Transgender: Dänemark beendet Stigmatisierung
Kommentar: Krankheit oder Identität?
Transgender: Nicht nur männlich und weiblich, sondern alle Genderidentitäten sollten als normal gelten.
Transgender: Nicht nur männlich und weiblich, sondern alle Genderidentitäten sollten als normal gelten.

Im falschen Körper geboren – wie krank ist das denn? Gar nicht, sagen die DänInnen und stufen Transgender seit dem 1. Januar offiziell nicht mehr als psychische Krankheit ein. Ein wichtiger Schritt, den Dänemark als erstes Land getan hat – wann folgen wir?

Transgender sind Menschen, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren können und ihr soziales Geschlecht (Gender) unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild leben wollen. Wer die eigene Identität nicht im Körper gespiegelt sieht, hat mit vielen Herausforderungen zu kämpfen.

Muss man das behandeln?

Gesellschaftliche Akzeptanz ist bei jeder Abweichung von der „Norm“ ein heikles Thema. Pathologisiert man das Ganze, definiert legitime Empfindungen als krankhaft, so gießt man nur Öl ins Feuer. Zum Vergleich: Früher hieß es auch, Homosexuelle wären wahlweise kriminell oder geisteskrank (noch bis 1992). Heute wissen wir, dass sexuelle Orientierung eine Facette der menschlichen Identität ist und keine Diagnose.

Im Grundgesetz steht, dass niemand „wegen seines Geschlechtes“ – und damit der eigenen Identität – „benachteiligt oder bevorzugt werden“ darf. Wie kann es dann sein, dass man Transmenschen in Deutschland immer noch eine Persönlichkeitsstörung – genauer: Geschlechtsidentitätsstörung – attestiert? Vielleicht, weil man eine Krankheit behandeln kann, den „Betroffenen“ eine Angleichung an das gewünschte Geschlecht ermöglichen kann? Um sich einer hormonellen oder operativen Behandlung zu unterziehen, muss man allerdings viele (bürokratische) Hürden überwinden: Nicht zuletzt muss eben die richtige Diagnose von psychologischen ExpertInnen gestellt werden, bevor Krankenkasse und MedizinerInnen mitspielen.

Andererseits können kosmetische operative Eingriffe zum Teil von der Krankenkasse übernommen werden, sofern anderweitig erhebliche psychische Beeinträchtigungen bestehen. Da sollte es auch möglich sein, jemandem beim Angleichen der Geschlechtsidentität zu assistieren, ohne die Person als psychisch krank abstempeln zu müssen. Dänemark macht es uns vor – wann machen wir es nach?

:Stefanie Lux

Autor(in):