Kein Pokémon, aber Schwert und Schild!
Lustiges Mittelalter – Der Iwein im Musischen Zentrum
Bild: fufu
Schwerter, Rüstungen und Showkämpfe: Für das Ritterherz gab es vergangenes Wochenende alles im MZ.

Theater. In unserer letzten Ausgabe haben wir schon mit Martin Wilke über sein Stück gesprochen, nun wurde es vergangenes Wochenende im MZ aufgeführt.

Ein Held wie er im Buche steht, zieht in die große weite Welt, um ein Abenteuer zu erleben. Er gewinnt Turniere, erobert Herzen, bezwingt Drachen und kämpft an der Seite einer Löwin. Dabei kommt er natürlich das ein oder andere Mal von seinem Weg ab, aber was wäre eine Heldenreise ohne Umwege? Im Musischen Zentrum machte diese Reise zumindest am vergangenen Wochenende eine Menge Spaß!

Ein Mittelalter-Epos, das sich in der im Musischen Zentrum (MZ) aufgeführten Fassung nicht zu ernst nimmt und so immer wieder den gelegentlichen witzigen Spruch in Petto hat. Die Idee besteht seit Herbst 2018, wie uns Martin Wilke (:bsz 1235) bereits aufklärte. Und man merkte, wie viel Liebe und Mühe in dieser Produktion steckte. Die Schwertkämpfe wurden gemeinsam mit der Schwertkampfgruppe der TVG Steele erarbeitet, einer Gruppe von historischen Fechtern und Schwertkämpfern, zu denen auch Regisseur Wilke gehört. Mehrere Showkämpfe, bei denen die Schwerter gehörig aufeinander knallten, versorgten den mittelalterlichen Text (von ca. 1200) auch heute noch mit Action. Schauspielerisch wurde sich eher amüsiert: Iwein (Constantin Mianowski) wirkte in vielen Teilen sympathisch verpeilt, Keie, der Ritter mit der scharfen Zunge (Alex Dohle), lockerte die Szenen durch seine Untugendhaftigkeit auf und der Waldmensch (Yannis Deden) brach so sehr die vierte Wand, dass man gar nicht anders konnte, als mit ihm zu lachen. Auf der Bühne wanderte ebenso immer wieder der Iwein-Dichter Hartmann von Aue (Kilian Stargadsky) ein und aus, während er die Geschichte erzählte, sie aber auch stellenweise beeinflusste.
Gute Zwei Stunden verbrachte man mit Rittern, Burgdamen, Löw*innen und Hartmann von Aue im MZ. Währenddessen gab es bei den Zuschauer*innen viel Spaß und Begeisterung, bei der man nicht das Gefühl hatte, dass der Stoff eingerostet sei. Das liegt natürlich auch an der Modernisierung, die durch Wilke und sein Team erarbeitet wurde. So reist man doch am liebsten in die Vergangenheit: funny.

:Christian Feras Kaddoura