„Das Internat“ im Theater Dortmund
Kreislauf der Macht
Foto-Quelle: Birgit Hupfeld
Zeitlose Reflexion über Macht und Gewalt: Ersan Mondtags Inszenierung in Dortmund. Foto-Quelle: Birgit Hupfeld
Zeitlose Reflexion über Macht und Gewalt: Ersan Mondtags Inszenierung in Dortmund.

Theater. Archaisch und romantisch: „Das Internat“ von Alexander Kerlin und Regie-Shootingstar Ersan Mondtag im Schauspiel Dortmund.

Um die Wiederkehr des Gleichen kreisten bereits die Stücke „Das goldene Zeitalter“ oder „Die Borderline Prozession“, mit denen Regisseur und Intendant Kay Voges sowie Dramaturg Alexander Kerlin dem Theater Dortmund Bühnenerfolge bescherten. Diese Wiederholungsstruktur alltäglicher Rituale findet sich auch in der Inszenierung von „Das Internat“: vom erschöpfenden Lernen bis zum mechanischen Löffeln am gemeinsamen Esstisch.

Erstmals führte dabei der Shootingstar des Gegenwartstheaters Ersan Mondtag in Dortmund Regie und verpasste der Inszenierung seine  Handschrift: Mit der manieristischen Garderobe wie etwa den Anzügen, in denen die SchauspielerInnen nackt erscheinen als wären sie gemalt. Genauso wie der Bilderreigen, mit dem Mondtag assoziativem Spielraum lässt. Dafür sorgt das vom ihm selbst entworfene Bühnenbild: Die düsteren Internatsmauern erinnern an die expressionistischen Kulissen aus den Filmen von Robert Wiene oder Fritz Lang. 

Zeitloser Kosmos aus Konformität 

Dass die Drehbühne permanent in Bewegung ist, visualisiert die Wiederholungsstruktur des Stücks, das lose an William Goldings „Der Herr der Fliegen“ angelehnt ist. Zumindest sind die LehrerInnen in diesem Internat abwesend. Was von den SchülerInnen hier selbst reguliert wird, das ist ein zeitloser Kosmos aus Konformität,  Hierarchie und Gewalt. Ohne Entrinnen, wie die auf der Leinwand projizierten Szenen von Straßenschlachten und Übergriffen in U-Bahn-Stationen illustrieren. 

Spätestens wenn der Chor der Kinder Joseph von Eichendorffs „Zwielicht“ rezitiert, dann erscheint dieses repetitive Treiben unwirklich und brutal zugleich: Ein Schauder-Stück über Macht und Gewalt. Archaisch und romantisch zugleich. „Die Kunst erkennt man daran, dass sie ewig ist“, sagen die SchülerInnen an einer Stelle auf. Zeitlos wirkt auch diese Inszenierung von Ersan Mondtag. Als düstere Meditation über den Kreislauf der Macht.

:Benjamin Trilling

Zeit:Punkt

Die nächsten Vorstellungen von „Das Internat“ sind am 10. und 11. März.