Das war BochumTotal
Mit Pauken, Trompeten und Handschellen
Bild: Alexander Schnreider
700.000 pilgerten zum größten deutschen kostenlosen Festival: Vier Tage Musik, Poesie, Tanz und mehr. Bild: Alexander Schnreider
700.000 pilgerten zum größten deutschen kostenlosen Festival: Vier Tage Musik, Poesie, Tanz und mehr.

Musik. Angesagte Bands wie Meute oder MIA. bei bestem Wetter: Rund 700.000 Gäste strömten zum viertägigen Festival Bochum Total. Nur ein Polizeieinsatz nach dem Auftritt von Radio Havanna überschattete am Samstag das Fest.

Geduldig in die Knie, bis der Einsatz kommt. Und dann wird gezappelt zu den Beats, Pauken und Trompeten von Meute. Beim Festival-Finale am Sonntagabend verwandelt die Techno-Marching-Band mit ihrem unverkennbaren Mix aus Club- und Blasmusik die Kreuzung Südring/Viktoriastraße zu einer pulsierenden Tanzfläche. 

Ein Bild, das es an diesen vier Partytagen öfter gab: Von Donnerstag (19. Juli) bis zum Sonntag (22. Juli) verwandelte sich die Bochumer Innenstadt rund ums Bermuda3Eck bei bestem Wetter in ein buntes Menschenmeer. Die verschiedenen Freilichtbühnen boten Live-Acts aus Pop und Rock, Poetry-Slam oder Open Air Kino. Die Bilanz: 120 Auftritte, 700.000 Besucher*innen.

Doch so harmonisch verlief es nicht immer: Der Auftritt der Punkband Radio Havanna zog am Samstagabend einen Polizeieinsatz nach sich. Radio Havanna gewährte Antifa-Aktivist*innen, die Bühne für Protest gegen die Politik der AfD und Seehofer zu nutzen. Dafür hielten sie ein Transparent hoch. Auch ein Bengalisches Feuer wurde auf der Bühne gezündet – eine geplante Aktion, wie Bandmitglied Oliver Arnold im Gespräch mit der :bsz untermauert: „Wir haben das mit denen abgesprochen und fanden das auch cool.“ Die Polizei nahm die Aktivist*innen in Gewahrsam, ließ sie aber später wieder frei. Aktuell laufen Ermittlungen gegen weitere zwei Personen, die im Publikum waren. Ihnen wird ein Verstoß gegen das Versammlungs- und Sprengstoffgesetz zur Last gelegt. Die Betroffenen waren allerdings nicht in die Aktion von Radio Havanna eingebunden. „Das waren ganz andere Leute, mit denen hatten wir nichts zu tun gehabt“, stellt Arnold klar. 

Bengalisches Feuer und Transparente: Die Bühne wird von der Band Radio Havanna für politischen Protest freigegeben. Bild: Alexander Schnreider

"Schade für das Festival"

Politisches Engagement gehört bereits seit Jahren zum Selbstverständnis der Band: 2011 organisierten die Berliner etwa ein Benefizkonzert zugunsten der Initiative „Kein Bock auf Nazis“ oder setzten sich für die Freilassung von inhaftierten Mitglieder der Band Pussy Riot ein. 

Nach ihrem Auftritt in Bochum meldet sich jedoch die Polizei bei ihnen. „Sie hat uns nach dem Konzert mitgeteilt, dass sie die Leute festgenommen hat“, sagt Arnold. Von schweren Verletzungen habe er schließlich gehört. Umso verärgerter ist der Gitarrist wegen der Festnahmen: „Das ist doch quatsch. Wir haben sie ja sogar anmoderiert“, so Arnold. „Das ist an den Haaren herbei gezogen und schade für das Festival“.

:Benjamin Trilling