Vorerst keine Zulassungsbeschränkung fürs Lehramt – Rückzieher wegen neuer Rechtslage
Meisterhafte Entscheidungsvermeidung
Karikatur: joop
Keine Kapazitätsprobleme mehr im Lehramtsstudium: Mit einfachen Maßnahmen gehören Raumknappheit und Zeitdruck bald der Vergangenheit an. Karikatur: joop
Keine Kapazitätsprobleme mehr im Lehramtsstudium: Mit einfachen Maßnahmen gehören Raumknappheit und Zeitdruck bald der Vergangenheit an.

Die Professional School of Education hat im letzten Moment die eigenen Pläne kassiert, den Zugang zum Master of Education zu beschränken – ohne jedoch darüber abzustimmen. Ausschlaggebend war dabei weniger die Kritik der Studierenden als eine neue Rechtslage.

Es ging um sehr viel, denn im Dezember letzten Jahres hatte das School Board der Professional School of Education (PSE) ein Modell verabschiedet, das vorsah, dass ab dem Wintersemester 2014/15 die Fachnoten des Bachelorabschlusses über die Zulassung zum M.Ed.-Studiengang entscheiden sollten. Die für das School-Board-Meeting am 28. Januar anstehende Abstimmung hätte im Fall einer Verabschiedung des Modells für zahlreiche Studierende das Ende des Berufsziels Lehramt bedeutet.

Das Interesse der Studierenden war entsprechend groß, nicht zuletzt aufgrund der Mobilisierung einiger Fachschaften auf dem Campus und im Internet. So wurde die Sitzung in den vorsorglich gebuchten Hörsaal HGA 30 verlegt, der jedoch ebenfalls zu klein war; Studierende saßen und standen im Eingangsbereich und in den Aufgängen. Das AStA-Referat für Hochschulpolitik zeigt sich mit einer BesucherInnenzahl von geschätzt 150 zufrieden: „Die Studierenden haben heute ein eindrucksvolles Zeichen gegen Zugangshürden zum Master gesetzt und deutlich gemacht, dass bei einer erneuten Aufnahme des Punktes auf der Tagesordnung des School Board mit erheblichem Widerstand zu rechnen ist.

Den Tagesordnungspunkt zu den geplanten Zulassungsbeschränkungen nutzte der Dean (der Dekan des PSE hat eine englische Amtsbezeichnung) der PSE, Prof. Dr. Peter Drewek, um diese noch einmal zu erläutern. Dabei ging er auf die Kritik der letzten Wochen ein. Den Vorwurf, nicht ausreichend informiert zu haben, wies er zurück. Die geplanten fachspezifischen Zugangsnoten zwischen 1,7 und 3,5 seien zudem nicht so rigide wie befürchtet, verteidigte der Dean das Beschränkungsmodell und bezog sich unter anderem auf eine nicht zu bewältigende Zahl von Studierenden. Andererseits war Dreweks Verweis auf die Beschwerden von Fachschaftsräten und 30 bis 40 einzelnen Studierenden sowie die Würdigung des Einsatzes der studentischen Mitglieder des School Boards ein deutliches Indiz dafür, dass der Protest der Studierenden seine Wirkung nicht verfehlt hatte.

„Die studentische Mobilisierung war garantiert ein Faktor für die Art und Weise, wie die Entscheidung am Dienstag präsentiert wurde“, meint dazu Gerry Hellwig vom Fachschaftsrat Master of Education, der dem School Board als studentischer Vertreter angehört.

Urteil schafft neue Fakten

Im Kern war Dreweks Erklärung eine juristische. Im Dezember hatte das Verwaltungsgericht Osnabrück einer Studentin Recht gegeben, die gegen eine den PSE-Plänen ähnelnde Zulassungsbeschränkung zum M.Ed. geklagt hatte. Die Entscheidung im Berufungsverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg müsse zwar erst abgewartet werden; dennoch sprach Drewek wegen der neuen Rechtslage dem School Board die Empfehlung aus, die Beschränkungen nicht zu beschließen.
Den folgenden Jubel konterkarierte Drewek mit der Sorge um die Studienqualität. Mit drei Lehrstühlen seien die Kapazitäten der Erziehungswissenschaften begrenzt.

„So sehr Sie sich freuen, dass Sie zugelassen werden, Sie können sich nicht darauf freuen, in zu vollen Seminaren zu sitzen“, so Drewek. Die mangelnde Qualität könne das Studium sogar verlängern, warnte er.

Abstimmen, um nicht abzustimmen

Kurz vor dem lang erwarteten Votum begann eine Diskussion innerhalb des School Boards darüber, die Abstimmung nachträglich von der Tagesordnung zu streichen. Der Einwand, das Board führe sich mit einer Ablehnung der eigenen Beschlüsse ad absurdum, spiegelte die Mehrheitsmeinung wider. Mit neun Ja-Stimmen gegen zwei Nein-Stimmen der studentischen VertreterInnen bei einer Enthaltung stimmte das School Board gegen eine Abstimmung. Dass damit der Anlass für das große Publikumsinteresse quasi nie existiert hatte, wirkte aber ebenfalls absurd.

Studierendenvertreter Hellwig hat wegen des schwierigen Entstehungsprozesses des geplanten Modells Verständnis für die Entscheidung.

„Jetzt in der letzten Sitzung dagegen zu stimmen wäre unter Einbezug der bisherigen Beschlusslage eine komplette 180-Grad-Wende gewesen, die ein Großteil des School Boards anscheinend nicht vollziehen wollte“, sagt er.

Dieses Votum halte er aber wegen des Gerichtsurteils für ausreichend, da dieses sich explizit auf das Grundgesetz berufe. „Sollte das Berufungsgericht nicht einen großen Argumentationsfehler im Osnabrücker Urteil sehen, gehe ich nicht davon aus, dass die nächste Instanz das Urteil widerrufen wird.“ In einem solchen Fall würden sich die Fachschaftsräte aber ebenso wehren wie sie es bei einer Verabschiedung der Zugangsbeschränkungen getan hätten.