Stand Up!
Master of Stand-up Comedy – Wie Richard Pryor alles veränderte
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Richard Pryor Live in Concert: ein ganz heißer Anspieltipp! Bild: fufu
Richard Pryor Live in Concert: ein ganz heißer Anspieltipp!

Geschichte. Stand-up Comedy wäre nicht das, was sie heute ist, ohne den Mann, der sich traute gesellschaftliche Probleme und Ungerechtigkeiten beim Namen zu nennen.

Richard Franklin Thomas Pryor war ein afroamerikanischer Schauspieler, Comedian und Autor der auch 15 Jahre nach seinem Tod noch immer als einer der wichtigsten und einflussreichsten Stand-up Comedians aller Zeiten gilt. Nach wie vor taucht sein Name auf so ziemlich jeder Liste der größten Comedians auf und belegt dabei häufig sogar den ersten Platz, wie beispielsweise im Rolling Stone Magazin im Jahr 2017. Doch was machte Pryor so einzigartig? Richard Pryor hatte den Drang und vor allem ein riesiges Talent dafür, Missstände durch Humor aufzuzeigen. Allerdings noch nicht gleich zu Beginn seiner Karriere. Er begann in den frühen 60er Jahren mit Stand-up Comedy, zunächst jedoch mit leicht zugänglichen Inhalten, nach dem Vorbild von Bill Cosby, die als wenig kontrovers für das Publikum galten. Er konnte damit einige Erfolge erzielen, trat in Sendungen wie The Ed Sullivan Show oder The Tonight Show with Johnny Carson auf und wurde mit seinem Programm schnell zu einem erfolgreichen Comedian.
Eines Abends konnte er jedoch nicht weiter die Illusion aufrechterhalten, dass das Leben ein bunter Ponyhof ist. Bei einem Auftritt im September des Jahres 1967 stand Pryor vor ausverkauftem Haus im Aladdin Hotel in Las Vegas, betrat die Bühne, äußerte den Satz „What the fuck am I doing here?!“ und verließ sie daraufhin wieder. Er nannte dies in einer späteren Autobiographie eine „Erleuchtung“. Pryor arbeitete danach an neuem Material, in welches er persönliche Probleme, Sozialkritik und Profanität einbaute und wagte einen Schritt, den sich Mainstream Stand-up Comedians bis dato nur selten getraut hatten: Er erzählte die Wahrheit. Er berichtete über Alltagsrassismus, Polizeigewalt, Drogenmissbrauch, Politik, von dem Aufwachsen im Bordell seiner Großmutter und nahm kein Blatt vor den Mund. Er tat dies immer auf eine clevere Art und Weise und mit einem selbstsicheren Augenzwinkern.

Pryor ebnete den Weg für Comedians wie Eddie Murphy, Robin Williams oder Paul Mooney, der sogar seinen ersten Job als professioneller Autor für Pryor fand. Ebenso war Pryor das große Idol von Dave Chappelle, der für viele Menschen die in den 2000ern viel Zeit vor dem Fernseher – oder genauer zu sein vor dem Sender MTV – verbracht haben, ganz klar ein bekannter Name ist. Chappelle’s Show war eine der erfolgreichsten Comedy-Sketchshow-Formate der amerikanischen Fernsehgeschichte und beschäftigte sich mit der Beziehung der weißen und afroamerikanischen Gesellschaft in Amerika. Chappelle machte nie einen großen Hehl daraus, dass Pryor sein größter und wichtigster Einfluss war. Das Modell der Chappelle Show basierte sogar auf einer ähnlichen Sendung, die Pryor geschaffen hatte („The Richard Pryor Show“), die nach einer Staffel mit nur vier Folgen leider abgesetzt wurde, weil sie für das Publikum im Jahr 1977 doch etwas zu kontrovers und seiner Zeit voraus war. Darüber hinaus gewann Pryor fünf Grammys, einen Emmy, zwei American Academy of Humor Awards, den allerersten Kennedy Center Mark Twain Prize for American Humor und wirkte in mehreren Hollywood-Filmen mit. Da er auch ein starker Vertreter für den Tierschutz war, verleiht PETA in seinem Namen sogar einen Preis für besondere Leistungen zum Schutz von leidenden Tieren. Im Jahr 2005 verstarb Pryor im Alter von 65 Jahren an einem Herzinfarkt, doch sein Wirken in der Welt der Stand-up Comedy bleibt unvergessen. Eines seiner legendärsten Sets „Richard Pryor – Live in Concert“ findet Ihr zurzeit sogar auf Netflix in einer HD-Remastered Version.

:Christian Feras Kaddoura