Abgerissene und bekritzelte Plakate von RUB bekennt Farbe werfen Fragen auf
Nazi-Schmierereien auf dem Campus
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Die Plakate mit den Gesichtern sollten die Uni bunt machen: In der letzten Woche wurden einige beschmiert und abgerissen.	Foto: bent
Die Plakate mit den Gesichtern sollten die Uni bunt machen: In der letzten Woche wurden einige beschmiert und abgerissen.

Hakenkreuze auf Toiletten, rechte Parolen am GB-Vorlesungssaal oder Hitler-Schnurrbärte auf den Plakaten der RUB bekennt Farbe-Kampagne: Offensichtliche rechte Aktivitäten an der RUB sorgen für eine Diskussion, wie man mit rassistischen Ressentiments auf dem Campus umgehen soll. Auch das Kampagnenkonzept von RUB bekennt Farbe ist dabei ein Thema.

Der aktuelle Rechtsruck in der Gesellschaft scheint auch auf dem Campus der Ruhr-Uni angekommen zu sein. „Die rechten Parolen am GB-Gebäude zeigen, dass die Nationalisten an unserer Uni aktiver werden“, sagt Simon Hartmann von der Initiative RUB bekennt Farbe. Die Schmierereien am Vorlesungssaal wurden mittlerweile entfernt. Schon im Vorfeld war von rassistischen Aufklebern mit Rasierklingen darunter die Rede. Bestätigt werden konnte das von Seiten der RUB allerdings nicht.

Betroffen von rechten Umtrieben waren zuletzt auch einige der bunten Plakate von RUB bekennt Farbe, mit denen man auf dem Campus eigentlich ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen wollte. Wirklich gestört wurde die Kampagne dadurch aber nicht: „Ein paar Plakate wurden eben bekritzelt, einige offenbar mit großer Wut abgerissen“, wie der AStA-Referent ausführt: „Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht sicher, wie ich die bekritzelten Plakate deuten soll. Wenn mir jemand einen Schnurrbart aufmalt, aber meinen Slogan ‚Ich bin gegen Nazis‘ stehen lässt, ist das zumindest eines: unverständlich. Unsere Botschaft hingegen bleibt ja deutlich: Für Vielfalt, gegen Diskriminierung und insbesondere gegen Nazis.“

Kritiken der RUB bekennt Farbe Kampagne

Doch für eine kontroverse Diskussion sorgt auch das Konzept selbst. „Die Kampagne ist nett gemeint, und es ist besser, dass es sie gibt, als dass es sie nicht gibt. Aber sie ist relativ inhaltsleer“,  kritisiert Lucy Goldman von der Schwarzen Ruhr-Uni „Was genau wird denn damit transportiert? RUB bekennt Farbe allgemein setzt sich wenig mit den Ursachen von Faschismus und Menschenfeindlichkeit auseinander“.

Die anarchistische Gruppe reagierte unter anderem mit eigenen Satire-Plakaten. Viel mehr Inhalt transportierten diese allerdings auch nicht. „Als Karnevalist freue ich mich darüber. Denn das schönste Kompliment für die eigene Arbeit ist eine gute Parodie“, kommentiert Simon Hartmann. Die satirischen Poster sollten vor allem den Wunsch nach mehr antirassistischer Aktivität ausdrücken, wie es von Seiten der Schwarzen Ruhr-Uni heißt: „Angesichts von mehr als 1000 Angriffen auf Unterkünfte von Geflüchteten, darunter immer wieder auch lebensbedrohliche Brandanschläge, glauben wir, dass mehr getan werden muss als nur Gesicht zu zeigen.“

Das ist natürlich ein gesamtgesellschaftliches Problem. Unter Studierenden scheint es aber ein Gespür dafür zu geben: nach dem Rundgang „Bochum im Faschismus“ in der letzten Woche gibt es bereits jetzt schon eine große Nachfrage für weitere Stadtrundgang-Termine.

:Benjamin Trilling