Rassistische Symbole bei einem belgischen Karnevalsumzug
Karneval als Deckmantel für Rassismus und Judenhass
Symbolbild
Geschmacklose Kostüme: Eine Gruppe Karnevalisten verkleidete sich in Aalst in Gewändern des Ku-Klux-Klans, wie hier zu sehen bei einem Treffen des Klans in den 1920ern. Symbolbild
Geschmacklose Kostüme: Eine Gruppe Karnevalisten verkleidete sich in Aalst in Gewändern des Ku-Klux-Klans, wie hier zu sehen bei einem Treffen des Klans in den 1920ern.

Kommentar. Beim diesjährigen Karnevalsumzug im belgischen Aalst schockiert ein Umzugswagen mit antisemitischer Symbolik. Auch Teilnehmer*innen in Kostümen des Ku-Klux-Klans zeigen, dass Rassismus und Antisemitismus längst wieder in der bürgerlichen Mitte Fuß gefasst haben.

Bunte Kostüme, geschmückte Wagen, laute Musik und jede Menge Kamelle: Eigentlich sind Karnevalsumzüge Ausdruck von Freude und Ausgelassenheit. Doch in einer belgischen Kleinstadt in der Nähe von Brüssel sorgte der Umzug in diesem Jahr eher für Übelkeit als für Jubelstürme. In Aalst, dessen dreitägiger Umzug sogar auf der UNESCO-Liste des „repräsentativen immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ steht, rollte wie selbstverständlich ein Wagen mit, dessen Design auch aus dem „Stürmer“, einem judenfeindlichen Blatt des Dritten Reiches, entsprungen sein könnte. Riesige Figuren, gekleidet in der Tracht orthodoxer Juden und mit Hakennasen, einem antisemitischen Klischee, thronten über Säcken voller Geld. Jüdische Organisationen in ganz Europa, darunter auch Karnevalsvereine, zeigten sich schockiert und empört. Auch der Sprecher der EU-Kommission Margaritis Schinas im von Aalst nur 30 Kilometer entfernten Brüssel sagte, es sei für ihn „unvorstellbar, dass solche Bilder 74 Jahre nach der Schoa auf europäischen Straßen vorkommen“.

Antisemitische Symbolik

Die verantwortliche Karnevalsgruppe „Vismooil‘n“ wollte nach eigenen Angaben mit dem geschmacklosen Werk, das nebenbei auch den Namen „Sabbatjahr“ trägt, gegen steigende Preise in Belgien protestieren. Diese Erklärung ist jedoch entlarvend, denn durch die gewählte Symbolik schlägt sie nur in die Kerbe von antisemitischen Verschwörungstheorien und befeuert das Vorurteil des „gierigen Juden“.  Dass sich der Bürgermeister von Aalst auch noch hinter die Karnevalisten stellt und meint „in Aalst im Karneval sollte das möglich sein“, ist alarmierend, doch mit Blick auf die politische Lage in Europa in den letzten Jahren nicht verwunderlich. Überall gewinnen rechte Parteien an Boden und reizen die Grenzen des Sagbaren immer weiter aus. Wenn dann eine solche Symbolik während eines Festes, bei dem auch Familien mit ihren Kindern am Rand stehen, präsentiert werden dürfen, kann man davon ausgehen, dass solche Meinungen von der bürgerlichen Mitte zwar nicht unbedingt geteilt, aber doch akzeptiert werden. Zudem ist der Umzugswagen bei Weitem kein Einzelfall. In Aalst nahm in diesem Jahr auch eine Gruppe am Umzug teil, die sich als Mitglieder des Ku-Klux-Klan verkleidet hatten. Und 2013 war ein Umzugswagen aufgefallen, der an die Deportationszüge im Dritten Reich erinnert hatte und von Karnevalist*innen in SS-Uniformen begleitet wurden, die Kanister mit der Aufschrift „Zyklon B“, dem Tötungsgas der trugen.

Ku-Klux-Klan Kostüme

Wenn wir als Gesellschaft nicht wollen, dass aus solchen Umzugswagen und Kostümen wieder Realität wird, müssen wir uns gegen diese Entwicklungen stellen. Dazu gehört auch ein Verbot solcher geschmackloser und durchaus gefährlicher Auftritte. Wenn Karneval unter dem Deckmantel der Satire rassistische und antisemitische Äußerungen und Handlungen salonfähig macht, dann fördert er Hass und Ausgrenzung und nicht die Fröhlichkeit. Das darf nicht sein.

:Philipp Kubu