Milo Raus „Das Kongo Tribunal“ läuft in Bochum
Multimedialer Meilenstein
Bild: Real Fiction
Ein Gerichtsverhör, das um die Welt geht: Milo Raus „Das Kongo Tribunal“. Bild: Real Fiction
Ein Gerichtsverhör, das um die Welt geht: Milo Raus „Das Kongo Tribunal“.

Film. Theatermacher Milo Rau macht in „Das Kongo Tribunal“ den Verantwortlichen von Ausbeutung und Krieg den Prozess.

Es ist dieses Raunen, das als Reaktion auf so manche ZeugInnen-Aussagen durchs Publikum im Gerichtssaal geht, das Milo Raus „ Das Kongo Tribunal“ zu einer Sternstunde des engagierten Dokumentarkinos macht. Etwa als der Minister der Zentralregierung in Kinshasa befragt wird. Über die Konkurrenzkämpfe um die Ressourcen, die im Kongo toben. Zwischen China, den USA oder Europa. Und als dieser Minister mit dem Hinweis auf die Sicherheitspolitik nicht damit herausrücken will, welche Gruppen noch in dieser Region Gold abbauen, geht dieses besagte Murmeln los.

Eine Sternstunde – das ist schon deswegen nicht übertrieben, weil keine der mächtigen Institutionen wirklich aufgearbeitet hat, wie es im Kongo als Schauplatz von Verteilungskriegen zwischen den Global Players zu fast sieben Millionen Toten in den letzten 20 Jahren kam. Weder die UNO noch Europa. Das aufzuklären und die Schuldigen, wenn auch nur symbolisch anzuklagen, das nimmt sich Milo Rau in seinem Dokumentarfilm vor. Drei verschiedene Fälle des Kongo-Krieges werden im fiktiven Prozess behandelt. Opfer und TäterInnen, ZeugInnen und ExpertInnen treten in den Zeugenstand.

Zusätzliches Webformat 

Transmedial – das wäre das andere Attribut, das Raus Projekt beschreibt. Denn „Das Kongo Tribunal“ ist nicht nur zugleich Theaterinszenierung und Dokumentarfilm. In einem zusätzlichen Webformat soll ein digitaler Raum mit Fakten und Erfahrungsberichten denjenigen interaktiv eröffnet werden, die nicht zum klassischen Theater- und Kinopublikum gehören.

Dass in Milo Raus Schlussplädoyer, in dem er von einem symbolischen Tribunal spricht, das seine politische Legitimation erst in der Zukunft habe und nichts als der Wahrheit dient, auch ordentlich Pathos mitschwingt, sei da verziehen. Schließlich hat das Projekt, wie es im Abspann heißt, bereits gesellschaftliche Folgen nach sich gezogen. So sind etwa einige kongolesische Regierungsvertreter aufgrund des öffentlichen Drucks entlassen worden. Es gibt wenige Dokumentarfilme, die das von sich behaupten können.

„Das Kongo Tribunal“ wird am 11. Dezember in Kooperation mit der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum im endstation.kino gezeigt.        

:Benjamin Trilling