Studie zur Verhütungsspritze für Männer abgebrochen
Kommentar: Immer diese Nebenwirkungen
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Spaß mit der Medizin: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Packungsbeilage und lesen Sie Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin oder ApothekerIn aus der Hand. Foto: Public Domain
Spaß mit der Medizin: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Packungsbeilage und lesen Sie Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin oder ApothekerIn aus der Hand.

Hormonelle Verhütung für Männer lässt weiter auf sich warten. Der (angebliche) Grund: Sie kommen mit den Nebenwirkungen nicht klar. Ein Aufschrei ging durch die Medien: Sind Männer Mimosen, die nicht mal ein bisschen Akne und Stimmungsschwankungen abkönnen? So einfach ist es allerdings dann doch nicht – Schuld ist vielmehr die Bürokratie.

Seit den 1960er Jahren gibt es für Frauen die Möglichkeit, hormonell zu verhüten. Ein großer Schritt Richtung sexuelle Selbstbestimmung und Unabhängigkeit vom Partner. Gut 50 Jahre später scheint auch für Männer die hormonelle Verhütungsspritze greifbar – und laut Studie sogar zu 96 Prozent effektiv.

Heute ist die Pille das beliebteste Verhütungsmittel in Deutschland – trotz ihrer Nebenwirkungen: Akne, depressive Episoden und Veränderungen der Libido (Nebenwirkungen, die auch bei der Verhütungsspritze für Männer auftreten) sind dabei nicht die schlimmsten. Auch ein erhöhtes Risiko für Krebs oder Thrombose gehören auf die Liste.

Medizin, nicht Lifestyle

Was aber viele vergessen: Hormonelle Verhütungsmittel sind Medikamente. Als solche haben sie (leider) Nebenwirkungen. Ob der Nutzen die Risiken aufwiegt, liegt im Ermessen der Ärzte und Ärtztinnen und PatientInnen. Im Falle der Männerspritze hat ein Sicherheitskomitee dazu ganz klar „Nein!“ gesagt – auch wenn mehr als drei Viertel der Versuchskaninchen weitergemacht hätten. 20 Männer sind aus der Studie ausgestiegen. Die Rede ist von klinischen Depressionen, hyperaktiver Libido und Frauen, die ihre Männer nicht wiedererkannten. Klingt extrem – kann aber bei Medikamentenstudien passieren. Dass ProbandInnen das Handtuch werfen, kommt häufiger vor – wie oft wird deswegen die komplette Studie abgebrochen?

Die „Schuld“ ist (wenn überhaupt) beim Untersuchungsausschuss zu suchen. Wäre in einer ähnlichen Situation auch eine Studie für das nächste Pillenpräparat abgebrochen worden? Oder hätte man sich zu (immerhin) ein paar weniger Nebenwirkungen als bei gängigen Präparaten gratuliert? Fragen, die ungeklärt bleiben müssen – genau wie die Zukunft eines hormonellen Verhütungsmittels für Männer.

:Stefanie Lux

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