Hypekultur
Massenhaft Games
Bild: fufu
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Kommentar. Auf der gamescom kann man vieles sehen – man muss es nur wollen.

Stundenlange Schlangen, sich die Beine in den Bauch stehen, Lärmbelästigung von allen Seiten, Gruppenkuscheln auf den Gängen. Das ist die gamescom. Darum schätzen und verfluchen wir sie. Und was hat man davon am Ende? Ach, doch nur eine kurze Videopräsentation, durchgekleistert mit PR-Buzzwords, scheinbar tollen Spielelementen, die dann im fertigen Game garnicht so cool sind, wie eigentlich gedacht und das Gefühl, zwei bis vier Stunden Zeit sinnlos verbracht zu haben. So beispielsweise bei den Hypetiteln Cyberpunk 2077 und The Outer Worlds. Letzteres ist sogar trotz eines Releases in ein paar Monaten nicht anspielbar, für gewöhnlich ein schlechtes Zeichen. Und dann wäre da noch Borderlands 3: Ein Spiel, dass in weniger als einem Monat erscheint, für das die Massen der Gamer*innen aber trotzdem anstehen.
Es ist wie jedes Jahr – die Massen der Spieler*innen verfallen dem Hype. Durch Marketingabteilungen aufpolierte Spiele, die Wunschträume versprechen, die sie nicht einhalten können. Etwas, das für fünf Minuten cool aussieht, kann auf 50 oder auch nur 10 Stunden verteilt schon ganz anders wirken. Dabei gibt es auf der gamescom unglaublich viel zu entdecken, von dem man ansonsten nie gehört hätte oder Erfahrungen machen, die man hinter dem eigenen Bildschirm nicht so einfach serviert kriegt. Beispielsweise die Erfahrung, an einem alten (oder neuen!) Arcadeautomaten zu zocken. Oder die Möglichkeit, sich von einem kleinen Projekt begeistern oder auch nur interessieren zu lassen, wenn man einfach durch die Hallen schlendert, einen freien Platz an einer Anspielstation sichtet und sich von etwas unbekanntem einnehmen lässt. Meist steht dann noch einer der Entwickler*innen dabei und beantwortet abseits von PR-Zwängen Fragen, nimmt Kritik an und erklärt die Hintergründe, Entscheidungen und vielen Gedanken, die in die Erschaffung eines so komplexen Mediums wie einem Videospiel fließen. Vielleicht ist dann auch nur noch wenig Zeit für anderes – da man versinken kann, anstatt Zeit zu versenken.   

:Stefan Moll

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