Schwierige Lebensrealität der Sinti und Roma in Dortmund
(Nicht) Willkommen in Deutschland?
Foto: Mbdortmund CC-BY-SA
Nordstadt als Hotspot: Gerade in der Mallinckrodtstraße und um den Nordmarkt sammeln sich EinwanderInnen aus Bulgarien und Rumänien.  Foto: Mbdortmund CC-BY-SA
Nordstadt als Hotspot: Gerade in der Mallinckrodtstraße und um den Nordmarkt sammeln sich EinwanderInnen aus Bulgarien und Rumänien.

Integration. Zwischen Willkür und Willkommenskultur: Wir haben mit Dortmunder Organisationen über Sinti und Roma in der Stadt gesprochen.

800 Euro für eine 110-Quadratmeter-Wohnung? So schon teuer genug. Doch statt der 110 sind es in der Realität nur 50 Quadratmeter. Nur ein Beispiel aus der langen Liste von Situationen, die Sinti und Roma in einer Stadt wie Dortmund erleben.  

7.977 BürgerInnen aus Rumänien und Bulgarien lebten laut Sachstandbericht Zuwanderung aus Osteuropa 2016 in Dortmund, was 1,3 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Die Roma, von denen viele aus der bulgarischen Stadt Plowdiw stammen, kommen aus „sehr diskriminierenden Armutslagen“, so Katrin Gattinger von „Willkommen Europa“, einer Anlaufstelle für Erstberatung. Viele stecken in einem Teufelskreis, ohne Einkommen und Sozialleistungen. Die Integration auf dem Arbeitsmarkt und Familie sind wichtige Punkte. Konkret begleiten die Beratenden die Ratsuchenden über Jobcoaching, Sprachkurse oder auch Anmeldungen für beispielsweise Kindergarten oder Schule. 

Antiziganismus? 

Neben der Arbeitssituation sorgen auch korrupte VermieterInnen und problematische Wohnbauten für Ärger. Laut Ali Sirin vom Planerladen e.V. leben viele Familien in Problemhäusern. Bei der Behördenarbeit stoßen gerade Roma auf Schwierigkeiten. So würden „manchmal Formulare gefordert, die es bei anderen [AntragstellerInnen, Anm. d. R.] nicht gibt“. Sirin spricht von „Behördenwillkür“. Vonseiten der Dortmunder Bevölkerung gebe es laut Gattinger „durchaus diskriminierende oder vorurteilsbehaftete Verhaltensweisen.“ 

Hoffnungsschimmer

Doch „es wird besser“, konstatiert Sirin. Neben städtischen Angeboten wie der Clearingstelle Gesundheit für Menschen ohne Krankenversicherung, „Willkommen in Europa“ oder „Initiativen in Richtung der Heimatländer“ (Unterstützung der Menschen in Plowdiw) bietet unter anderem Planerladen e. V. Leseabende oder Festivals, damit „die Aufnahmegesellschaft sensibilisiert“ wird, erklärt Gamze Çalişkan von der Migrationsberatungsstelle. Katrin Pinezki, Pressesprecherin der Stadt Dortmund, unterstreicht, dass „das Festival ’Djelem Djelem’ zeigt, dass Dortmund auch die kulturelle Bereicherung wahrnimmt, sichtbar macht und fördert.“

Doch: Es bleibt noch viel zu tun, bevor Sinti und Roma ohne Vorurteile in der Gesellschaft ankommen. 

:Andrea Lorenz

 

INFO:BOX

• Hinter Sinti und Roma verbergen sich zwei ethnische Minderheiten: Sinti aus West- und Mitteleuropa und Roma aus Südosteuropa. 

• Der Begriff des „Zigeuners“ stammt aus dem Spätmittelalter. Angehörige der Ethnie bezeichnen sich selbst nicht so. 
•  Momentan leben in Deutschland 70.000 Menschen, die der nationalen Minderheit der Sinti und Roma zugehören. 
•  Schon im 15. Jahrhundert kommt es zur Kriminalisierung und religiös-politischen Ausgrenzung.
• Bis 1933 waren Sinti und Roma ein integrierter und sesshafter Teil der Bevölkerung.  Dennoch wurden sie während des Nationalsozialismus verfolgt.  Insgesamt verloren 500.000 Menschen ihr Leben.
• Heutzutage sind Sinti und Roma die am meisten diskriminierte ethnische Minderheit in Europa.
• Institutionen wie der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma e. V. arbeiten gegen Rassismus gegen Sinti und Roma (Antiziganismus) und klären darüber auf. Weitere Informationen auch unter tinyurl.com/sintiundroma