In Zeiten von Tröglitz, Pegida & Co.: Junge FilmemacherInnen setzen sich für Zufluchtsuchende ein
Mit den Augen der Geflüchteten
Foto: COCKTAILfilms, Cagdas Yüksel
Gesichter, die Medien selten zeigen: Der Film „Asyland“ porträtiert Geflüchtete als Menschen wie wir. Foto: COCKTAILfilms, Cagdas Yüksel
Gesichter, die Medien selten zeigen: Der Film „Asyland“ porträtiert Geflüchtete als Menschen wie wir.

Neo-Nazis zünden Geflüchtetenheime an, im Mittelmeer kentern Schiffe voller Schutzsuchender – obwohl wir täglich von solchen Schreckensmeldungen umgeben sind, bleiben die Betroffenen meist gesichtslos. Eine Gruppe junger FilmemacherInnen will das ändern und Geflüchtete im Film „Asyland“  zu Wort kommen.

 „Wir wollen die Geschichte von Flüchtlingen aus einer völlig neuen Perspektive erzählen – ihrer eigenen“, heißt es auf der Homepage des Filmprojekts. Tatsächlich fehlt bei Berichten über Geflüchtete oft vor allem eine Stimme: die der Geflüchteten selbst. Ein Paradox, das dazu führt, dass etwa die Menschen in den Geflüchtetenheimen ihren einheimischen NachbarInnen oft völlig fremd sind. Hier tut sich eine Kluft auf, die schnell von rechtsextremen Gruppierungen ausgenutzt wird. Deshalb ist es für Cagdas Yüksel, Kölner Student und Leiter des mittlerweile zwölfköpfigen Asyland-Filmteams so wichtig, Geflüchtete vor allem als Menschen darzustellen, die eine Geschichte zu erzählen haben: „Da spielen Faktoren wie das Alter, Geschlecht oder die Herkunft keine Rolle“, so der junge Filmemacher

Das Asyland-Filmteam – professionell, aber unabhängig

Sein Team, das sind zwölf junge Menschen aus ganz Deutschland. Die meisten davon hat Cagdas Yüksel, der gemeinsam mit seiner Schwester die Idee für das Projekt entwickelt hat, über private Kontakte kennengelernt. So sind neben den beiden Geschwistern auch drei Cousins und Cousinen und vier KommilitonInnen aus Köln dabei. Einen weiteren Filmjournalisten, den 19. jährigen Niklas Faralisch, hat Cagdas Yüksel auf einer Veranstaltung der Jugendpresse Deutschland, einem Verein zur Unterstützung junger MedienmacherInnen, kennengelernt.

Einen solchen Unterstützer zu haben ist für das Filmteam besonders wichtig, denn hinter „Asyland“ steht keine große Produktionsfirma. Schließlich will das Team bei seinen Recherchen in Geflüchtetenheimen oder bei Interviews (etwa mit Aydan Özoguz, Beauftragte der Bundesregierung für Integration, Flüchtlinge und Migration), möglichst unabhängig arbeiten. Daher hat sich Cagdas Yüksel für eine Finanzierung seines Projekts – via Crowdfunding entschieden – und kann sich schon jetzt über Erfolg freuen: „Hunderte von interessierten Menschen haben sich dazu entschlossen, unser Projekt zu unterstützen. Zu sehen, dass dieses Projekt Anklang findet, ist das größte Geschenk, das wir bekommen konnten.“

Empathie? Leider häufig Fehlanzeige

Das Interesse an der Perspektive der Geflüchteten scheint also vorhanden zu sein – Zeit, sich in die Dreharbeiten zu stürzen. Das Projekt Asyland ist auf Facebook vertreten, wo UnterstützerInnen auf Einblicke hinter die Kulissen hoffen dürfen. Im August soll der Film dann in einem Kölner Kino seine Premiere feiern und anschließend auf Deutschlandtour gehen – mit einer Botschaft, die hochaktuell erscheint und gleichzeitig für Filmemacherin Dilara Sengöz die Motivation zur Teilnahme am Projekt darstellt: „Sehen und verstehen, wie es anderen geht – für die meisten nicht so einfach, wie das klingt.“
 

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