Tanzkollektiv diskutiert Gerechtigkeit während Performance
Let me dance with you
Foto: Sylke Feldberg
dorsidean in Aktion: Der Zufall bestimmt, in welcher Reihenfolge die Experimente im Rahmen der Performance stattfinden. Foto: Sylke Feldberg
dorsidean in Aktion: Der Zufall bestimmt, in welcher Reihenfolge die Experimente im Rahmen der Performance stattfinden.

Performance. Wer entscheidet, was Tanz ist? Das Kollektiv dorisdean geht dem in der Tanzperfomance „Haltung, bitte“ nach.

Zwei Tafeln. Acht Menschen auf der Bühne, davon sechs Mitglieder des Kollektivs dorisdean, zwei professionelle Tanzende. Die Spielregeln: In maximal 25 Experimenten die Fragen klären, was Tanz ist, wer tanzen darf und wie ein tanzender Körper aussehen muss. 

Mit „Haltung, bitte“ stellen dorisdean erneut Gerechtigkeit in den Fokus ihrer Arbeit – das Projekt entstand 2015 in Kooperation mit der Ballettsparte des Theater Hagen. Zwei TänzerInnen des Theaters erarbeiteten mit dem Ensemble die Experimente, führten einen intensiven Erfahrungsaustausch. 

Klartext reden

„Wir wollen nicht agitieren“, stellt die Gründerin der mixed-abled-Gruppe, Miriam Michel, klar. Man müsse aber über Themen reden, auch wenn niemand Bock hat, an das Schlechte der Welt erinnert zu werden. Themen wie Gerechtigkeit. Doch wie nimmt man eben nicht die Rolle des Belehrenden an? Kübra, die seit 2011 Teil des Ensembles ist, das in seiner ersten Phase bereits 2006 aus einem Duo hervorgegangen ist, erklärt das Konzept der dorisdean-Performances so: „Wir schaffen einfach Situationen, die diese Themen beinhalten.“ Die Performances haben einen soziologischen Ansatz: Die Beobachtung der GästInnen, des Menschseins, der Gruppendynamiken interessiere die Mitglieder, deren gemeinsamer Grundsatz der Humanismus sei. 

Partizipation des Einzelnen

In „Hypergamie“ beispielsweise wurden die Zuschauenden Teil der Performance, indem sie die geladenen GästInnen eines Brautpaares darstellten, das heiraten sollte. Die FreundInnen der Braut erhielten Abweichungen wie die Braut selbst sie hat. Laut Michel spiele das Kollektiv mit Klischees: „Behinderte hätten eh nur behinderte Freunde.“ 

Das grundsätzliche Credo der Gruppe wird mit jedem Projekt verfolgt: „Wir wissen sehr bedingt, wie die Realität ist. Wir sind nie Experten und wir sind uns bewusst, dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit hat.“        

 :Andrea Lorenz

ZEIT:PUNKT

• Samstag, 22. April, 20 Uhr. 

Zeche 1, Bochum. Eintritt 10 Euro, erm. 6 Euro. Reservierungen unter:

tickets@dorisdean.de