konzept für die Zukunft der Wälder auf. Wie sarkastisch.

Das Kohle-Land Nordrhein-Westfalen sorgt sich um die Wälder. Nicht jedoch etwa um Klimaschutz oder gar den Hambacher Wald, sondern um wirtschaftlich nutzbaren Wald, so genannten Forst. Der wirtschaftliche Nutzen der Wälder steht für die Marktradikalen und Wirtschaftsliberalen im Landtag also im Vordergrund. Von der Notwendigkeit intakter Ökosysteme für Klima, Fauna und Menschheit ist kaum etwas oder gar nichts zu vernehmen. Dabei sind die Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen zum Waldbaumbestand erschreckend: 78 Prozent des nordrhein-westfälischen Baumbestandes weisen eine deutliche oder schwache Kronenverlichtung auf, nur 22 Prozent verbleiben ohne diese Schäden. Die Gründe für den desolaten Zustand der heimischen Wälder sind vielfältig: Neben dem starken Wintersturm „Friederike“ im Januar sorgte auch der niederschlagarme und extrem warme Sommer für zahlreiche Schäden in heimischen Wäldern. Eine besondere Gefahr für die Fichtenpopulation – welche knapp ein Drittel des hiesigen Baumbestandes ausmacht – ist der Borkenkäfer.
 
Klimawandel

Besonders zynisch wird der Komplex der Waldschäden, wenn Umweltministerin Ursula Heinen-Esser den Klimawandel ins Spiel bringt. Statt auf die Notwendigkeit intakter Waldökosysteme für die Stabilisierung des Klimas und die Bindung von CO2 aus der Atmosphäre zu setzen, liegt das Augenmerk auf der wirtschaftlichen Nutzung. Dabei bleibt die Tatsache ungeachtet, dass ein Hektar Mischwald pro Jahr etwa 13 Tonnen  CO2 speichert. Zugegeben: verarbeitetes, nicht verfeuertes Holz, etwa als Baustoff, speichert das CO2 ebenfalls, doch besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang der massenweise Anbau von Fichten. Zwar speichert das Nadelholz etwa 0,7 Tonnen bei einer Höhe von 35 Metern, jedoch erreichen die Bäume diese Höhe erst nach 100 Jahren. Die Bäume werden jedoch meist nach 70-80 Jahren gefällt. Umso wichtiger sind gerade in einer forstwirtschaftlich so stark genutzten Region wie NRW alte, naturnahe Wälder, die ein notwendiger Bestandteil des
Klimaschutzes sind.           

  :Justin Mantoan